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Kiffen mit Marx am Titicacasee

Der Stadtverbesserer von Martin Gmür

Zeno Dähler ist gläubig und Gemeinderat, aber ein Giacobbo ist er nicht. Der Stadtverbesserer ist zu diesem Urteil gelangt nach der Lektüre einer Kolumne Dählers in einer Gratiszeitung. Zuerst staunte der Stadtverbesserer über den Zusammenhang, den Dähler konstruierte. Einen Zusammenhang zwischen dem vom Gemeinderat beschlossenen Versuch der kon­trol­lier­ten Cannabisabgabe und der marxistischen Theorie. Der Stadtverbesserer hatte Marx bisher nicht ganz so direkt mit Kiffen in Verbindung gebracht. Dann ärgerte er sich, dass der Autor Soziologen, Psychologen und Bürologen als lauter nutzlose Leute titulierte. Aber ein Politiker darf das wohl. Und schliesslich glaubte der Stadtverbesserer, sich verlesen zu haben, als er Dählers Theorie der linken Gleichmacherei zur Kenntnis nahm: Ziel der Hälfte aller Gemeinderäte sei es, alle Leute in Winterthur zu Kiffern zu machen. Erst ganz am Schluss der Kolumne erkannte der Stadtverbesserer die Absicht Dählers, als dieser einen Zusammenhang zwischen der Cannabisabgabe, dem dar­auf folgenden Drogentourismus nach Winterthur und dem Sauerstoffgehalt im Titicacasee beschrieb. Natürlich: Satire! Der Politiker meint das alles mit Kiffen und Marx, mit nutzlosen Psychologen und linker Gleichmacherei gar nicht ernst, sondern er gebraucht das als Stilmittel der satirischen Überhöhung. Oder aber: Er hat das unter dem Einfluss eines Joints geschrieben, und dabei ist etwas gar Wirres herausgekommen. Was sich der Stadtverbesserer bei einem wie Dähler aber, ehrlich gesagt, auch nicht vorstellen kann.

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