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Knochenarbeit und Vorstellungskraft

Am Mittwoch war Schauspieler Manfred Heinrich am Oberi-Talk zu Gast. Der gebürtige Deutsche gab den Zuhörern Einblick in seine Arbeitsweise.

Geduld ist gefragt im Kafi Augenblick. Im rappelvollen Oberwinterthurer Lokal warten die Zuhörer auf den Beginn des Oberi-Talks. Kurz nach 20 Uhr, als endlich alle bewirtet sind, erhebt Gastgeber Remo Strehler seine Stimme. «Bevor die Ersten schon wieder die nächste Runde bestellen, fangen wir doch einfach an.»

Im Oberi-Talk werden jeweils spannende Themen oder Personen vorgestellt, die einen Bezug zum Stadtteil haben. Auch Manfred Heinrich wohnt seit vielen Jahren in Oberi. Er ist durch seine Tätigkeit beim Theater Kanton Zürich (TKZ) und als Vorleser der Frühschicht in der Alten Kaserne bekannt. Der gebürtige Berliner plaudert viel aus dem Nähkästchen und erzählt von seiner Arbeit als Schauspieler. Auf Strehlers Frage, wie viel Talent nötig sei, um ein guter Schauspieler zu werden, meint Heinrich: «Nicht viel. Das Talent macht den kleinsten Teil aus.» Es sei viel Knochenarbeit gefordert. Der Kern des Berufs sei jedoch die Vorstellungskraft. Ein guter Schauspieler verfüge über die Möglichkeit, sich Personen oder Gefühle sehr nah und persönlich vorstellen zu können. «Wenn die Figur, die ich spiele, an ihre Mutter denken muss, dann denke ich an meine eigene Mutter.»

Mit vielen Anekdoten aus seinen 25 Jahren beim TKZ lockert Heinrich die Stimmung im engen Raum immer wieder auf. Als er 1972 nach Winterthur gekommen sei, habe er vor allem jugendliche Liebhaber gespielt und mit der Zeit alle möglichen Rollen bekommen. Als Deutscher habe er eigentlich nur bei den Mundartstücken Pause gehabt. «Ausser wenn es einen Bösewicht gebraucht hat. Dann kam ich zum Zug. In den schweizerdeutschen Stücken war der Böse meist ein Deutscher.»

Dann erhält auch das Publikum Raum, um Fragen zu stellen. So erfahren die Gäste, dass Heinrich seine Texte am liebsten in der Beiz lernt. Die Geräuschkulisse helfe ihm, sich zu konzentrieren. «Am liebsten habe ich es, wenn neben mir jemand in einer fremden Sprache quatscht.» Die Frage, ob Theaterrollen schon sein Leben geprägt hätten, verneint der Schauspieler. Beim Spielen bleibe er immer er selbst und stelle sich nur in Beziehung zu seiner Rolle. Die Vorstellungskraft helfe ihm dabei, die Kontrolle zu behalten und sich nicht in der Figur zu verlieren.

Als Strehler die Gesprächsrunde beenden will, gibt Heinrich auch noch einen kleinen Einblick in sein Privat­leben. Er hat einen Sohn, passt hin und wieder auf die beiden Hunde seiner Ex-Frau auf und liest für sein Leben gern. Und immer wieder spaziert er mit einem Rucksack voller Bücher in Richtung Alte Kaserne oder macht es sich im Kafi Augenblick bequem.

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