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Julchen wird erwachsen

2010 hat Alfa ­Romeo den Namen Giulietta reaktiviert. Nun wurde der Kompaktwagen überarbeitet und verfeinert. Klingt gut – und ist es auch, wie wir im zweiwöchigen Fahrbetrieb der Version 2.0 JTD Exclusive herausfanden.

Allein schon dieser Name! Alfa Romeo Giulietta – das zergeht auf der Zunge wie das Biscotto im Cappuccino. Ein grosser Name ist es, ein Name mit Historie und Tradition, obwohl erst drei Modellgenerationen gebaut wurden. Unvergessen das wunderbare, von Giovanni Bertone erschaffene Coupé Sprint, das auch Filmgrössen wie Sophia Loren oder Gina Lollobrigida verführte, oder der bildschöne Spider, gebaut von Pininfarina. Die zweite Generation ab 1977 (Typ 116) hatte alles Elegante und Verspielte abgelegt und kam zeitgemäss kantig daher. Doch auch sie war ein Modell, das den Menschen unter die Haut ging, das geliebt, gehegt und gepflegt wurde. Eine Giulietta, ein Julchen, das war etwas Besonderes. 1985 war dennoch Schluss mit der Produktion. 2010 hat Alfa Romeo den grossen Namen wiederbelebt, allerdings in Form eines profanen Steilheck-Kompaktwagens. Auch diese Giulietta sieht gut aus, wenn auch das gewisse Etwas, das die individuelle Schönheit der beiden Vorgängergenerationen ausmachte, nur schwer zu entdecken ist. Julchen ist eben erwachsen geworden, auch wenn das viele schmerzen mag – doch das ist das Los moderner Automobile, deren Entwicklung von rationalen Entscheiden, von Sparzwängen, von strengen Vorschriften, von marktstrategischen Überlegungen geprägt wird. So emotional wie früher sind sie nun einmal nicht mehr, die modernen Autos, daran müssen sich selbst die eingefleischten Alfisti gewöhnen; ein Leid freilich, das nicht nur Alfa Romeo betrifft, bei solch bedeutungsvollen Namen indes mehr ins Gewicht fällt. Dennoch, das Design ist gelungen, die Proportionen sind harmonisch, der Wiedererkennungswert auf der Strasse dank prä­gnan­ter LED-Signatur vorne und hinten gegeben. Der Innenraum ist eine Pracht, zumindest in der von uns gefahrenen gehobenen Ausstattungsvariante Exclusive. Die Giulietta lädt wahrlich zum Fahren und zum Verweilen ein, umschmeichelt die Passagiere mit feinem Leder und haptisch angenehmen Kunststoffen, verwöhnt sie mit moderner Technik. Die Drehregler für die Klimaautomatik sind aus Alu und liegen satt in der Hand, alles wirkt sauber und hochwertig verarbeitet. Doch wie oft bei italienischen Marken liegt die Krux im Detail: Wieso muss ein angeschlossener MP3-Player immer mit dem ersten Lied im Index beginnen, sobald der Motor neu gestartet wird? Weshalb konnte die Bedienung des neuen Infotainmentsystems nicht einfacher gestaltet werden – wenn andere Marken es doch können? Freilich sind das Lappalien, die die Giulietta mit einem charmanten Lächeln vom Tisch fegt; dennoch, es gibt Verbesserungspotenzial. Wir fuhren die Version mit Zwei-Liter-Dieselmotor mit 150 PS und manuellem Sechsganggetriebe. Der Selbstzünder arbeitet kultiviert und dezent im Hintergrund, stemmt aber jederzeit ausreichend Kraft auf die Kurbelwelle: Das maximale Drehmoment von 380 Newtonmetern steht bereits bei 1750 Umdrehungen an, entsprechend gut sind Beschleunigung und Elastizität. Die sechs Gänge lassen sich angenehm und knackig über kurze Schaltwege wechseln, die Übersetzung passt – Motor und Getriebe bilden eine harmonische Kombination. Für die Kurvenhatz steht ein Sportmodus zur Verfügung. Da eine Giulietta mit Dieselmotor aber kein Sportwagen ist und auch im sparsamen Eco-Modus stets ausreichend Power vorhanden ist, verzichteten wir mehrheitlich auf diese Möglichkeit. Dennoch lässt sich Julchen gerne auch flott über kurvige Strassen führen, das Verhalten in Kurven ist für einen Fronttriebler überraschend neutral, wenn auch das Lenkgefühl im sportlichen Einsatz etwas steril wirkt. Die Federung und die Dämpfer sind auffallend straff abgestimmt, was überhaupt nicht nötig wäre – doch auch das ist eine Erscheinung der Zeit. Unkomfortabel ist die Giulietta dabei nicht, auch lange Strecken meistert man in ihr entspannt – auch dank der guten Sitze und deren Verstellmöglichkeiten. Der durchschnittliche Verbrauch variiert denn auch je nach Einsatzgebiet: Im Schnitt ermittelten wir 5,2 Liter auf 100 Kilometer. Sie ist ein feines Gefährt, die Alfa Romeo Giulietta. Und nach zweiwöchigem Fahrbetrieb lässt es sich da und dort erkennen, das gewisse Etwas; subtil und nur begrenzt, aber es ist da. Die von uns gefahrene Version 2.0 JTD Exclusive kostet ab 39?000 Franken, mit diversen Optionen standen 44?600 Franken auf dem Preisschild. Das ist nicht billig, doch so viel sollte dem künftigen Besitzer sein Julchen wert sein. Mindestens.

Alfa Romeo Giulietta 2.0 JTD + Agiles Fahrverhalten + Schönes Interieur + Harmonisches Design - Etwas straffe Federung - Künstliches Lenkgefühl - Wenig intuitive Bedienung

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