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Kein Vorteil für Red Bull im Heimspiel

Red Bull Racing bestreitet ein Heimspiel, doch­ erste Siegesanwärter bei der Wiedergeburt des Grossen Preises­ von Österreich sind die Mercedes-Fahrer. Das halbe­ Teilnehmerfeld bewegt sich in der Steiermark auf Neuland.

Russland ist in diesem Jahr erstmals Schauplatz der Formel-1-Welt­meisterschaft und weckt ­wegen der politischen Lage vie­len­orts gemischte Gefühle. Auf unein­geschränkte Begeisterung stösst dagegen die Rückkehr nach Österreich. Dank enormen Investitionen und Winkelzügen von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz wird an diesem Wochenende nach elfjährigem Unterbruch zum 27. Mal in der Steiermark gefahren.

Nach einer holprigen Premiere auf dem Militärflugplatz von Zeltweg 1964 machte die Formel von 1970 bis 1987 erst Station auf dem sechs Kilometer langen Öster­reichring gleich nebenan und dann von 1997 bis 2003 auf der verkürzten Strecke des A1-Rings. Für den mit Spannung erwarteten vierten Anlauf ist die 4,3-Kilometer-Berg-und-Tal-Bahn aus naheliegenden Gründen Red Bull Ring getauft worden: Mateschitz hat nicht nur das ganze Areal übernommen, sondern gleich noch die besten Hotels in der Nähe und anderes mehr.

Warten auf Probleme bei Mercedes

Von einer Vision ist er jedoch weiter entfernt als beim Beginn der Umsetzung des ehrgeizigen Projekts. Trotz des unerwarteten Erfolgs von Daniel Ricciardo vor zwei Wochen gehört Red Bull Racing beim ausverkauften Heimspiel nicht zu den Favoriten. Zu krass ist im Jahr 1 der neuen Formel 1 die Überlegenheit von Mercedes, das ohne Hybrid- und Bremsprobleme auch in Ka­nada gewonnen hätte. Für Aufsteiger Ricciardo und den durch die ungewohnte Si­tua­tion doch etwas aus dem Gleichgewicht geratenen Sebastian Vettel ist in der beschaulichen Steiermark deshalb ein Podestplatz das erste Ziel.

Zu mehr reicht es nur, wenn sich Nico Rosberg und Lewis Hamilton selbst um ihre Chance bringen. Zu dem seit Mel­bourne erwarteten teaminternen Crash ist es trotz einiger grenzwertiger Manöver bisher aber nicht gekommen. Seit dem zweiten Saisonsieg in Monaco und der mit Platz 2 belohnten fahrerischen Reifeprüfung in Montreal liegen die Vorteile jedoch wieder klar bei Rosberg, und das verspricht neuen Zündstoff.

Während Hamilton wie die Hälfte des Startfeldes erstmals überhaupt Bekanntschaft mit dieser reizvollen Hügellandschaft und der geschickt darin eingebetteten Rennstrecke macht, ist sein Titelrivale vor mehr als zehn Jahren schon in der Formel 3 hier gefahren. «Das ist zwar nicht vergleichbar mit dem, was uns jetzt mit den V6-Turbomotoren erwartet und deshalb nicht überzubewerten», findet Rosberg. «Viel wichtiger ist es, dass ich die Siegesserie von Lewis stoppen und 22 Punkte Vorsprung herausfahren konnte. Das wird ihn in den nächsten Rennen mächtig unter Druck setzen.»

Räikkönen und Massa mit Erfahrung im Sauber

Das berührt Hamilton aber nicht weiter. «Frustrierend ist es immer, wenn man nicht alle Bausteine zusammenbringt, die für einen Sieg notwendig sind, vor ­allem dann aber, wenn daraus auch noch Nuller resultieren», gesteht der Brite. «Noch dauert die Saison aber lange genug, um wieder aufholen zu können. Mit diesem Mercedes ist alles möglich.»

Im Gegensatz zu den Red-Bull- und Mercedes-Fahrern haben ­Kimi Räikkönen, Jenson But­ton, Fernando Alonso und Felipe Massa auf dem früheren A1-Ring bereits WM-Läufe bestritten. Der Erfolgreichste war Räikkönen als Zweiter 2003 im McLaren und als sensationeller Vierter in seinem Premierenjahr mit Sauber. Auch Button schaffte es auf den Positionen 4 und 7 zweimal ins Ziel. Alonso dagegen beklagte einmal Motor- und einmal Getriebeschaden.

Massa sah sich in seinem ersten Formel-1-Jahr – ebenfalls im Sauber-Team – nach einem Unfall wegen eines Aufhängungsbruchs ebenfalls zur Aufgabe gezwungen. Der vom Unfall in Ka­nada vollständig erholte Brasilianer sieht sich deswegen nicht im Vorteil: «Die Piste und die Autos haben sich in den letzten elf Jahren so stark verändert, dass ­alle auf dem gleichen Stand anfangen werden. Die Strecke ist auch nicht besonders schwierig zu ­lernen, daher werden wir schnell zurechtkommen.»

Mit einem Formel-1-Wagen sind sonst nur noch Ricciardo für Filmaufnahmen und Jean-­Eric Vergne bei Demofahrten in der Steiermark unterwegs gewesen. Erfahrungen aus anderen Rennserien wie Rosberg haben in Spielberg Vettel, Maldonado, Sutil sowie in jüngster Zeit die beiden Neueinsteiger Magnussen und Kwjat gesammelt, die nach einem perfekten Saisonstart etwas vom guten Weg abgekommen sind.

Die zehn weiteren Teilnehmer des 27. Grossen Preises von Öster­reich müssen sich erst einmal mit den Verhältnissen vertraut machen. Neben Hamilton betrifft das auch Hülkenberg, Pérez, Bottas, Gros­jean und Bianchi sowie Ericsson, Gutiérrez, Koba­ya­shi und Chilton, die endlich ihr Punktekonto eröffnen möchten.

Peter Lattmann

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