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Kampfkraft, Glück und Yann Sommer

ST. Petersburg. Der FC Basel steht trotz einer 0:1-Niederlage bei Zenit St. Petersburg in den Viertelfinals der Europa League. Mit einem gehaltenen Penalty avancierte Yann Sommer zur grossen Figur.

«Das ist unglaublich», freute sich Yann Sommer. «Normalerweise verliert man so ein Spiel vier zu null. Doch irgendwie haben wir es über die Runde gebracht. Wir haben eine riesige Moral gezeigt und gekämpft bis zur 95. Minute. Wir haben etwas Grosses erreicht. Zenit war eine sehr, sehr gute Mannschaft. Ich bin glücklich.»

Nach einer missglückten und glücklosen ersten Halbzeit mit dem verletzungsbedingten Ausfall von Valentin Stocker, dem Treffer von Axel Witsel zum 0:1 in der 30. Minute und der Roten Karte gegen Marcelo Diaz Sekunden vor der Pause kam doch noch alles gut für den FCB, der das Hinspiel 2:0 gewonnen hatte.

Die Offensivabteilung von Zenit St. Petersburg liess Chance um Chance ungenutzt. Der Höhepunkt in dieser Hinsicht war der Penalty von Roman Schirokow in der 86. Minute, den Sommer mit der Fussspitze abwehren konnte. Drei Minuten zuvor hatte der einmal mehr starke FCB-Goalie die Hilfe des linken Pfostens beanspruchen müssen. Mit grossem Einsatz stemmten sich die Basler gegen das zweite Gegentor und sorgten für ein weiteres Ausrufezeichen auf dem internationalen Parkett.

Zum 21. Mal wird ein Schweizer Verein einen Europacup-Viertelfinal bestreiten. In der neueren Zeit, das heisst seit Einführung der Gruppenphasen, schaffte das lediglich der FC Basel, nun zum zweiten Mal nach 2006, als er an Middlesbrough scheiterte. Zuvor war das 16 Jahre lang keinem Klub hierzulande gelungen. Der Weg bis unter die letzten acht ist auch deutlich beschwerlicher geworden. Die Grasshoppers mussten 1990 dafür nur zwei Runden überstehen. Die Basler bestritten gestern ihre 16. Europacup-Partie in der laufenden Saison.

In seinem 43. Saisonspiel geriet der FCB mit zunehmender Spieldauer immer mehr unter Druck. Zenit St. Petersburg war wie erwartet sehr offensiv eingestellt. Doch eine halbe Stunde lang wehrten die Basler die unkoordinierten Angriffe der Russen souverän ab und hatten im Gegensatz zum russischen Meister eine Torchance erarbeitet, nach elf Minuten durch einen Schuss von Stocker, der übers Tor flog.

Irgendwann fing aber etwas gar viel an, gegen den FC Basel zu laufen. Es begann mit dem verletzungsbedingten Ausfall von Stocker nach einer Viertelstunde. Der formstarke Flankenläufer fiel einem Ellenbogenschlag von Alexander Kerschakow zum Opfer – je nach Sichtweise ein hartes Einsteigen oder eine Tätlichkeit. Der polnische Schiedsrichter Gil bestrafte nur mit der Gelben Karte, während sich Stocker mit Schwindelgefühlen und einem wackligen Zahn in die Kabine verabschiedete. Strenger beurteilte der Referee zwei Fouls von Marcelo Diaz kurz vor der Pause. Innerhalb von vier Minuten wurde der Chilene zweimal verwarnt.

Abwehrschlacht

Die Druckphase von Zenit hatte allerdings schon vor dem Platzverweis begonnen. Das 1:0 nach einer halben Stunde und einem Eckball machte beim Favoriten Kräfte frei. Plötzlich agierte er deutlich entschlossener und fand regelmässig Mittel, um sich gegen die Defensive der Basler durchzusetzen. Vor allem der im Hinspiel nahezu wirkungslose Hulk setzte sich auf der rechten Seite immer wieder durch, mit Hilfe des ebenfalls starken Rechtsverteidigers Alexander Anjukow.

Der Uefa-Cup-Sieger 2008 erspielte sich nach dem 0:1 diverse Möglichkeiten, die besten vergaben Anjukow mit einem Schuss aus spitzem Winkel, Witsel mit einem Kopfball, Hulk zweimal aus der Ferne, der Portugiese Danny, der aus fünf Metern kläglich versagte, der eingewechselte Wladimir Bystrow mit einem Pfostenschuss in der 83. Minute und eben Schirokow mit seinem Elfmeter.

Die Rollen im mit 18 000 Zuschauern gefüllten Petrowski-Stadion waren klarer verteilt, als es dem FC Basel lieb sein konnte. Die Gäste waren nach dem 0:1 fast ausnahmslos mit dem Abwehren der russischen Angriffe beschäftigt; kaum einmal konnte sich die Mannschaft mit dem Ball in den eigenen Reihen ein bisschen Entlastung verschaffen.

Mit Ausnahme der Sturmspitze – bis in die 66. Minute Marco Streller, danach Mohamed Salah – waren alle Basler fast ununterbrochen um den eigenen Strafraum anzutreffen. Bei Temperaturen um minus zehn Grad spielte der FCB ein aufopferungsvolles Boxplay. Das Team von Murat Yakin rannte, grätschte und warf sich in die Pässe und Schüsse. Das erlösende Auswärtstor hätte trotzdem fallen können. In der 34. Minute kam Streller frei stehend zum Ball, brachte aber zu wenig Druck hinter seinen Kopfball. Zwei Minuten nach der Pause bot sich auch Mohamed Elneny eine Möglichkeit zum 1:1.

Yakin: «Nicht unverdient»

Murat Yakin gestand ein, dass eine gute Portion Glück nötig gewesen sei, um sich gegen Zenit durchzusetzen, ein Klub, der im Sommer für 80 Millionen Euro Spieler eingekauft hatte. «In der ersten Halbzeit lief alles gegen uns. Wir waren auch nicht aggressiv genug und kamen oft einen Schritt zu spät. In der Pause musste ich ein wenig Ruhe reinbringen. Ich bin glücklich und froh, dass es schliesslich geklappt hat. Über beide Spiele gesehen ist unsere Qualifikation sicher nicht unverdient.» Auf wen sein Basel im Viertelfinal trifft, ist ihm egal. Er freue sich auf jeden Gegner.

Bereits heute Mittag bekommen die Basler in Nyon ihren nächsten Gegner zugelost. Eine Setzliste gibt es in diesem Stadium des Wettbewerbs nicht mehr, somit kann jeder der Viertelfinalisten auf den FCB treffen. Am 4. und 11. April stehen die beiden Begegnungen an, die den Klub erstmals in seiner Geschichte in die Halbfinals führen können. (si)

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