Zum Hauptinhalt springen

«Klimaschutz kann auch cool sein»

Was mit einer spleenigen Filmaktion begann, ist heute eine eta­blier­te Organisation. Seit Jahren engagiert sich Myblueplanet für den Klimaschutz. Der Gründer der Bürgerin­itia­ti­ve sagt, was ihn antreibt.

Herr Lüscher, vor sechs Jahren haben Sie die Winterthurer Bevölkerung gratis ins Kino eingeladen. Über 10 000 Personen kamen, um den Klimafilm «Eine unbequeme Wahrheit» zu sehen. Aus dieser Aktion ist die Organisation Myblueplanet entstanden. Inzwischen ist diese in verschiedenen Städten mit ihren Sensibilisierungskampagnen vertreten. Zufrieden mit Ihrem Erfolg? Daniel Lüscher: Myblueplanet hat sich schön entwickelt. Ein Glück war es, das das erste Projekt mit dem Al-Gore-Film so erfolgreich war. Dank dem haben sich die ersten Freiwilligen rekrutieren lassen. Wir waren vom Erfolg doch etwas überrascht. Wir wussten nur: Wir wollen eine Bewegung werden, nicht aber, wie wir das anstellen sollten. Wo steht Myblueplanet heute, verglichen mit 2007? Am Anfang haben wir mit Kleinstprojekten improvisiert, heute sind wir professioneller unterwegs mit einer ganzen Reihe von verschiedenen Sensibilisierungsprojekten. Zum Beispiel mit dem Solarprojekt «Jede Zelle zählt», den Fotovoltaikanlagen auf Schulhausdächern. Das Ziel ist immer noch das gleiche: die Leute zu motivieren, ihren Ener­gie­verbrauch zu überdenken – und sie für den Klimaschutz zu gewinnen. Also Missionieren in Sachen Klima … Genau das wollen wir nicht. Da löscht es den meisten früher oder später ab. Wir wollen durch Taten überzeugen. Zudem: Klimaschutz kann lustvoll sein und Freude bereiten. Und: Man kann nach einem Projekt wieder aussteigen, man muss nicht ein ganzes Leben lang mit uns verbunden bleiben. Trotzdem: Jedes Projekt, jede Aktion wird zelebriert und der Öffentlichkeit mitgeteilt. Muss das sein? Myblueplanet könnte doch auch im Hintergrund wirken, wie andere Organisationen auch. Wir wollen ja Nachahmer finden, Täterinnen und Täter. Und da sind die Medien gute Transporteure. Zum Beispiel die Aktion «Bike4Car», das Umsteigen vom Auto auf das Elektrobike. Wir haben es mit Flyern versucht, der Erfolg war begrenzt. Besser ist es, einen Prominenten wie Beni Thurnheer zu gewinnen – und schon ist das Echo da. Wir leben eben von solcher Publizität, das muss ich ehrlich gestehen. Wie gross ist Myblueplanet inzwischen? Wir haben jetzt 1200 Members in der ganzen Schweiz, davon 100 Freiwillige. Dazu kommen vier festangestellte Fachleute, zwei für die Administration und zwei Projektverantwortliche. Ich selber bin eine Woche pro Monat für die Organisation tätig. Dafür werde ich von meiner Airline bei vollem Lohn freigestellt, was ihr hoch anzurechnen ist. Haben Sie alle Ziele, die Sie sich 2007 gesetzt hatten, inzwischen erreicht? Nein, haben wir nicht. Uns schwebte vor, innerhalb von fünf Jahren zu einer Bewegung mit 10 000 Anhängern zu wachsen. Wir mussten aber feststellen, dass sich die Leute in der Schweiz solches nicht gewohnt sind. Das haben wir unterschätzt. In Winterthur haben wir zwar schon einiges bewegen können, schweizweit sind wir aber noch nicht so weit. Offenbar hat das Feuer noch nicht um sich gegriffen. Wir glauben aber dar- an und werden das Ziel auch erreichen. Wann braucht es Sie nicht mehr? Wenn die Trendumkehr stattgefunden hat. Wenn man sieht: Okay, jetzt sind wir von früher 11 auf 6 Tonnen CO2 runter und die Abnahmekurve bleibt stabil. Dann können wir uns zurücklehnen und abtreten. Was, wenn der Erfolg ausbleibt? Die Schweiz soll das erste industrialisierte Land werden, das die 1-Tonnen-CO2-Gesellschaft realisiert. Wir müssen das hinwürgen, es gibt keine Alternativen. Wir haben nur diesen einen Planeten und dem müssen wir Sorge tragen. Wenn der zerstört ist, können wir nämlich nirgendwo anders hin.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch