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Kim gibt klein bei

Pjöngjang. Nordkorea zieht nach wochenlangem Säbelrasseln Raketen von ihrem Startplatz ab und signalisiert gleichzeitig Bereitschaft zur Wiedereröffnung der gemeinsam mit Südkorea betriebenen Industriezone Kaesong.

Die jüngste Eskalationswelle auf der koreanischen Halbinsel scheint vorerst beendet. Nordkorea hat zwei Raketen von ihrem Startplatz an der Ostküste des Landes abgezogen und sendet damit kurz vor einem Treffen zwischen US-Präsident Barack Obama und Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye ein Zeichen der Entspannung. Im April hatte Diktator Kim Jong Un im Zuge eines wochenlangen verbalen Schlagabtauschs mit Seoul und Washington gedroht, einen erneuten Raketen- oder Atombombentest durchzuführen.

Amerikanische Medien berichten unter Bezug auf Geheimdienstinformationen, die beiden Musudan-Mittelstreckenraketen seien am Montag demontiert und an einen unbekannten Ort gebracht worden. Mit einer Reichweite von 3000 bis 3500 Kilometern hätten die Musudan-Raketen theoretisch den US-Stützpunkt auf der Pazifikinsel Guam treffen können. Nordkorea hätte allerdings damit rechnen müssen, dass die Rakete abgeschossen worden wäre. US-Aussenminister John Kerry hatte Kim gewarnt, ein derartiger Schritt wäre ein «riesiger Fehler».

Die Verlegung fällt auch mit dem Ende der zweimonatigen amerikanisch-südkoreanischen Militärübung «Foal Eagle» zusammen, an der rund 200 000 Soldaten aus beiden Ländern beteiligt waren.

«Provokationspause»

Das Pentagon wollte die Verlegung der Raketen zunächst nicht bestätigen, erklärte aber, dass es derzeit eine «Provokationspause» gebe. Obamas Asienberater Daniel Russel warnte vor voreiligem Optimismus. «Es ist noch zu früh, um einen Sieg zu erklären», sagte er.

Der jüngste Konflikt auf der Koreanischen Halbinsel dürfte das Hauptgesprächsthema sein, wenn Südkoreas Präsidentin Park am Dienstag ihren Antrittsbesuch im Weissen Haus macht. Die USA sind seit Ende des Koreakriegs vor sechzig Jahren Südkoreas Schutzmacht und haben dort 28 500 Soldaten stationiert. Park hatte sich im Wahlkampf grundsätzlich offen für eine Annäherung an Nordkorea gezeigt. Auch US-Aussenminister John Kerry gilt als Befürworter einer stärkeren Einbindung. Nach der jüngsten Eskalation dürfte es aber sowohl Seoul als auch Washington schwerfallen, Zugeständnisse an Nordkorea zu machen. Als Bedingung für Gespräche verlangen sie, dass Nordkorea sein Atomprogramm aufgibt. Nordkoreas Regime sieht seine Nuklearwaffen jedoch als politische Lebensversicherung gegen einen Angriff von aussen.

Der Konflikt hatte sich schrittweise zugespitzt, nachdem Nordkorea im Dezember eine Langstreckenrakete und im Februar eine Atombombe getestet hatte. Die Uno hatte daraufhin die Sanktionen gegen Nordkorea verschärft. Im Vorfeld des 101. Geburtstages von Staatsgründer Kim Il Sung am 15. April hatte Nordkorea dann unter anderem den USA mit einem Atomschlag gedroht, das seit 1953 gültige Waffenstillstandsabkommen mit Südkorea aufgekündigt, die Notfalltelefone abgeschaltet und den Zugang zu der gemeinsamen Sonderwirtschaftszone Kaesong blockiert. Ende vergangener Woche verliessen die letzten südkoreanischen Arbeiter das Industriegebiet.

Inzwischen scheint sich Nordkorea aber zu bemühen, die Arbeit in Kaesong wieder aufzunehmen. Pjöngjang verlangte, dass Seoul seine feindliche Haltung ge­gen­über dem Norden aufgebe und unter anderem ein für August geplantes Manöver mit den USA absage. Südkorea wies diese Forderung als «unfair» zurück. Da Kaesong zu Nordkoreas wichtigsten Devisenquellen gehört, dürfte Pjöngjang unter grösserem Druck stehen, Zugeständnisse zu machen.

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