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Kirche Rosenberg: Starke Zweifel

Veltheim hat eine reformierte Kirche zu viel und will sie neu nutzen. An der Kirchgemeindeversammlung wurden Ängste und Skepsis laut. Allerdings nicht des Projektes, sondern des Vorgehens wegen.

Auf der Leinwand im Gemeindesaal laufen Dias aus der Bauzeit der Kirche Rosenberg vor 50 Jahren. Und dann ein Bild der Zukunft: ein blauer Pool und Badende vor der grossen Kirchenorgel. Es geht um die Zukunft der zweiten Veltheimer Kirche. Sie kostet viel im Unterhalt, Ener­gie­ entweicht fast ungehemmt, das Dach ist leck und das Gotteshaus oft leer. Denn so fleissig wie vor 50 Jahren gehen die Veltheimer nicht mehr zur Kirche, eine im Dorf reicht. Mit professioneller Hilfe will die Kirchenpflege abklären, was oben auf dem Rosenberg möglich wäre: baulich, betrieblich und punkto Trägerschaft. 120 000 Franken beantragt die Behörde dafür von der Kirchgemeindeversammlung, doch die ist an diesem Donnerstagabend skeptisch, misstrauisch sogar. «120 000 Franken sind viel Geld, doch wir wissen nicht, was uns dafür präsentiert wird», sagte ein Gemeindemitglied. Und viele weitere stimmten in den Chor der Verunsicherten ein: «Ich bin irritiert, dass wir nicht mitdiskutieren dürfen.» «Für ein Architektenhonorar von 55 000 Franken müsste auch die Kirchenrenovation gleich projektiert werden.» «Bitte keinen Winterthurer Architekten, die sind alle mit- einander verbandelt.» «Wer ist als Projektleiter vorgesehen: ein Externer oder ein Vertreter der Kirche?» «War­um schliesst man die Gemeindemitglieder in der Konzeptphase völlig aus?» «Ich möchte in die Konzeptgruppe!» Zustimmung auf der Kippe So hatte das die Kirchenpflege nicht erwartet. Die Kommission, die das Geschäft vorbereitet hatte, hatte sich nicht auf formelle, sondern auf inhaltliche Einwände eingestellt. Und hatte sich Antworten parat gelegt auf Fragen wie «Wird das Areal verkauft?» oder «Kommen Muslime in die Kirche?». Doch Architekt Markus Jedele und der langjährige SP-Gemeinderat David Hauser, die beide dieser Rosenberg-Kommission angehören, meisterten die kritische Si­tua­tion, die eine Ablehnung des 120 000-Franken-Kredits befürchten liess. Sie sicherten Mitsprachemöglichkeiten zu und sagten, sie wollten einzig professionell vorgehen. Nicht nur Ideen seien in dieser ersten Phase gefragt, sondern «vor allem Wissen», sagte Hauser. Im Frühling soll eine Zukunftswerkstatt mit rund 30 Fachleuten aus der Kirche, aus Politik, Wirtschaft und Kultur stattfinden. Dann folgt die Vertiefung, 2014 werden die Grundlagen und Möglichkeiten der Kirchgemeinde und der Öffentlichkeit präsentiert. Eine junge Frau sprach in der Folge der Kirchenpflege ihr Vertrauen aus und trug damit zum Meinungsumschwung bei: Das sei doch eine Chance für die gesamte Kirche, sich auf diesen Weg zu begeben, ohne zu wissen, wohin er führt. «Das finde ich spannend.» Darf man den Fonds schröpfen? Bevor abgestimmt werden konnte, drohte eine weitere Hürde: Weil der Stadtverband der reformierten Kirchen die 120 000 Franken für diese Zukunftsplanung nicht zu zahlen bereit ist, wollen die Veltheimer das Geld aus einem Fonds nehmen. Dessen Stifterin hatte festgelegt, das Geld sei für kirchliche, kulturelle oder soziale Zwecke zu brauchen. Die Rechnungsprüfungskommission vertrat, gestützt auf das Handbuch für Gemeindefinanzen, die Ansicht, die Zweckbestimmung erlaube es nicht, den Kredit dem Fonds zu belasten. Und ein Votant sagte: «Ich glaube nicht, dass es im Sinn der Stifterin wäre, wenn wir dafür nun 120 000 Franken ausgeben.» Doch Kirchenpflegepräsident Ueli Siegrist hatte sich vorsorglich beim Juristen des Kirchenrats erkundigt. Dieser konnte zwar keine eindeutige Einschätzung abgeben, doch spreche seiner Meinung nach nichts gegen die Fondsentnahme. So kam die Versammlung nach über zwei Stunden doch noch zu einem guten Ende: Sie genehmigte den Kredit deutlich, mit 50 zu 11 Stimmen.

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