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Katerland ist überall

Sie träumen vom Theater, das raus geht in die Welt, und machen es seit 25 Jahren. Katerland, die Haustruppe des Theaters am Gleis, feiert ein Jubiläum. Eine Begegnung mit den zwei Theatermachern.

Graham Smart und Taki Papaconstantinou haben 1989 das Theater Katerland gegründet, es war das Jahr, als die Mauer fiel. Die erste Produktion war «Kiebich & Dutz» nach F. K. Waechter. Kiebich lebt da in seinem engen Kasten und lässt das Leben draussen an sich vorbeiziehen. Mit Dutz aber findet er den Rank. «Dann gehn wir raus in die Welt. Allein kriegst du leicht Schiss, aber zu zweit ist das eine herrliche Sache», sagt Kiebitz. Das könnten auch Graham Smart und Taki Papaconstantinou sagen. Mit diesem Stück beginnt selber ein gemeinsamer Weg. Es war ein Aufbruch ins Neuland, aber eine genaue Vorstellung hatten die zwei Theatermacher damals natürlich nicht, was sie erwartet – Abenteuer finden eben nicht im Kopf statt, sondern draussen, auf der Bühne. «Wir waren am Anfang noch sehr jung und sehr ungestüm», sagen Graham Smart und Taki Papaconstantinou. Sie wussten damals auch nicht, wie man Kinder, die zum Mitspielen aufgefordert waren, wieder von der Bühne brachte – und auch nicht, was machen, wenn die Kinder im Theater sagten, sie wollten jetzt lieber nach Hause. «Wir haben mit dieser Produktion alle Erfahrungen gemacht.» Mit dem Waechter-Stück sind Graham Smart und Taki Papaconstantinou ein Stück gewachsen, wie mit all den anderen Produktionen auch, die für das Theater Katerland (und auch für ihre bravebühne) stehen – «jetzt sind wir Männer». Manchmal muss man halt aus der Kiste heraus. Das Daheim ist das Theater am Gleis. Katerland ist die Haustruppe für Kinder- und Jugendtheater. Im Gleis wurden viele Stücke produziert. Von hier aus gingen sie den Weg weiter auf die Bühnen und auch in den Singsaal von Schulen. Katerland ist überall. Und ab und zu kommen die Stücke wieder zurück, wie jetzt zum Jubiläum. Für alle Sinne «Kiebich & Dutz» ist schon längst abgespielt, wie auch viele andere Stücke, die das Theater Katerland in der Schweiz und auch an internationalen Festivals zum Begriff für engagiertes Theater machte. Gehobenen Unterhaltungsbrunz können heute andere zeigen. Katerland hält am ursprünglichen Programm fest, es heisst: keine Kompromisse, das Theater muss gültig sein. Sinn vermitteln ist hier eine Aufgabe. Und die gibt es im Katerland auch in der Mehrzahl. Bis heute sind im Repertoire: «Spatz Fritz» (inkl. Frédo le moineau und Sparrow Fritz – ja, Katerland kann auch Fremdsprachen), dann «Hallo?», «Das grüne Kücken», «Das war der Hirbel», «Nipplejesus», «Virgins», «Der fliegende Koffer», «D’ Härdöpfelsuppe» und nicht zuletzt «Die Verschwundenen». Die Statistik zählt bis Ende Dezember 2013 insgesamt 1599 Vorstellungen, die das Theater Katerland im Laufe seiner Geschichte gegeben hat. 25 Jahre sind eine lange Zeit, da gab es verschiedene Moden. Doch viel hat sich in der Zeit im Katerland nicht verändert. Noch immer ist die Lust auf das Neue da. «Wir sind uns treu geblieben.» Die Welt im Spiel ausprobieren Nur: Heute wissen manche Kinder nicht mehr, was ein Spatz ist. Da helfen auch kein sparrow oder moineau weiter. Die Geschichten aber, die das Theater Katerland in all seinen Stücken erzählt, bringen etwas nahe, was vielleicht heute viele schon vergessen haben, nämlich, dass sich im Spiel ganz verschiedene Welten neu entdecken lassen – auch solche, die tief in den Menschen verborgen sind. Ein Beispiel dafür ist das Stück «Das war der Hirbel» nach dem Roman von Peter Härtling – es erzählt die Geschichte eines geistig behinderten Kindes, das im Heim seine Erfahrungen macht – Hirbels Lieblingsort ist ein Schrank, in dem das Kind ganz für sich sein kann. «Hier ist es dunkel. Keiner stört ihn, keiner stellt Forderungen an ihn und hier muss er auf niemanden Rücksicht nehmen.» «Ich hatte keine Ahnung, wie das Stück funktioniert», sagt Taki Papaconstantinou – aber plötzlich haben sich die Jugendlichen im Theater mit Querkopf Hirbel solidarisiert. Nicht wegen seiner Behinderung. Sondern weil sie das Gefühl kennen, manchmal doch sehr fremd in dieser Welt zu stehen. Das Theater ist in diesem Sinn eine Schutzzone. Hier lassen sich viele Sachen, die das Leben mit sich bringt, einfach mal ausprobieren. Die Liebe gehört hier immer dazu. «Man muss sich immer ein bisschen verlieben in die Produktionen.» Taki Papaconstantinous Liebling ist der «Hirbel». Ein Spieler auf der Bühne, ein Tennisball, ein Kassettenrekorder, mehr braucht es da nicht, um die Geschichte zu erzählen. Auf der anderen Seite ist Katerland immer für andere Formen des Kinder- und Jugendtheaters offen, es wird experimentiert mit Videoprojektionen, Tanz und auch ganz neu mit Trickfilm. Das ist aber keine Spielerei. Denn das Publikum wird mit diesen Mitteln direkt in eine Beziehung zur Kunst gesetzt. «Nipplejesus» ist in dieser Hinsicht der Favorit von Graham Smart. Mit den eigenen Möglichkeiten kann man viel erreichen. «Wir wissen, was wir können. Und wissen auch, was wir nicht können.» Damit kommt das Theater Katerland weit in die Zukunft – mit wachen Sinnen wie Kiebich & Dutz. Es gibt kein Zurück in den Kasten. 25 Jahre Katerland, Jubiläumsfest am 25. Januar im Theater am Gleis mit «Das war der Hirbel» und «Virgins». Am 26. 1. zum Zmorge «Hallo?» www.katerland.ch

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