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Keine Chance, kein Tor, kein Punkt

Der FCW liess seine schöne Serie in Lugano zu Ende gehen. Nach fünf Siegen in Folge im Cornaredo verlor er nach einer ungenügenden Offensivleistung 0:1.

In der Nachspielzeit schoss Marco Aratore den Ball von der einen Strafraumecke diagonal ganz knapp am weiteren Torpfosten vorbei. Schon in der 38. Minute hatte er nicht schlecht geschossen, seinen Ball aus 17 Metern bekam Torhüter Francesco Russo erst im zweiten Anlauf zu fassen. Damit aber wären die beiden einzigen wahren Offensivszenen des FCW schon aufgezählt. Damit liess sich auf jeden Fall dieser Match um Platz 5 in der Tabelle der Challenge League nicht gewinnen. Die Winterthurer waren im Spiel nach vorne ganz einfach zu schwach, zu unpräzis, um nach fünf Siegen in Folge im Cornaredo seit einem 0:2 im April 2010 ein sechstes Mal zu gewinnen. Eigentlich ein 0:0-Spiel … Ein Unentschieden, genauer: ein 0:0, wäre immer noch möglich gewesen. Und eigentlich wäre es der naheliegendste Ausgang dieses Spiels gewesen. Denn auch die Tessiner brachten nach vorne so gut wie nichts zustande – oder aus Winterthurer Sicht: Die Defensivleistung des FCW war in Ordnung bis gut. Als Möglichkeiten Luganos, ein Tor zu erzielen, sind nämlich auch nur zwei zu erwähnen. Die erste war gleich nach der Pause ein sehr guter Schuss Evertons aus 17 Metern, den Sascha Studer gut abwehrte. Die zweite war, zehn Minuten später, die Entscheidung. Rechtsverteidiger Daniel Maffi düpierte Jonas Elmer, flankte flach zur Mitte; dort stand Verteidigerkollege Orlando Urbano und schlug den Ball aus vielleicht zehn, elf Metern in die nähere Ecke. So ganz unhaltbar wirkte dieser Ball nicht. Dieser Treffer sollte sich als Entscheidung erweisen, was in Anbetracht der Tagesform der Winterthurer Offensive nicht wirklich überraschte. Natürlich bemühte sich die Mannschaft, aber es gelang ihr – bis zu Aratores knappem Fehlschuss – nicht eine gefährliche Aktion. Es blieb nämlich dabei, dass sich spätestens im Mittelfeld einfach zu viele Unpräzisionen einschlichen. Und es blieb dabei, dass keiner aus der offensiveren Hälfte der Mannschaft irgend etwas halbwegs Bedeutendes beitragen konnte. Sturmspitze Patrick Bengondo verlor die meisten Zweikämpfe, erstaunlicherweise auch jene in der Luft; und hatte er den Ball mal, gab er ihn in der Regel wieder ab. Einen schwachen Tag zog aber auch Kris Kuzmanovic ein. Antonio Marchesano war so lauffreudig und willig wie immer; er war am ehesten noch der Antreiber nach dem Gegentor. Aber er wirkte oft zu überhastet, also war auch von ihm nichts Entscheidendes zu sehen. Aratores Qualitäten waren auch nur bei seinen zwei Schüssen wahrzunehmen. Es war aber auch offensichtlich, dass die Tessiner gut eingestellt waren auf den FCW. Sie spielten aggressiv und defensiv diszipliniert, willens, die schwache Serie gegen die «bestia nera», den Angstgegner, endlich zu beenden. «Dass wir offensiv nicht mehr zustande brachten,» urteilte denn auch der Winterthurer Trainer Boro Kuzmanovic, «lag auch am Gegner, der sehr aggressiv war. Eigentlich war es ein 0:0-Spiel.» So kann man es sehen, wenn man das Positive in den Vordergrund rückt. Von einer Mannschaft mit den grundsätzlichen offensiven Qualitäten des FCW wäre aber doch mehr zu erwarten, ja zu verlangen gewesen. Allerdings war er im völlig neu besetzten Mittelfeld etwas zu leichtgewichtig, um einen hartnäckigen und eben soliden Gegner nicht nur unter an der Entfaltung seines Spiels zu hindern, sondern gar so etwas wie Dominanz zu erreichen. Weil Remo Freuler nicht mehr Winterthurer ist, erhielt Davide D’Acunto wie erwartet seine erste Chance in der Startelf. Es war aber auch der nominelle «Sechser», Gianluca D’Angelo, kurzfristig nicht verfügbar. Er erkrankte, verbrachte den schönen Tessiner Tag im Hotelbett und wurde auf der Heimfahrt wieder abgeholt. D’Acunto und Zuffi waren dann zwar ordentlicher Teil der Defensive, aber fürs Spiel nach vorne blieben ihre Beiträge wirkungslos. Elmers schwacher Moment Die Viererkette dahinter spielte eigentlich gut genug, wenigstens die Null zu halten. Die beiden Basler Innenverteidiger Patrik Baumann und Fabian Ritter waren gut und kopfballstark, abgesehen von je einer Szene in der ersten Halbzeit, in der sie patzten. Defensiv hielten auch die beiden Aussendecker dicht, Patrik Schuler und Elmer. Rückkehrer Elmer, vor zehn Tagen in einem Testmatch mit der U21 gegen den Zweitligisten Phönix Seen noch ziemlich weit von Challenge-League-Niveau entfernt, fand sich gleich erstaunlich gut zurecht, wirkte ball- und stellungssicher. Aber er hatte dann den schwachen Moment, der sich schliesslich spielentscheidend auswirken sollte. Dass er sich von Maffi, gewiss keiner besonderen Grösse seines Fachs, einfach so übertölpeln liess, war schon erstaunlich. Und weil er das tat, wurde aus einem 0:0- ein 0:1-Spiel, rutschte der FCW zumindest mal nach Minuspunkten aus der ersten Tabellenhälfte in die zweite. Es ist ja auch die Tendenz der Tessiner deutlich besser als jene des FCW. Der FC Lugano hat seit dem 2:3 auf der Schützenwiese in neun Spielen nur noch zweimal Punkte abgegeben, mit einem 0:0 daheim und einem 0:2 auswärts gegen Leader Vaduz. Die Winterthurer aber haben ihre letzten drei Auswärtsspiele, in Chiasso, Wil und nun Lugano, allesamt 0:1 verloren. Das ist deutlicher Hinweis darauf, dass eine Mannschaft, der eigentlich ein Mehr an offensiven Qualitäten nachgesagt wird, in dieser Beziehung zurzeit darbt. Und so wurde gestern auch noch eines der wenigen positiven Daten der Saison gelöscht: Dass wenigstens gegen den FC Lugano immer gewonnen wird, mag auch geschehen was will.

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