Zum Hauptinhalt springen

Katholiken stellen Glocken nachts ab

Die katholische Kirchgemeinde gibt im Glockenstreit nach: Die Zeitschläge in der Nacht werden ab Januar von 22 bis 6 Uhr ausgesetzt. Beibehalten wollen die Katholiken das liturgische Geläut und das Frühgeläut um 6 Uhr morgens.

Die Pläne, die Kirchtürme St. Josef in Töss und Herz Jesu im Stadtkreis Mattenbach mit einer Dämmung auszurüsten, sind vom Tisch. Wie die römisch-katholische Kirchgemeinde heute mitteilt, hat sie entschieden, den Stunden- und Viertelstundenschlag in der Nacht von 22 bis 6 Uhr stadtweit auszusetzen. Der Entscheid betrifft nebst den beiden genannten Kirchen auch die als katholische Stadtkirche geltende Kirche St. Peter und Paul. Die vier weiteren katholischen Kirchen hatten ohnehin keinen nächtlichen Glockenschlag. Mit dem Entscheid respektierten die katholischen Kirchen die Polizeiverordnung, wie es in einer Mitteilung heisst. Gleichzeitig entsprechen sie einer Forderung von Anwohnern. In den Stadtkreisen Mattenbach und Töss waren vor bald vier Jahren rund ein halbes Dutzend Lärmklagen gegen die Kirchen eingereicht worden. Lärmmessungen ergaben, dass die Lärmbelastung weit oberhalb der von Gerichten beigezogenen Grenze von 60 Dezibel lagen sowie noch einmal deutlicher über den 50 Dezibel, ab denen laut einer ETH-Studie der Schlaf gestört wird.

Unter Druck entschieden

Der Glockenstreit hat eine lange Vorgeschichte. Nach gescheiterten Vermittlungsversuchen durch die Stadt hatte die katholische Kirchgemeinde zunächst eine Dämmung ins Auge gefasst. Anwohner hatten darauf zu verstehen gegeben, dass sie den Gerichtsweg beschreiten würden, wenn die Dezibelwerte nach Umsetzung der Massnahmen weiterhin zu hoch liegen würden. Das Einlenken der Kirche erfolgte unter diesem Druck. «Wir wollten ein langwieriges Gerichtsverfahren vermeiden», sagt Claudia Sedioli, die Sprecherin der katholischen Kirchgemeinde. «Jetzt können wir uns wieder auf unser Kerngeschäft konzentrieren.» Vom Entscheid nicht betroffen ist das sogenannte liturgische Geläut, das im Gegensatz zum Zeitschlag einen direkten Bezug zum religiösen Brauchtum hat. Insbesondere bei Beerdigungen, Hochzeiten, zu Weihnachten, Silvester und Neujahr sowie in der Osternacht werde weiter geläutet. Ebenfalls beibehalten werden soll das Frühgeläut in der Kirche St. Josef in Töss um 6 Uhr morgens. Auch gegen dieses Geläut wehren sich Anwohner. Ob der Winterthurer Glockenstreit nach fast vier Jahren ganz beigelegt ist, bleibt damit vorerst offen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch