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Kampf gegen zwei Problemkreise

Detailverbesserungen und der Erfahrungsschatz nach den ausgiebigen Testfahrten in Bahrain nähren bei Sauber die Hoffnung auf die ersten WM-Punkte. Auch Adrian Sutil und Esteban Gutiérrez haben bei ungewohnt niedrigen Temperaturen Nachholbedarf.

Nach dem durchzogenen Auftakt in Australien mit den nichts einbringenden Plätzen 11 und 12 und den zwei unvermittelt stehen gebliebenen Autos in Malaysia droht dem Sauber-F1- Team der drittschlechteste Saisonstart seit dem Formel-1-Einstieg, 1993. Dreimal haben die Hinwiler den ersten WM-Punkt erst im dritten Rennen ins Trockene bringen können, was auch jetzt im Nachtrennen von Bahrain das Ziel sein muss. Zweimal dauerte das Leiden noch länger: 1996 wurde das Konto erst im sechsten Anlauf eröffnet, dafür umso eindrücklicher mit Johnny Herbert als Drittem und Heinz-Harald Frentzen als Viertem in Monaco. Nach dem kurzfristigen Ausstieg von BMW 2010 tauchte der Name Sauber sogar erst nach dem siebten WM-Lauf und dem auf Platz 10 einfahrenden Kamui Kobayashi erstmals im Klassement auf. Sogar erst im zehnten Rennen in Silverstone fuhr der Japaner damals auf Platz 6, der bis 2002 Voraussetzung für einen Punktgewinn war. Zwei Handicaps «Ein solches Szenario wollen wir unbedingt vermeiden. Für die Moral der beiden hart arbeitenden Mannschaften an der Strecke und zu Hause in Hinwil braucht es Erfolgserlebnisse», weiss Teamchefin Monisha Kaltenborn. Dass diese bisher auf sich warten liessen, hat vor allem zwei Gründe. Der etwas zu konservativ konstruierte Sauber C33 ist zu schwer, obwohl das bisherige Mindestgewicht inklusive Fahrer wegen des neuen Antriebsstranges von 642 auf 691 Kilogramm angehoben wurde. Die genauen Daten bleiben zwar das Geheimnis der Ingenieure, doch wird von kompetenter Seite vermutet, dass Adrian Sutil in Sepang noch rund 20 Kilogramm Ballast und der wesentlich leichtere Esteban Gutiérrez immer noch etwa 6 Kilogramm zu viel mitgeschleppt haben. Allein dar­auf ist der Rückstand auf die Spitzenteams jedoch nicht zurückzuführen. Ein ebenso grosses Problem ist die von Ferrari gelieferte Power-Unit, die noch nicht ausgereift ist, zu wenig PS liefert und es auch an der Höchstgeschwindigkeit fehlen lässt. Damit müssen derzeit auch Fernando Alonso und Kimi Räikkönen im Werkteam leben. Das lässt auf eine rasche Weiterentwicklung und entsprechende Verbesserungen hoffen. Wenn Ferrari nicht aus eigener Kraft um Siege oder wenigstens um Podestplätze kämpfen kann, gehen die Lichter in Maranello nicht mehr aus. Dem als Präsidenten bestätigten Luca di Montezemolo kann und will es nicht gefallen, dass nach der vierjährigen Überlegenheit von Red Bull nun plötzlich Mercedes das Mass aller Dinge ist. Der letzte WM-Titel der Scuderia liegt sechs Jahre zurück, der letzte Weltmeister in Rot war der jetzt für viel Geld wieder verpflichtete Kimi Räikkönen 2007. Der als Erfolgsgarant geholte Alonso hat das ewige Vertrösten und den ständigen Aufholbedarf in seiner fünften Ferrari-Saison allmählich satt. «Wenn ich meinen Teamkollegen hinter mir lasse, habe ich meine Arbeit gemacht. Wenn es trotzdem nicht für einen Spitzenplatz reicht, kann ich nichts dafür», machte der Spanier in Malaysia klar. Teamchef Stefano Domenicali und seine hochgelobten Techniker müssen rasch einen Weg aus der Krise finden. Das erwarten auch die Kundenteams. Fahrer noch ohne Punkte Die Voraussetzungen für den zehnten WM-Lauf in Bahrain und den 900. insgesamt sind nach einer Schlechtwetterperiode mit angenehmen Temperaturen und Niederschlägen ungewohnt. Dass zudem erst beim Einnachten – um 17 Uhr Schweizer Zeit – gestartet wird, rückt erstmals in dieser Saison verstärkt auch die Pirelli-Reifen und deren optimale Nutzung in den Mittelpunkt. Die Sauber-Piloten sehen in diesen Bedingungen eine Chance auf die ersten WM-Punkte. Noch fehlen ihnen Erfolgserlebnisse in der Wüstenlandschaft von Sakhir, die unter Flutlicht noch märchenhafter wirkt. «Die Strecke hat einen ganz speziellen Charakter und macht Spass», findet Esteban Gutiérrez, der wie gewohnt mit seinem Vater angereist ist, am Freitagmorgen das Auto aber erstmals Test- und Ersatzfahrer Giedo van der Garde überlassen muss. «Mit den Erkenntnissen aus den beiden ersten Rennen und den Testfahrten hier sollten wir das Fahrverhalten des Autos weiter verbessern können. Beim Bremsen haben wir schon in Malaysia Fortschritte gemacht, diese aber nicht nutzen können. Jetzt müssen wir den nächsten Schritt machen.» Adrian Sutil fährt bereits sein fünftes Rennen hier und stellt der Strecke ein gutes Zeugnis aus: «Das Layout ist abwechslungsreich und hat alles, was es braucht. Die Boxenanlagen sind modern und bieten sehr viel Platz. Ganz besonders freue ich mich aber, dass wir erstmals in der Nacht fahren. Das ist immer etwas ganz Spezielles und ist oft auch für Überraschungen gut.» Der 31-jährige Sauber-Neuzugang lässt sich die gute Laune durch den missglückten Saisonstart nicht vermiesen und traut seiner Truppe einiges zu. Auf dem Boden der Realität ist er sowieso geblieben. Er ist mit Freundin in der Economyklasse aus Dubai angereist.

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