Zum Hauptinhalt springen

Keine olympischen Ablenkungen

london. Roger Federer ist in Wimbledon, seiner Tennisarena, erster Anwärter auf Einzelgold und meidet alles, was die Vorbereitung stört.

Michael Phelps, Usain Bolt, Roger Federer. In diesen olympischen Tagen sind das die grossen drei im Einzelsport. Gestern präsentierten sich Phelps und Federer nacheinander den internationalen Medien, der Schweizer lockte eine Handvoll mehr Interessierte an. Er geniesse solche Anlässe, sagte er hinterher im kleinen Schweizer Kreis. «Solche Momente können mich auch nervös machen, wie vorher vor 400 Leuten», sagt er. «Und die Fragen kommen aus völlig neuen Blickwinkeln.» Eine Neuseeländerin wollte ihn nach Auckland locken. Ein Inder wollte als «Fan» wissen, ob er nach Olympiagold zurücktreten würde. Was Federer verneinte und ergänzte, dass auch Rio 2016 nicht ausgeschlossen sei.

Diese Konferenz war eine der wenigen olympischen Ablenkungen Federers. Er lässt alles beiseite, was stören könnte. Die Eröffnungsfeier, für die er ursprünglich als Fahnenträger vorgesehen war, lässt er aus. «Peking war zu hart», begründet er. Als Weltstar war er ein gefragter Mann unter den Sportskollegen anderer Nationen. «Mitglieder von Swiss Olympic mussten mich vor den Leuten abschotten. Das war wirklich nicht einfach für mich, ich konnte es nicht geniessen.» Ausserdem sei der Weg von Wimbledon, wo er wohnt, zum Olympiastadion zu weit. Wie in Peking wohnt er nicht im olympischen Dorf. «Das habe ich in Sydney und Athen zweimal erlebt. Jetzt könnte ich nicht mehr so einfach dort sein.» Trotzdem geniesse er den «olympischen Spirit. Die Spiele haben mir viel gebracht.»

«Mein grosser Traum»

In der Startrunde trifft Federer auf den Kolumbianer Alejandro Falla, Nummer 51 der Weltrangliste. Alle bisher fünf Begegnungen gingen an den Schweizer, allerdings war er an Wimbledon 2010 einen Matchball vor der Niederlage gestanden. «Es hätte schlimmer kommen können», meint er zur Auslosung.

Die Erfahrungen aus jetzt vier Olympischen Spielen «helfen vielleicht auch, um meinen grossen Traum zu erreichen». Olympiasieger im Doppel, 2008 zusammen mit Stanislas Wawrinka, ist er bereits. Im Einzel fehlt ihm die Medaille. Am nächsten dran war er bei seiner Olympiapremiere 2000 in Sydney, als er den Halbfinal und das Spiel um Bronze verlor. In Athen und Peking leistete er sich sehr frühe Abgänge.

Deshalb weiss er genau, worum es geht, wenn er sagt: «Ein paar schlechte Minuten in einem Match können das Turnier kosten.» An Olympia wird, ausser im Final, nur auf zwei Gewinnsätze gespielt. Bei diesem Format wäre er dieses Jahr in Wimbledon in der dritten Runde aus dem Turnier geflogen, nachdem er gegen den Franzosen Julien Benneteau die ersten beiden Sätze verloren hatte.

«Vielleicht helfen auch die sieben Wimbledon-Siege», meint er noch. «Auch wenn das hier ein ganz anderer Event ist mit einer anderen Atmosphäre. Olympische Spiele in Wimbledon sind unglaublich. Das ist eine grosse Sache für einen Tennisspieler.»

Wimbledon und Federer sind die ideale Kombination. Besonders nach seinem siebten Sieg Anfang Juli und der Rückkehr auf Platz 1 der Weltrangliste steigt er als Favorit ins Olympiaturnier. Andy Murray und Novak Djokovic, die er im Final und Halbfinal bezwang, sind – nach Rafael Nadals Forfait – wieder die härtesten Konkurrenten. Im Doppel, an Wawrinkas Seite, ist die Ausgangslage offen, es gebe, meint Federer, keine Favoriten. «Alles ist möglich.» Auch für die Titelverteidiger.

Viel und gut trainiert

«Ich möchte die Schweiz mit einer Medaille stolz machen», sagte er vor den internationalen Medien. Die Voraussetzungen dafür sind gelegt, die Vorbereitung stimmt. «Ich hatte eine gute Zeit seit Wimbledon», erzählt Federer. Er feierte den Triumph, machte eine Woche Ferien mit der Familie. Seit Sonntag ist er zurück in London, trainierte mit Leyton Hewitt und Tomas Berdych sowie Doppel mit Stanislas Wawrinka. «Ich habe in den Trainings viel und sehr gut gespielt», sagt er. «Ich muss explosiv und frisch sein.» Deshalb geht er olympischen Schauplätzen, die ihn an der Vorbereitung hindern, aus dem Weg.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch