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König der Geländewagen

Marrakesch. Bescheidenheit ist nicht seine Zier: Der Range Rover will unterdessen mit einem Rolls-Royce verglichen werden. So zumindest sehen das seine Erbauer. Mit der neuen Generation sichern sich die Engländer auf unbestimmte Zeit die Offroaderkrone.

Rund 150 000 Zielvorgaben seien den Ingenieuren bei der Entwicklung des neuen Range Rover gemacht worden, erzählt David Lloyd, bei Land Rover verantwortlich für die vierte Generation der Geländewagenlegende. Das sei gut so, ja sogar richtig wichtig, sagt Lloyd, denn Ingenieure brauchten unbedingt etwas, an dem sie sich messen könnten. Eine der Vorgaben lautete, dass der neue Range Rover leiser sein müsse – nicht bloss als die direkte Konkurrenz, etwa der Audi Q7 oder der GL von Mercedes, sondern als alle Automobile auf dem Markt, also auch der Rolls-Royce Silver Ghost, das derzeitige Über-Auto unter den Limousinen. Selbstverständlich erfüllten die Ingenieure ihre Aufgabe, zumindest bis Tempo 50; bei 80 Stundenkilometern schafft es der neue Range Rover nur auf den zweiten Rang.

Allein diese kleine Episode zeigt, mit wie viel Verve und Ehrgeiz sich Range Rover hinter die Entwicklung des neuen Range Rover klemmte. Die grosse Aufgabe für die vierte Generation lautete, eigentlich nichts zu ändern und doch alles deutlich besser zu machen. Was nicht ganz einfach ist, denn der Range Rover war ja bisher schon der ungekrönte König auf und neben den Strassen. Sicher, es gab immer Autos, die konnten es in einzelnen Disziplinen noch besser, doch in der Summe seiner Fähigkeiten war der Engländer schon bisher ziemlich unerreichbar – auch deshalb, weil er seine Aufgaben jederzeit mit sehr viel Stil erledigte.

Jetzt ist er auf der Strasse noch besser (sportlichere und trotzdem komfortablere Fahrwerksabstimmung, bedeutend weniger Seitenneigung), jetzt ist er im Gelände noch souveräner (das wegweisende «Terrain Response»-System wurde weiterentwickelt, überzeugt mit einer «Auto»-Funktion, sprich: Die Software sucht selber die optimale Abstufung), jetzt hat er sparsamere Motoren, und jetzt ist er leichter.

Ob der 4,99 Meter lange, 1,97 Meter breite und 1,84 Meter hohe sowie immer noch mindestens 2160 Kilo schwere Range Rover auch optisch ein Fortschritt ist, das müssen die Kunden entscheiden – die Designrichtung stimmt sicher, denn das neue Modell wurde stark dem Bestseller Evoque angepasst. Innen ist alles vom Feinsten, zwar ist das Armaturenbrett eher konservativ gestaltet, doch das sieht halt alles sehr edel aus. Und genau dieser Stil wird von einem Range Rover auch erwartet.

Die Sitze sind wunderbar bequem, man dürfte zwar etwas mehr Seitenhalt erwarten, doch die dominierende amerikanische Klientel liebt halt diese Fauteuils. Hinten gibt es Raum ohne Ende, und, wenn man will, auch eine neue Form von Bestuhlung, die den Range Rover zum Vierplätzer macht. Der Kofferraum erscheint als Fass ohne Boden, 909 Liter sind es mindestens, 2030 bei umgeklappter Rücksitzbank. Die weiterhin zweigeteilte Heckklappe lässt sich nun elektrisch öffnen und selbstverständlich auch schliessen.

Und dann ist man beim ersten Kontakt trotzdem überrascht, wie unglaublich gut sich dieser Wagen fährt. Auf Asphalt: unglaublich ruhig und schon mit dem kleinsten Motor (3-Liter-Diesel, 258 PS, Verbrauch gemäss EU-Norm: 7,5 Liter) mit mächtig Dampf. Und auch wenn die typischen Range-Rover-Kunden nie davon Gebrauch machen werden: Quält man den Engländer stundenlang durch wirklich übles Gelände, tiefe Flüsse, über kniehohe Steine und unglaubliche Steigungen, scheint er dabei höchstens zu lächeln, schüttelt sich ein bisschen wie ein Hund, wenn man aus dem Dreck fährt – und macht zwei Minuten später bereits wieder eine gute Figur in der Vorfahrt des Fünfsternehotels. Wahrscheinlich steht in der nächsten Zielvorgabe für die fünfte Generation dann auch noch: sportlicher als ein Ferrari.

Gut, das alles kostet auch eine schöne Stange Geld: Den erwähnten 3-Liter-Diesel gibt es ab 115 900 Franken. Für den wunderbar mächtigen 4,4-Liter-Diesel mit 339 PS und 700 Newtonmetern maximalem Drehmoment (Verbrauch: 8,7 Liter) braucht es mindestens 138 000 Franken, für den 5- Liter-Kompressor (510 PS, Verbrauch: 13,8 Liter) dann 148 000 Franken. In der Schweiz ist der neue Range Rover ab Ende Januar erhältlich.

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