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Kirchenpfleger mit «gutmütigem» Flugzeug

Hanspeter Müller ist nicht nur Kirchenpfleger. Der Dättliker fliegt für sein Leben gern. Als Schüler putzte er in der Freizeit Flugzeuge, später baute er sein eigenes. Heute erteilt er Schülern Wetterkunde – und Geografieunterricht von oben.

In Hanspeter Müller schlägt ein Fliegerherz, das schon viel erlebt hat. Das sieht man dem 69-Jährigen, der seit sechs Jahren in der reformierten Kirchenpflege Dättlikon mitarbeitet und in seinem Dorf als Senior in der Schule tätig ist, auf den ersten Blick zwar nicht an. Aber ob im aktiven Berufsleben oder heute im Ruhestand: Im Fliegen macht dem ehemaligen Berufs­piloten so schnell keiner was vor. «Ich war schon als Kind ein grosser Fliegerfan», erzählt er. Als 12-Jähriger ging Hanspeter Müller, dessen Vater in Dättlikon eine mechanische Werkstatt betrieb und selbst vom Fliegen begeistert war, oft auf den Flughafen. «Ich stand dort einfach herum und unterhielt mich mit dem Personal.» Mit der Zeit half der Schüler beim Fliegerputzen. «Nach zwei Jahren gehörte ich quasi zur Putzequipe.» Bis zur Lehrstelle bei der Swissair war es schliesslich nur noch ein kleiner Schritt. «Ich war dort einer der ersten Stifte.» Nach der Ausbildung zunächst bei Boeing zur Weiterbildung als Flugzeuginspektor tätig, flog Müller danach bei Air New Zealand sowie als Buschpilot in Australien und Neuseeland bei den Flying Doctors. «Das war das Beste, das ich je erlebt habe.» Auch bei der Rega verbrachte der Dättliker einige Jahre. Seine Kenntnisse in der Aviatik rundete er als Flugzeuginspektor bei der Swissair ab. 10 000 Stunden Arbeit Was lag schliesslich näher, als ein eigenes Flugzeug zu bauen? Über 20 Jahre lang entwickelte der Pilot im eigenen Kuhstall im Unterdorf in Dättlikon seine «Zenith», für die er 2005 die Zulassung vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) erhielt und die er inzwischen schon viermal vorführte. Mit allen Verfeinerungen steckte der gelernte Mechaniker rund 10 000 Stunden und 140 000 Franken in seinen Traum. Die HB-YKU ist einem kanadischen Sportflieger nachempfunden, der in den Siebzigerjahren von Concorde-Chefkonstrukteur Chris Heintz entworfen worden war. An ein paar Stellen wich der Dättliker aber von den Bauplänen des Konstrukteurs, den er persönlich kennt, ab und liess sich von neuseeländischen Albatrossen und vor allem von einheimischen Milanen inspirieren. Eine kleine Verengung beim Übergang vom Kopf zum Rumpf lasse den Luftstrom enger am Körper vorbeifliessen, erzählt er. «Die Milane können langsamer fliegen als andere Artgenossen.» So kann auch sein Flugzeug, das laut Bazl in der Schweiz das einzige seiner Art ist, aussergewöhnlich langsam fliegen und auf sehr engem Kreis von 70 Metern Durchmesser wenden. Dies, obwohl es leer 700 Kilogramm wiegt und damit rund einen Zentner schwerer ist als der Standardtypus. Der Holzpropeller ist kürzer als üblich. Der 180-PS-Motor erzeugt wenig Lärm, laut Müller 65 Dezibel. Das Patent hat ein anderer Eine kleine Sensation sind die Turbulatoren auf den Flügeln, die Müller auch den Greifvögeln abgeschaut hat. «Bei Milanen stellen sich beim Innenflügel kleine Federn auf, wodurch die Reibung zwischen der stehenden und der fliessenden Luft verringert wird.» Der Auftrieb werde optimiert, das Fliegen dadurch aerodynamisch sauber. Seine «Zenith», die über ähnliche Eigenschaften verfügt, sei ein gutmütiges Flugzeug, sagt er. «Im Langsamflug bleibt sie stabil, man müsste sie ins Trudeln zwingen.» Sie sei wie eine Bergdohle, besonders geeignet für Alpenflüge. Leider habe ein Amerikaner die Idee adaptiert und patentiert, bedauert Müller. Die «Zenith» steht auf dem Flugplatz Lommis TG. Müller, der drei erwachsene Söhne hat, bietet Rundflüge, aber auch Geografieflüge für Schüler zu einem Spezialpreis an. «Es sind schon einzelne wegen mir Berufspilot geworden», freut er sich. Dieses Jahr erteilte er überdies 64 Kindern im Rahmen des Ferienpasses Wetterkunde. «Ich erklärte ihnen beispielsweise, dass man, um das Wetter zu verstehen, im Weltall beginnen muss.» Doch wer denkt, dass sich der Senior inzwischen aus der internationalen Flugwelt zurückgezogen hat, irrt: Im ehemaligen Kuhstall brütet der Flugzeugexperte weiterhin über der Optimierung von Grossraumflugzeugen. Während der Montage der «Zenith» kam Müller auf der Suche nach einer Spezialkomponente in Kontakt mit den Entwicklern des Airbus-Konzerns. Sie fanden Gefallen an den Arbeiten des erfindungsreichen Dättlikers. Seither zählt Müller zum Airbus-Team, das unter anderem die optimale Flügelform für die Grossraummaschinen suchen soll. Und wenn er von seinen vielen Aktivitäten einmal Abstand braucht, macht der umtriebige Flieger mit Ehefrau Hanni und der «Zenith» einen «Ausflug». Zum Beispiel nach Korsika.

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