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Kollision in Rafz: Der Lokführer ­ hat das Signal missachtet

Für die SBB ist eine Woche nach dem ­Zugunglück von Rafz klar: ­Zum Unfall kam es, weil der Lokführer der S-Bahn losfuhr, obwohl das Signal auf Rot stand.

Gestern vor einer Woche kam es in Rafz zu einem Zugunfall, bei welchem eine S-Bahn in Richtung Schaffhausen von einem Inter­regio gestreift wurde. Obwohl ­ die Unfalluntersuchung noch ­immer läuft, liegen bei den SBB inzwischen erste Erkenntnisse vor. «Am Freitag um 6.40 Uhr fuhr die S-Bahn 18014 in Richtung Schaff­hausen am Bahnhof Rafz vom Gleis 4 ab. Dies, obwohl das Signal für dieses Gleis geschlossen war», erklärte Phi­lippe Gauderon, der Leiter Infrastruktur der SBB, an der gestrigen Medienkonferenz. Das Sicherheitssystem Integra-Signum löste eine Zwangs­bremsung aus, nachdem der Zug das geschlossene Signal überfahren hatte. Nach Informationen der SBB hatte die S-Bahn zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits eine Geschwindigkeit von 59 Kilometern pro Stunde erreicht. Die hohe – aber erlaubte – Geschwindigkeit führte dazu, dass der Zug erst circa 100 Meter nach dem Signal zum Stehen kam. Teile der Zugkomposition ragten dadurch in den Fahrbereich des Nachbargleises.

Interregio streifte S-Bahn mit 110 Kilometern pro Stunde

Auf diesem Gleis 5 näherte sich ein Interregio, der ebenfalls in Richtung Schaffhausen unterwegs war. Der Interregio hätte den Bahnhof zu diesem Zeitpunkt normalerweise längst passiert. An jenem Morgen hatte er allerdings eine Verspätung von zehn Minuten, weil es in einem früheren Streckenabschnitt eine Weichenstörung gegeben hatte. Der Interregio passierte den Bahnhof Rafz mit rund 110 Kilometern pro Stunde, streifte die S-Bahn seitlich und entgleiste. Sechs Personen verletzten sich bei dem Unfall, eine davon, der Lokführer des Interregios, so schwer, dass er im Spital in ein künstliches Koma versetzt werden musste.

«Der Lokführer ist inzwischen wieder ansprechbar, befindet sich aber noch auf der Intensivstation», sagte Andreas Meyer, CEO SBB AG. Der Lokführer des Interregios sei zum Unfallzeitpunkt nicht selbst gefahren, sondern ­habe einen Lokführeraspiranten begleitet. Der Aspirant stand nur wenige Monate vor seiner letzten Prüfung. Diese will er trotz des Unfalls möglichst bald abschliessen, sagte Manfred Haller, Leiter Zugführer bei den SBB.

Die SBB haben nach den ersten Erkenntnissen zum Unfall eine Massnahme angekündigt. Bei Bahnhöfen wie in Rafz, wo Züge wenden, erkennt das Zugbeeinflussungssystem keinen Richtungswechsel. Das System kann dadurch auch kein fehlerhaftes Abfahren verhindern. Um diesem Risiko an Wendebahnhöfen Rechnung zu tragen, beschränken die SBB die Geschwindigkeiten von Zügen, die gewendet haben, auf 40?Kilometer pro Stunde. Der Bremsweg im Notfall soll dadurch verkürzt werden. «Die Flankenfahrt von Rafz hätte damit ver­hindert werden können», sagte An­dreas Meyer. Manuel Navarro

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