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Kinder, wie die Zeit vergeht

Einer der stärksten Filme der Berlinale war Richard Linklaters «Boyhood», ausgezeichnet mit dem Regiepreis. Er erzählt aus der Kindheit eines Knaben: wichtige Begeben­heiten seines Lebens zwischen dem 6. und 18. Lebensjahr.

Es sind durchaus gewöhnliche Dinge, die Mason widerfahren. Nach der Trennung seiner Eltern wächst Mason mit seiner Schwester Samantha (Lorelei Linklater) bei der Mutter Liv (Patricia Arquette) auf. Diese zieht mit den Kindern von Austin in die Nähe ihrer Mutter nach Texas. Während des Studiums lernt Liv Bill kennen. Die beiden heiraten; bis man sich wegen Bills Alkoholsucht trennt, bildet man eine bunte Patchworkfamilie. Die Trennung ist radikal. Liv findet eine neue Stelle, einen nächsten Mann. Samantha zieht aus, Mason erlebt seine erste Liebe, will Fotograf werden, schliesst die Schule ab, einschneidend die Trennung von der Mutter.

Der Vater (Ethan Hawke) führt ein anfänglich bewegtes, zunehmend aber ruhiges Leben als Musiker und Versicherungsangestellter. Er besucht seine Kinder, wann immer er kann, zu den stärksten Szenen des Films gehören die Vater-Sohn-Gespräche: Ist Mason noch klein, drehen sich diese um Elfen, später um Frauen. Und ja, heiraten tut der Vater auch nochmals und beschert Samantha und Mason ein Halbgeschwister.

Eine ganz normale Kindheit im ganz normalen Amerika beschreibt Richard Linklater also und doch ist «Boyhood» alles andere als gewöhnlich. Sechs Jahre alt nämlich war Ellar Coltrane, als die erste Klappe fiel, während zwölf Jahren hat Linklater gedreht. Nicht dokumentarisch – die Story von «Boyhood» ist erfunden –, nicht täglich, aber Jahr für Jahr ein bisschen weiter. So sieht man in «Boyhood», was man in einem Spielfilm nie beobachten kann: das Heranwachsen eines Menschen. 164 Minuten lang, aber keine Minute langweilig ist «Boyhood» und spiegelt – in Kleidung, Frisuren oder auch im Fortschreiten der Harry-Potter-Serie – Zeit und Geist. Ein Meisterwerk. (ig)

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