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Klatsche für deutsche Legenden

Die besser bestückte Bank und der Ehrgeiz des Aussenseiters machten auf der Schützi den Unterschied: Die Schweiz besiegte Deutschland mit 3:0. Die denkwürdige Partie der Altmeister bot am Samstag spektakuläre Szenen – auch neben dem Platz.

Das 3:0 fällt kurz vor dem Pausenpfiff. David Sesa steht plötzlich allein vor Jens Lehmann. Mit einem Lupfer düpiert er den deutschen Hünen, der Ball fliegt wie in Zeitlupe ins Tor. Die Menge johlt. In der Coaching-Zone rudert Andy Egli aufgedreht mit den Armen, und Gilbert Gress zieht sein verschmitztes Altmeistergrinsen auf. Es zeichnet sich ab: Die Deutschen werden auf der Schützenwiese an diesem Nachmittag das Nachsehen haben. Pausenpfiff. «Wir dürfen jetzt nicht überheblich werden. Das rächt sich bei den Deutschen, da macht es zack, zack, und die sind wieder dran», sagt Egli. Es sind typische Fussballer-Phrasen, doch die Erleichterung schwingt hörbar mit. Der Altinternationale hat den Anlass mitorganisiert und freut sich nun, dass seine in die Jahre gekommenen Natikollegen eine gute Show abliefern. «Die Tore waren phänomenal», sagt er und verschwindet in den Katakomben. Rückblende: Vor Anpfiff ist die Nervosität auf Schweizer Seite gross. Beni Thurnheer, der sich als Kommentator vom Spielfeldrand verdingt hat, erklärt über den Stadionlautsprecher den Spielmodus. Zwei Halbzeiten zu 35 Minuten gebe es. «Mehr liegt nicht drin, sonst müssen sie im Kantonsspital Überstunden schieben.» Die Schweiz sei mit über 30 Mann angereist. 11 spielten von Beginn weg, 11 seien Ersatz, der Rest sitze als Edelzuschauer auf der Tribüne, so Thurnheer. Zur letzten Kategorie gehört auch Knipser Adrian Knup, der an einer Verletzung herumlaboriert. In den ersten Minuten agieren beide Teams wenig geradlinig. Gress hält es schon bald nicht mehr auf dem Sitz. Eine Taktik habe er sich nicht überlegt, gibt er zu Protokoll. «Wir sind ein paar Standards durchgegangen.» Das muss im Altherrenfussball genügen. Nach fünf Minuten gibt es Freistoss für die Schweizer aus guter Position. Georges Bregy beobachtet von der Bank aus, wie sich David Sesa den Ball zurechtlegt, anläuft und trifft. Ein Schlenzer ins Eck ist für den langen Lehmann zu viel. 1:0. Freudentaumel. Der Angriff der Kavallerie Die Deutschen nehmen das Zepter in die Hand. «Attention, ruhig, Ziit, Marco!», die Zwischenrufe häufen sich. Deutsch und Französisch wechseln sich auf Schweizer Seite ab – wenn die Kavallerie angreift, gibt es keinen Rösti­graben. Anders die Deutschen. Dixie Dörner, einst Spieler der DDR, verzieht keine Miene. Auch auf seiner Bank ist es still. Liegt es an der Gewissheit, dass die Deutschen immer in eine Partie ­zurückkommen können? «Ich denke schon», sagt Dörner. Am Ehrgeiz liege es jedenfalls nicht, seine Jungs seien mit dem Herzen dabei. Ihre beste Phase haben die Deutschen ab Minute 22. Thomas Doll setzt sich zweimal gefährlich durch, scheitert aber an Jörg Stiel. Minute 30: Thurnheer konstatiert über Lautsprecher die überraschende Torarmut des Spiels, da kommt Badile Lubamba am rechten Flügel durch, flankt und Stéphane Chapuisat nickt zum 2:0 ein, kurz dar­auf folgt Sesas Lupfer. In der zweiten Halbzeit flacht die Partie ab. Die Schweizer agieren nach vielen Wechseln zu unstrukturiert. Die Deutschen spüren die kleinere Zahl der Ersatzspieler in den Knochen. Zu den wenigen Highlights gehört die Wiedereinwechslung von Jens Lehmann, diesmal als Feldspieler. Er ist jetzt einer der Aktivposten im deutschen Spiel, aber ein Tor will ihm nicht gelingen. Die Zeit plätschert dahin. «Wen haben wir noch», fragt Gress fünf Minuten vor Abpfiff in Richtung Bank. «Nur noch mich», antwortet Egli und macht sich bereit. Keine zwei Minuten auf dem Feld, die erste grosse Tat. Egli fängt eine Flanke ab, verstolpert aber den Ball und verursacht eine Ecke. «Egli, nie mehr», schimpft Gress lachend an der Seitenlinie. Einen Lapsus leistet sich auch Thurnheer. Mehrmals kommt er auf den quirligen Darius Wosz zu sprechen, nur verwechselt er die Vokale. «Beni, der heisst nicht Wusch, der heisst Wosch», brüllt einer von der Tribüne. Es ist FCZ-Präsident Ancillo Canepa. «Wenn er vorbeirennt, macht es aber wusch», erwidert Beni. Das Fazit in Boxershorts Abpfiff. Zufriedene Gesichter. Was hat das Spiel der Legenden gebracht? «Es war genau andersherum als sonst, die Deutschen hatten die Chancen, aber wir haben die Tore gemacht», sagt Egli, als er die Mannschaftskabine in Boxershorts kurz verlässt. Mit dem Spiel ist er rundum zufrieden. Nur die Zuschauerzahl, 1700 sind gekommen, habe ihn etwas enttäuscht. Er schiebt es aufs kalte Wetter. FCW-Geschäftsführer Andre­as Mösli sagt, die frühe Spielzeit aus Rücksicht auf die Partie der A-Nationalmannschaft habe wohl ebenfalls eine Rolle gespielt. Ob sich das Legendenspiel für den FCW rentiere, werde die Abrechnung zeigen. «Es ist für uns aber auch ein Imageanlass.» Die Stimmung sei sehr gut gewesen, bilanziert er. «Interessant war auch die Kombination mit Live-Kommentar. Ich denke, das Publikum hat das sehr geschätzt.» Noch lange nach dem Spiel unterschreibt Gilbert Gress vor dem Stadion Autogrammkarten und posiert mit Fans für Fotos. Auch die Spieler sind sehr zugänglich. Nur Jens Lehmann ziert sich. Nach den drei Gegentoren scheint er nicht allzu gut gelaunt.

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