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Kein Roboter-Bus ins Bruderhaus

Ein autonomer Bus könnte das Parkplatzproblem des Wildparks lösen, finden GLP-Politiker. Der Stadtrat kann sich das vorstellen – doch die heutige Technik sei noch nicht reif dafür.

Michael Graf
Der autonome Bus "MyShuttle" war im März 2018 auf Testfahrt in der Stadt Zug.
Der autonome Bus "MyShuttle" war im März 2018 auf Testfahrt in der Stadt Zug.
Keystone, Urs Flüeler

Dass der Wildpark Bruderhaus an schönen Wochenenden ein Parkplatzproblem hat, ist unbestritten. Die Stadtverwaltung tüftelt derzeit an einem Konzept für ein sensorgestütztes Parkleitsystem. Doch warum das Problem nicht mit einem selbstfahrenden Bus entschärfen? Diese Anfrage stellten GLP-Gemeinderätin Silvia Gygax-Matter und ihr Parteikollege Markus Nater dem Stadtrat im September. In der Stellungnahme zu einer früheren Anfrage betreffend selbstfahrenden Bussen hatte der Stadtrat geschrieben, dass für einen Testbetrieb Strecken mit «begrenzter Nachfrage und geringer verkehrlicher und technischer Komplexität» in Frage kämen. Das treffe doch auf die Bruderhaus-Zufahrten ab der Breite oder vom Seemerbuck zu, argumentieren die GLP-Parlamentarier.

Bei der Linie 12 ins Bruderhaus bestehe tatsächlich ein «Zielkonflikt» zwischen Kosteneffizienz und Attraktivität, antwortet nun der Stadtrat. Derzeit deckt der Betrieb der Linie nur knapp 40 Prozent der Kosten. «Ein autonomes Fahrzeug kann langfristig eine Lösung darstellen», glaubt der Stadtrat. Der grösste Kostenpunkt beim Betrieb einer Buslinie ist nämlich nicht der Treibstoff, sondern das Fahrpersonal.

Bloss ein Marketing-Vehikel?

Auf kurze und mittlere Frist wird es aber nichts mit dem Roboterbus. «Die Kosten der Versuchsbetriebe sind heute noch sehr hoch», schreibt der Stadtrat. Dies, weil die Fahrzeuge Einzelanfertigungen seien und weiterhin durch menschliche Fahrer begleitet werden müssen. Auf der Bruderhaus-Linie rechnet der Stadtrat deshalb mit Mehrkosten von jährlich ein bis zwei Millionen Franken. Dazu kommt die Beschaffung der zwei oder drei Fahrzeuge mit Stückpreis von je rund 700 000 Franken. «Der Mehreffekt autonomer Fahrzeuge besteht heute primär bei deren internationalen Marketingwirkung», folgert der Stadtrat.

Kein GPS-Signal im Wald

Anders gesagt: Die heutige Technik ist noch nicht weit genug für einen wirklich autonomen Betrieb. Mit den bestehenden Fahrzeugen seien die Waldstrassen zum Bruderhaus «nur mit mehrmaligen manuellen Eingriffen» befahrbar, heisst es in der Antwort. Bewegende Büsche und Gräser würden von den Systemen als Gefahr beurteilt, schnelle Velofahrer bergab würden hingegen nicht rechtzeitig erfasst. «Zudem besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Fahrzeug das GPS-Signal im dichten Wald verliert.»

Wenn die technischen Probleme gelöst seien und die Begleitung durch einen menschlichen Busfahrer überflüssig geworden sei, könne man erste Planungsschritte angehen, sagt der Stadtrat. Die Finanzierung des Versuchsbetriebs müsste allerdings in einem separaten Schritt sichergestellt werden. Denn weder sei eine Quersubventionierung aus dem normalen Personenverkehr von Stadtbus statthaft, noch, wie von der GLP vorgeschlagen, aus dem Smart-City-Rahmenkredit.

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