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Kampf ums Megaprojekt geht los

Im einem Steinbruch am Walensee planen die EKZ die grösste Solaranlage der Schweiz. Jetzt haben sie ein Baugesuch eingereicht. Die Umweltschützer von Pro Natura reagierten mit einer Einsprache.

Eine Fotovoltaikanlage wie diese hat die Schweiz noch nicht gesehen: 80 000 Quadratmeter gross soll sie sein – etwa die Fläche von elf Fussballfeldern – und mit einer Leistung von neun Megawatt wäre sie zwanzigmal produktiver als die bisher grösste Schweizer Anlage auf dem Mont Soleil. Wenn es nach Umweltverbänden geht, wird die Schweiz diese Anlage aber nie zu sehen bekommen. Für 30 Millionen Franken möchten die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) in einem stillgelegten Steinbruch am Nordufer des Walensees eine Solaranlage bauen, die 1400 Haushalte mit Strom versorgen könnte. Striktes Bauverbot Pro Natura und die Stiftung für Landschaftsschutz Schweiz wehren sich gegen das Projekt. Freiflächenanlagen wie diese sind in der Schweiz umstritten – selbst der Schweizerische Fachverband für Sonnenener­gie­­ Swissolar zieht Fotovoltaikanlagen auf Hausdächern vor. Und das, obwohl im Fall von Amden rund 3000 Hausdächer mit Solarpanels bestückt werden müssten, um die Leistung der projektierten Anlage zu erreichen. Die Gegner sind unbeirrt – ihr schlagkräftigstes Argument: Der Steinbruch Schnür auf dem Gemeindegebiet von Amden liegt in einem Gebiet, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) erfasst ist – BLN-Objekt Nr. 1613 «Speer-Churfirsten-Alvier». In einem BLN-Gebiet darf nichts neu gebaut werden – ausser Bauwerke von nationaler Bedeutung. Als die EKZ im Juni ein Baugesuch für eine 80 Quadratmeter grosse Testanlage einreichten, reagierte Pro Natura mit einer Einsprache. Dabei hatte für die EKZ alles so gut begonnen: Man kam wie die Jungfrau zum Kind. So erzählt es Mediensprecherin Priska Laïaïda. An einer 1.-August-Feier haben sich die Amdener dar­über Gedanken gemacht, was aus dem Steinbruch Schnür werden sollte. Ende 2011 endete dort der Abbau von Schotter für die SBB. Damit würden auch die Einnahmen für die Gemeinde ausbleiben. Aber die Sonne scheint beständig an den Südhang und in den Steinbruch hinein. Da müsste man doch etwas mit Solarstrom machen, dachten sich die Amdener und gingen auf die EKZ zu. «Unsere Ingenieure waren sofort von der Idee begeistert», erinnert sich Laïaïda. Es galt eine wichtige Frage zu klären: Wie befestigt man die Panels am Fels, ohne dass sie vom Steinschlag beschädigt werden oder in den See fallen können? Drei Firmen haben Befestigungen konstruiert, die EKZ haben sich für die Lösung der Flumser Firma Bartholet Maschinenbau entschieden: «The Chain» gleicht einer Velokette, die Trägereinheiten der Solarmodule sind aneinandergereiht und passen sich der Topografie an. Entlassung aus dem Inventar In Amden wäre man froh um das Projekt. Die 1664-Seelen-Gemeinde erhielt 2011 1,3 Millionen Franken aus dem Finanzausgleich und ist dankbar für jede Einnahme. Deshalb hat Urs Roth, Amdens Gemeindepräsident und CVP-Kantonsrat, in einer Interpellation um die Unterstützung der Kantonsregierung in Sachen Solaranlage ersucht: bei der Entlassung des Steinbruchs aus dem BLN-Inventar. Vergangenen November antwortete die Regierung. Die Anlage sei innovativ, aber es handle sich um einen «sehr erheblichen Eingriff» in die geschützte Landschaft. Als das Gebiet im Jahr 2000 inventarisiert wurde, hielt der Bund fest, der Steinbruch müsse nach der Stilllegung renaturalisiert werden. St. Gallens Regierung konnte Roth 2011 keine abschliessende Antwort geben. Nun wird es eine Entscheidung geben müssen.

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