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Kleinod vom Schlammtod bedroht

Der Weiher neben dem Schwimmbad in Neftenbach verlandet immer mehr. Als einsamer Rufer in der Wüste fordert Walter Rohner die Gemeinde dazu auf, das idyllische Biotop dringend zu entschlammen.

Idyllisch reflektiert sich die Morgensonne im Weiher neben dem Schwimmbad. Dichtes Schilf und reichlich Büsche schirmen den etwas über 2000 Quadratmeter grossen Tümpel grösstenteils von seiner Umgebung ab – dem Fussweg entlang des Näfbachs und dem Parkplatz hinter dem Jugendhaus. Nur vom westlichen Ufer her hat man freie Sicht auf das stille Gewässer. Es weist die Form eines Dreieckes auf und wird von drei Quellen gespeist. Dort steht Fischereiobmann Walter Rohner und wirft altes Brot ins Wasser. Aufmerksam beobachtet der 77-Jährige die Szenerie. Plötzlich beginnt es unter den Brotstücken zu rumoren. Sie scheinen übers Wasser zu tanzen. «Die Karpfen holen sich ihr Frühstück», kommentiert Rohner, der das Spektakel sichtlich geniesst. Die grossen Fische stecken ihre Köpfe aus dem Wasser und schubsen die Happen, an denen sie nur saugen können, vor sich her. Der Weiher lebt. Hin und wieder flattern Schwalben übers Gewässer, um sich ein paar Mücken zu schnappen. Wegen Schlamm unbegehbar Seit rund zwanzig Jahren ist Rohner schon Fischereiobmann in Neftenbach. In dieser Zeit ist ihm «das Kleinod», wie er den Badiweiher nennt, ans Herz gewachsen. «Er hat mir schon manches eindrückliche Naturerlebnis verschafft.» Rohner erzählt vom Eisvogel, der hier jeweils vorbeikommt. Oder von seinem vergeblichen Versuch, einen Fischreiher zu verscheuchen, bis der Fischräuber den erbeuteten Karpfen schliesslich in aller Ruhe vor seinen Augen verschlang. Vor rund einem Monat musste Rohner einen toten Hecht aus dem Teich herausfischen. Obwohl das Gewässer nicht tief ist, muss er für solche Aktionen jeweils das Gummiboot nehmen oder sich am Ufer anseilen. «Wenn man in diesem tiefen Schlamm versinkt, kommt man aus eigener Kraft nicht mehr heraus.» Rohner hat die Gemeinde 2005 erstmals dar­über orientiert, dass der Badiweiher dringend saniert werden müsste. Die letzte Entschlammung fand 1953 statt. «Seit da hat sich eine rund 60 Zentimeter tiefe Schlammschicht gebildet.» Der Fischereiobmann befürchtet, dass das Biotop durch die Verschlammung infolge Sauerstoffmangels kippen könnte. «Das würde dann das Ende des Weihers und seiner Bewohner bedeuten.» Nachdem auch sein zweiter Vorstoss 2008 ohne sichtbaren Erfolg blieb, doppelte der langjährige Gemeindeschreiber von Neftenbach (1969 bis 1998) an der letzten Gemeindeversammlung nach. Das Sanierungsprojekt sei zwar im Finanzplan, werde aber immer wieder nach hinten verschoben. «Wann gedenken Sie, die wirklich nötige Sanierung und Entschlammung des Schwimmbadweihers an die Hand zu nehmen?», fragte er den Gemeinderat. Zeitpunkt noch ungewiss Gemeindepräsident Martin Huber verlas die Antwort. Der Gemeinderat habe bereits 2003 ein Projekt zur Sanierung und Aufwertung des Weihers ausarbeiten lassen. Dieses habe aber in der damaligen Exekutive keine Mehrheit gefunden. Vor zwei Jahren sei dann eine Offerte für die reine Sanierung des Weihers eingeholt worden. Demnach sei mit Kosten von knapp 350 000 Franken zu rechnen. «Aufgrund der hohen Sanierungskosten wurde das Projekt jeweils zurückgestellt», sagte Huber weiter. Andere Projekte hätten derzeit Vorrang. Man werde das Thema aber aufgreifen und mögliche Sanierungsvarianten besprechen. Wie und wann die Sanierung durchgeführt werde, lasse sich aber noch nicht sagen. Für Rohner eine unbefriedigende Antwort. Vorläufig gebe er sich damit aber zufrieden. «Nun weiss wenigstens eine breitere Öffentlichkeit, dass der Weiher bedroht ist.» Weitere Zeit verstreichen zu lassen, mache die Sanierung aber nicht billiger. Dieser Meinung ist auch die zuständige Gemeinderätin Silvia Weidmann: «Wir lassen den Weiher nicht eingehen», sagt sie auf Anfrage. Sie will die Sanierung ins Budget aufnehmen. «Aber ziemlich sicher noch nicht für 2015.» dt

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