Zum Hauptinhalt springen

Klickzahlen bei Internetpranger der Polizei brechen ein

Die Fahndungsbilder, welche die Polizei aufs Internet stellt, werden immer seltener angeklickt – aus verschiedenen Gründen, wie ein Experte erklärt. Die Polizei hält trotzdem daran fest.

«Die Internetpranger der Polizei finden immer weniger Beachtung», meldete am Donnerstag «Radio24». Der Sender stützte sich bei seiner Aussage auf Erhebungen der Kantonspolizei Luzern. Bei der Behörde, die diese Methode schweizweit als erste im Jahr 2009 einsetzte, brachen die Klickzahlen auf ihrer Website seither massiv ein: Bei der ersten Internetfahndung erzielte die Seite 170'000 Klicks – im aktuellsten Fall sind es gerade mal noch 16'000 Klicks.Hat der Pranger als Fahndungsmethode also ausgedient? Auch bei der Stadtpolizei Zürich verzeichnet man einen Rückgang. Beim ersten Einsatz der Fahndungsmethode im Nachgang an die 1. Mai-Krawalle im Jahr 2011 wurde die Seite 140'000 mal angeklickt. Beim zweiten Einsatz im selben Jahr anlässlich der Randale am Bahnhof Altstetten zwischen Anhängern des FC Zürich und Fans des FC Basel erzielte der Pranger 160'000 Klicks. Beim dritten Einsatz nach den Ausschreitungen bei «Reclaim the Streets» im September 2011 wurde die Seite nur noch 50'000 Mal besucht.

Gute Erfolgsaussichten

Doch Stadtpolizei-Sprecher Marco Cortesi relativiert diese Zahlen: «Der Eindruck täuscht, dass diese Massnahme ausgeschöpft ist, denn es kommt extrem auf das Ereignis an, bei dem der Pranger eingesetzt wird.» Er hält die Methode nach wie vor für ein sehr effizientes Mittel. «Beim ersten Aufruf konnten wir so neun von zwölf gesuchten Personen finden, beim zweiten Anlass acht von 16 und beim dritten 12 von 15», so Cortesi.

Das Instrument dürfe aber nicht überstrapaziert werden, sonst verpuffe die Signalwirkung, sagt Cortesi. «Wir haben den Pranger bisher drei Mal wirkungsvoll eingesetzt – als letzte Massnahme.» Denn bevor die Zürcher Stadtpolizei das Bild eines Gesuchten ins Internet stellen darf, müssen zuvor alle Massnahmen ausgeschöpft sein. Sprich, die interne Ausschreibung, der Fahndung via internationaler Plattform Ripol müssen ergebnislos verlaufen sein. Schliesslich müsse der Staatsanwalt die Pranger-Massnahme anordnen und der auf dem Bild gezeigten Person müsse eindeutig eine Straftat nachgewiesen werden können. Ausserdem müsse das Bild so gut sein, dass eine Verwechslung mit anderen Personen ausgeschlossen werden könne. «Wir suchen dann im Drei-Phasen-Modell: Wir drohen erst an, Fotos zu veröffentlichen. Verläuft dies ergebnislos, veröffentlichen wir ein verpixeltes Bild und schliesslich das unverpixelte Foto», erklärt Cortesi.

Zuviele Infos auf Webseite

Dass der Internetpranger aufgrund eines zu häufigen Einsatzes seine Wirkung verliert, sieht auch Daniel Süss, Professor für Medienpsychologie an der ZHAW in Winterthur so. «Die Fahndungsseite der Kapo Luzern ist informativ und gut aufgebaut – aber es hat sehr viele Informationen auf kleinem Raum.» Die Leser stuften viele dieser Ereignisse womöglich als zu weit weg von ihrem eigenen Leben ein und sie verlassen die SeiteDamit eine solche Fahndung funktioniere, brauche es einerseits die Massenmedien, die die Meldung verbreiten. «Als die Kapo Luzern den Pranger im Jahr 2009 eingeführt hat, war das mediale Interesse sehr gross», sagt Süss. Andererseits müsse der Aufruf nach einem Anlass erfolgen, der viele betrifft. «Wenn man im Anschluss an ein Fussballspiel Randalierer sucht, dann wollen sicher jene, die beim Spiel dabei waren, die Fotos sehen – um nachzuschauen, ob sie nicht zufällig auf ein Foto gelangt sind oder jemanden kennen, der abgebildet ist.» Bei einem Banküberfall sei dieser Berührungspunkt nicht gegeben. «Die Polizei sollte deshalb anhand der emotionalen Bindung oder Betroffenheitskriterien entscheiden, für welches Ereignis der Pranger eingesetzt wird.Hinzu komme, dass heute mit einer Verbreitung auf Facebook viel mehr Klicks generiert werden könnten als mit einer statischen Website, so Süss. «Aufrufe via Social Network funktionieren heute bereits sehr viel effizienter als noch vor vier Jahren – innert kürzester Zeit können so durch die virale Verbreitung sehr viel mehr Leute erreicht werden als bloss via Website.» Für die Zürcher Stadtpolizei ist dies vorerst kein Thema: «Facebook ist zwar immer wieder im Gespräch, aber ein Einsatz für die Fahndung wird momentan nicht ernsthaft geprüft», so Cortesi. Für ihn ist klar: «Der Internetpranger ist keine «Lame Duck», er ist ein gutes, effizientes Instrument – aber erst als letztes Mittel.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch