Zum Hauptinhalt springen

kommentar Trotz drittem Titel noch nicht auf einer Stufe

von PETER LATTMANN

Zwei Deutsche haben der Formel 1 in den letzten zwanzig Jahren mit zehn Weltmeistertiteln den Stempel aufgedrückt. Schön, dass sich ihre Wege noch gekreuzt haben, wenn auch unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen. Während Red Bull Sebastian Vettel mit dem besten Wagenmaterial verwöhnt, hat es Mercedes nie geschafft, Michael Schumacher ein konkurrenzfähiges Auto zur Verfügung zu stellen. Nichts hätte das besser dokumentieren können als der letzte gemeinsame Auftritt in Brasilien. Der Newcomer hat die dritte Krone an sich gerissen und kann neue Ziele anpeilen. Der Altmeister hat acht Runden vor Schluss auch den letzten Zweikampf verloren und sich als WM-13. fast stillos durch den Hinterausgang verabschiedet.

Ein aussagekräftiger Vergleich der beiden erfolgreichsten Fahrer der letzten Jahrzehnte war auf der Rennstrecke nicht möglich. Er wäre ungleich reizvoller gewesen als die Statistik. Auch diese ist aber nicht ohne. Am Anfang war der eine der schnellere, jetzt ist es der andere. Schumacher hat im 52. Grand Prix den ersten von sieben Titeln an sich gerissen. Vettel brauchte als jüngster Weltmeister überhaupt mit 23 Jahren zehn mehr, hat sich jetzt aber mit nur zwei Jahren mehr auf dem Buckel und 101 WM-Rennen als dreifacher Champion auf dieselbe Stufe wie Jack Brabham, Jackie Stewart, Niki Lauda, Nelson Piquet und Ayrton Senna gehisst. Dahin schaffte es Schumacher erst als 31-Jähriger im 143. Rennen.

Neben der Piste sind die Verhältnisse klarer. Der 18 Jahre jüngere Vettel als Vertreter der neuen Fahrergeneration polarisiert viel weniger als Schumacher, schafft es aber noch nicht, ähnlich viele Menschen in seinen Bann zu ziehen. Mitverantwortlich für die «Schumania» und die ausverkauften Rennen war der Mythos von Ferrari, der Schumacher begleitete. Von «Vettelheim» ist höchstens in seiner Heimatstadt die Rede. Auch Getränkehersteller Red Bull trägt nicht dazu bei, die Motodrome zu füllen. Vettels Leistungen werden dadurch nicht geschmälert. Er ist schon jetzt ein grosser Champion und durchaus in der Lage, viele Rekorde zu übertreffen, um dereinst sogar mit Ferraris Gnaden ganz aus seinem Schatten zu treten. Dass er abheben und seinem Vorgänger auch abseits der Rennstrecken folgen wird, steht nicht zu erwarten. Vettel braucht weder eine 80-Millionen-Villa am Genfersee noch eine Ranch in Texas. Er geniesst seine Triumphe wie sein Privatleben im beschaulichen Thurgauer Flecken Ellighausen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch