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kommentar Merkel braucht sich nicht zu sorgen

von fritz dinkelmann

Horst Seehofer war bei dieser Wahl so erfolgreich, weil Bayern so erfolgreich ist. Fast keine Arbeitslosen, in Deutschland einmalig gute Wirtschaftsdaten, die Menschen sind zufrieden. Aber gilt umgekehrt auch, dass Bayern wegen Seehofer so erfolgreich ist? Er hat es jedenfalls geschafft, eine Partei wieder zusammenzuschweissen, die vor vier Jahren am Zerbröckeln war. Trotzdem hat die FDP die letzten fünf erfolgreichen Jahre im Freistaat mitregiert. Und wurde dort von der CSU «tödlich umarmt», wie das SPD-Spitzenkandidat Christian Ude formuliert hat.

Welche Verdienste sich Horst Seehofer selbst auch immer zuschreibt: Er hat die absolute Mehrheit in Bayern bösartigerweise auch mit Hilfe der Liberalen zurückerobert. Die FDP sitzt nicht mehr im Landtag und sorgt mit ihrem katastrophalen Ergebnis jetzt in Berlin für helle Aufregung. Ob die angekündigte Zweitstimmen-Kampagne verfängt, ist fraglich, und auf einen Mitleidbonus zu hoffen, wäre töricht. Schlimmer aber noch trifft Seehofers Triumph SPD und Grüne. Zwar singen sie eine knappe Woche vor der Bundestagswahl jetzt im Chor das Lied «Jetzt erst recht», mit dem Re­frain, dass in Bayern die Uhren anders ticken. So ist es. Und es stimmt auch, dass die Bayern bei einer Bundestagswahl in der Vergangenheit oft anders gewählt haben als in ihrem Revier. Gewichtiger aber ist, dass es bei dieser Bayern-Wahl keine Wechselstimmung gab. Und eine solche gibt es auch in Deutschland nicht.

Der Traum einer rot-grünen Regierung ist definitiv geplatzt, dazu hat Bayern die Fakten geliefert. Kein Wähler wird mehr glauben, dass Rot-Grün auch nur den Hauch einer Chance hat, Merkel zu schlagen. Ob mit oder ohne FDP – Mutter Merkel braucht sich nicht zu sorgen. Die Menschen vertrauen ihr, mehr noch als die Bayern ihrem Horst. Denn auch das hat diese Wahl gezeigt: Die Leute wählen Personen, nicht Parteiprogramme. Und mit Christian Ude verlor ein Sozialdemokrat diese Wahl, der im Gegensatz zu Steinbrück sogar ein Sympathieträger ist. Offenbar aber suchen die Leute Geborgenheit. Dafür garantieren können aber nur Mächtige. Seehofer ist es. Und Merkel auch.

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