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Julius Bär in der Kostenklemme

Zürich. Die Bank Julius Bär hat 2013 fast einen Drittel weniger Gewinn erwirtschaftet als im Vorjahr. Grund dafür sind die hohen Kosten für die Integration einer Merrill-Lynch-Sparte. Auch weitere Sonderfaktoren belasten das Ergebnis.

Die Privatbank Julius Bär hat das vergangene Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 188 Millionen Franken abgeschlossen – 30 Prozent weniger als 2012. Die Bank befindet sich, wie andere Schweizer Privatbanken auch, in einer Umbruchphase. Stark beschäftigt war das Unternehmen im vergangenen Jahr mit der Integration des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts von Merrill Lynch.

Die Summe der verwalteten Vermögen stieg deswegen um rund 53 Milliarden an. Insgesamt belaufen sich die verwalteten Vermögen nun auf 254 Milliarden Franken, so viel wie noch in der Geschichte des Unternehmens. Das Wachstum hat aber seinen Preis: Die Bank beziffert die Integrationskosten für das vergangene Jahr mit 193 Millionen Franken. Für 2014 und 2015 rechnet Julius Bär mit weiteren Integrationskosten von 211 Millionen Franken. Bis Ende 2015 soll die Integration abgeschlossen werden.

Stellenabbau geplant

Insgesamt konnte das Unternehmen seine Einnahmen um 26 Prozent steigern – gleichzeitig stieg aber der Geschäftsaufwand um 29 Prozent. Im laufenden Jahr werde der Fokus auf Syner­gie­n gerichtet, so Konzernchef Boris Collardi gestern vor den Medien. Von den einst insgesamt 5700 Vollzeitstellen bei Julius Bär und Merrill Lynch International sollen 850 bis 1000 gestrichen werden.

Als teurer Klotz am Bein erweist sich die Vergangenheitsbewältigung im Steuerstreit mit den USA. 35 Millionen Franken verbuchte die Bank dafür im vergangenen Jahr, inklusive Rückstellungen von 15 Millionen für noch erwartete Rechtskosten. Somit belaufen sich die Kosten des Rechtsstreits in den vergangenen drei Jahren auf über 80 Millionen Franken. Noch keine Rückstellung wurde für eine allfällige Busse zur Beilegung der Affäre getätigt. Collardi begründete dies mit dem Umstand, dass es nach wie vor keine Anhaltspunkte zur Höhe der Busse gebe. Die Bank Julius Bär gehört, wie die Credit Suisse, zu derjenigen Kategorie von Schweizer Banken, gegen die in den USA bereits ein Strafverfahren wegen der früheren Geschäfte mit Steuerhinterziehern läuft.

Gleichzeitig droht neues Ungemach: Bei der Bank laufen Untersuchungen wegen der möglichen Manipulation von Devisenkursen, die im vergangenen Jahr aufgeflogen ist. Laut Collardi sind davon vor allem Mitarbeiter betroffen, die von anderen Finanzinstituten zur Bank Julius Bär gestossen sind.

Da das Geschäftsjahr 2013 für das Unternehmen durch viele Sonderfaktoren geprägt war, wurden gestern auch die um diese Faktoren bereinigten Zahlen präsentiert. So resultiert beispielsweise statt eines Gewinneinbruchs von fast einem Drittel ein «adjustierter Konzerngewinn», der mit 480 Millionen Franken 19 Prozent höher ausfiel als im Vorjahr.

Trotzdem vermochten die Zahlen gestern weder Analysten noch Anleger an der Börse zu begeistern. «Die negativen Aspekte des Jahresabschlusses überwiegen die positiven Attribute leicht», schreibt ZKB-Analyst Andreas Brun in seiner Einschätzung. An der Börse sank der Aktienkurs bis Handelsschluss um 5,9 Prozent.

Wieder Cüpli für Aktionäre

Im vergangenen Jahr verweigerten die Aktionäre ihre Zustimmung zum Vergütungsbericht. Wie viel die obersten Angestellten und Verwaltungsräte der Bank 2013 kassiert haben, ist noch nicht bekannt. Der Vergütungsbericht sowie ein Plan zur Umsetzung der Abzockerin­itia­ti­ve sollen bis zur Versammlung vorliegen. Für eine Stimmungsaufhellung dürfte die angekündigte Wiedereinführung des vorübergehend gestrichenen GV-Apéros sorgen.

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