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Keiner steuert gegen den Fusionskurs

Mehrere Anläufe für Zusammenschlüsse im mittleren Tösstal sind bereits gescheitert. Jetzt ziehen die Behörden erstmals am gleichen Strick, um die Schulen unter einem Dach zu vereinigen.

Schluss mit Beschnuppern und Flirten: Dieses Mal meinen es alle Behörden der drei Primar- und zwei Sekundarschulen in Turbenthal, Wila und Wildberg gleichsam ernst. Sie stellen den Stimmberechtigten am 28. September an der Urne die Frage, ob die Behörden alle Details für einen Zusammenschluss abklären und einen Vertrag ausarbeiten sollen. Am Mittwochabend erläuterten die Mitglieder der Projektgruppe an einem ersten Infoanlass in Turbenthal die Beweggründe.

Auslöser sind die komplizierten Strukturen im mittleren Tösstal. Das Grenzchaos hat zur Folge, dass auf Turbenthaler Gemeindegebiet etwa drei verschiedene Steuerfüsse gelten, die künftig bis zu 25 Prozentpunkte variieren können. Aus Sicht der Schulpflegen löst eine Gebietsbereinigung alleine aber nicht alle Schulprobleme. Daher möchten die Behörden eine Fusion prüfen. Der Auftrag des Stimmvolks wäre verbindlich.

Fünf Vorteile im Verbund

Die Projektgruppe, die aus den Schulpräsidenten und Berater Alfred Gerber besteht, sieht vor allem fünf Chancen einer vereinigten Schulgemeinde:

KKeine Steuerfuss-Ungleichheit: Der vereinigte Schulsteuerfuss könnte 74 bis 80 Prozent betragen. Derzeit liegt Wila zwar klar darunter, das wird sich aber 2016 wieder ändern.

KMehr Flexibilität: Im Grossverbund gibt es mehr Freiheiten bei Klassenbildung und Schülerzuteilung. Er ermöglicht zudem ein grösseres Angebot an Freifächern, ein attraktives Betreuungsangebot und interessantere Pensen.

KProfessionelles Schulwesen: Knochenarbeit für Reglemente und Konzepte ist nur noch einmal statt fünfmal gefragt. Es gibt eine Schulverwaltung mit ausreichenden Pensen und kundenfreundlichen Öffnungszeiten.

KZielgerichtet und nachhaltig: Es wird eine nachhaltige Schulgrösse geschaffen, die auch neue Perspektiven für die Sek Wila bietet, die mit gut 80 Schülern eine kritische Grösse hat.

KWeniger Behördenmitglieder: Die Zahl der Schulpfleger (heute: 27) kann stark reduziert werden.

Das Wehntal hat bereits eine Schulfusion hinter sich. Dort haben sich Anfang 2010 drei Primar- und eine Sekundarschule vereinigt. «Es war, wie wenn nichts gewesen wäre am ersten Schultag», erzählte Schulpräsidentin Barbara Franzen, die generell ein positives Fazit zog. Das Hauptziel war es, eine gemeinsame Lernkultur zu schaffen. «Diese Bildungslandschaft nimmt Gestalt an.» Ganz ohne Sand im Getriebe ging es aber nicht. So musste man etwa eine Pause bei den Projekten einlegen. Die kleine Schuleinheit Schleinikon konnte im Wehntal erhalten werden. Statt 20 gibt es nur noch 7 Behördenmitglieder. Das reiche völlig aus, so Franzen.

«Druck haben wir jetzt schon»

In der Diskussion kamen vor allem Ängste wegen Schulschliessungen und zunehmender Schülertransporte zur Sprache. «Wila hat sicher einen Notstand», sagte Gabriella Pfaffenbichler, Turbenthaler Primarschulpräsidentin. Die Idee sei aber schon, so viele Schulstandorte wie möglich zu erhalten. Für Sekundarschulpräsident Felix Adelmeyer ist klar, dass Wila unter Druck kommen wird. «Aber diesen haben wir auch jetzt schon.» Die Schulpfleger erinnerten daran, dass bereits die Schulhäuser Talgarten (Wila) und Schalchen (Wildberg) mangels Schülern geschlossen werden mussten. «Inzwischen ist dies bereits kein Thema mehr», sagte Roman Müller, abtretender Wildberger Primarschulpräsident.

Ein Votant wies auch auf die unterschiedlichen Kulturen und Schulmodelle hin. Doch Müller entgegnete, dass es doch letztlich dar­um gehe, in einer Dachorganisation eine nachhaltige Lösung zu finden. «Wir müssen über den eigenen Schatten springen, sonst reden wir in drei bis fünf Jahren wieder über das gleiche Thema.» Auf die Frage, weshalb es dieses Mal klappen soll, nachdem bereits mehrere Fusionsprojekte gescheitert sind, hatte Pfaffenbichler eine einfache Antwort bereit: «Es sitzen erstmals alle Behörden in einem Boot, damit sind wir bereits einen Schritt weiter.»

Weitere Informationsabende

Montag, 7. April, 20 Uhr, Eichhaldesaal Wila Donnerstag, 10. April, 20 Uhr, Kirche Wildberg

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