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Keiner will Schlüsseltresore kaufen

Die Firma Simotech aus Ohringen entwickelte im Auftrag der Spitex ein Schliesssystem – als Alternative zur umstrittenen Schlüsselgebühr. Doch kaum ein Kunde weiss davon. Nun bleibt die Firma auf ihren Produkten sitzen.

Die Spitex wollte eine Schlüsselgebühr von 600 Franken pro Jahr einführen. Wer die monatlichen Kosten nicht bezahlen wollte, konnte als Alternative einen Schlüsseltresor installieren. Weil aber sowohl der Tresor als auch die Gebühr vielen Betroffenen zu teuer war, wehrten sich die Kunden gegen die Gebühr, bis die Spitex diese sistierte. Damit stösst sie die Firma Simotech aus Ohringen vor den Kopf. Diese hatte auf Anfrage der Spitex ein Schliesssystem entwickelt, welches deren Mitarbeitern erlaubt, mit elektronischen Hausschlüsseln über einen Schlüsseltresor bei Dutzenden Spitex-Kunden ein- und auszugehen. Fünfstelligen Betrag investiert «Wir haben das Schliesssystem über ein Jahr lang entwickelt und einen fünfstelligen Betrag investiert, um alle Anforderungen der Spitex zu erfüllen», sagt Daniel Weishäupl, Mitinhaber der Sicherheitsfirma Simotech Weishäupl & Walter. So bestehe der entwickelte Schlüsseltresor aus wetterfestem Material, könne nicht ohne Weiteres entfernt werden und sei einfach zu bedienen. «Geht ein Schlüssel verloren oder wird er gestohlen, kann der Schlüssel bei allen eingebauten Zylindern einfach gesperrt werden, sodass kein Risiko für einen Einbruch besteht.» Die Spitex kaufte das Schliesssystem für ihre Zentralen und hoffte darauf, dass auch viele ihrer Kunden auf die Tresore umsatteln würden. Kostenpunkt: 300 Franken für die Anschaffung, Montage und Demontage inklusive der Miete für die ersten sechs Monate. Danach wird halbjährlich eine Gebühr von 90 Franken verlangt. Doch viele Spitex-Bezüger entschieden sich für günstigere Varianten, die in ihrer Anschaffung nicht einmal die Hälfte kosten, aber nach Aussagen der Kantonspolizei Zürich nicht sicher sind. Nun bleibt die Firma auf ihren Produkten sitzen. «Wir haben insgesamt 16 Stück im Einsatz», sagt Weishäupl. Zehn davon seien an die Spitex verkauft und sechs an Spitex-Kunden vermietet worden. Die Stadt hingegen rechnete etwa mit 200 Personen, die sich mit dem Schliesssystem ausstatten würden. Die Geschäftsinhaber sind enttäuscht, dass nur wenige auf das extra entwickelte Schliesssystem zurückgreifen. «Die Leute scheinen gar nicht zu wissen, dass es uns gibt.» Tatsächlich hat die Spitex es versäumt, ihre Kunden über das Angebot zu informieren. Eine betroffene Seniorin bestätigt: «Ich habe nur das Tarifblatt erhalten, sonst nichts. Kein Begleitbrief, keine Erklärungen.» Auf dem Blatt steht nur ein kurzer Hinweis geschrieben: Man könne sich bei der Spitex über den Einbau eines Schliesssystems beraten lassen. «Nehmen Sie den Billigeren» Selbst bei schriftlichen Nachfragen verweist die Leitung die Betroffenen nicht direkt an die Firma Simotech, sondern an die Spitex-Zentren vor Ort. Dort erhalten die Kunden Informationsmaterial zum Schliesssystem. Und manch ein Senior sogar einen gut gemeinten Rat. «Mir sagte die Spitex-Mitarbeiterin, ich solle doch zu einem Schlüsselexperten in der Stadt gehen. Dort würde ich einen günstigeren Tresor erhalten», so eine Spitex-Kundin. Heidi Kropf-Walter, Leiterin Bereich Alter und Pflege bei der Stadt, glaubt an ein Kommunikationsproblem: «Wir haben versäumt, unsere Mitarbeiter gezielt zu instruieren.» Die Betroffenen seien zu wenig gut über die Alternativen einer Schlüsselgebühr informiert worden. «Wir haben sie bei der Suche nach angepassten Lösungen ungenügend unterstützt.» Dass sich einige Spitex-Bezüger in der Zwischenzeit für günstigere Schlüsseltresore entschieden haben, liege aber nicht an der Kommunikation der Spitex. «Wir müssen offen für alle Hersteller sein und können keinen Anbieter bevorzugen.» Zudem habe man der Firma Simotech keine Versprechungen gemacht. «Es ist das Unternehmensrisiko der Firma, ob ein Produkt verkauft wird oder nicht.»

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