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Keine Spur von den Salafisten-Predigern

Die islamistischen Aktivisten Abou Nagie und Ebu Tejma mussten ihre Auftritte in Winterthur offenbar abblasen. Aussagen der Kantonspolizei lassen auf eine Einreisesperre schliessen.

Der Kölner Abou Nagie und der Wiener Ebu Tejma gelten als zwei der umstrittensten Exponenten der konservativ-islamistischen Salafisten-Szene. Am Samstag hätten die beiden an einem Anlass in Winterthur auftreten sollen. Doch dazu kam es nicht, wie sich aus Aussagen der Kantonspolizei schliessen lässt, die im Gegensatz zu den Medien Zutritt zum Anlass hatte. Laut Kapo-Sprecher Werner Benz war die Polizei vor Ort, «um sicherzustellen, dass niemand auftritt, der mit einer Einreisesperre belegt ist». Das sei dann auch nicht der Fall gewesen. Ob mit dem Einreiseverbot Abou Nagie und Ebu Tejma gemeint sind, lässt Benz offen. Aus rechtlichen Gründen dürfen die Behörden dazu keine Auskunft geben. Die Schlussfolgerung liegt allerdings nahe. Seit der «Tages-Anzeiger» den geplanten Auftritt der beiden oft als «Hassprediger» bezeichneten Männer öffentlich gemacht hatte, war über eine Einreisesperre spekuliert worden. In einem ähnlichen Fall vor vier Jahren war bereits gegen den deutschen Konvertiten und Salafisten-Aktivisten Pierre Vogel eine Einreisesperre verhängt worden. Vogel galt lange als enger Vertrauter von Abou Nagie. Die Organisatoren selbst hüllten sich am Samstag in Schweigen. Ob die beiden Prediger im Saal sind, war­um so umstrittene Personen an eine Spendenversammlung eingeladen werden, wie viele Sympathisanten die Veranstaltung besuchen – die kräftigen bärtigen Männer zuckten ob solcher Fragen nur mit den Achseln. Und mit herausgekehrter Freundlichkeit verweigerten sie den Medienvertretern den Einlass. «Keine Panik, ich bin Muslim» Beobachtungen vor Ort lassen vermuten, das maximal 100 Personen der Einladung ins Hotel Töss gefolgt waren. Zum Teil reisten sie von weit her an, wie die Autokennzeichen verrieten. Unter den Besucherinnen und Besuchern waren nebst Einwanderern und Secondos auch einige Konvertitinnen. Die Veranstaltung spielte sich in zwei nach Geschlechtern getrennten Räumen ab. Für die Frauen, die fast alle mit dem Gesichtsschleier Niqab erschienen, war ein eigener Eingang reserviert. Von den Besuchern war lediglich eine Gruppe junger Männer gesprächsbereit – alle in Töss aufgewachsen und im Besitz des Schweizer Passes. Zwei von ihnen trugen ein T-Shirt mit der Aufschrift «I’m Muslim – don’t panic» («Ich bin Muslim – keine Panik»). Und das war auch sonst ihre Botschaft: «Es wird total übertrieben reagiert.» Die Hilfsorganisation Ansaar International, die den Anlass organisiert hatte, werde in ein falsches Licht gerückt. «Man muss sich nur anschauen, was die in Syrien alles machen.» Auch Abou Nagie nehmen die jungen Männer in Schutz: «Er ist kein Hassprediger, nur weil er sagt, was der Koran sagt.» Ganz anders sieht das Saïda Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam. Sie glaubt nicht an eine reine Sammelaktion für Syrien und hält die Veranstalter für gefährlich. «Sie appellieren an das Mitleid der nichts ahnenden Leute, um sie für ihre Weltanschauung zu gewinnen», sagte Keller-Messahli zu Tele Top. Dabei gehe es den Salafisten darum, Mitglieder anzuwerben. Bekanntermassen würden aus diesen Kreisen «Leute in den heiligen Dschihad nach Syrien geschickt». (mcl)

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