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Kommentar: Unabhängig, aber nicht privat

An diesen Gedanken muss man sich erst einmal gewöhnen: das Kantonsspital Winterthur als Aktiengesellschaft. Die erste Reaktion: Was? Wozu denn? «Unserem» Spital geht es doch bestens – das wurde auch gestern wieder mehrfach bestätigt. Es ist effizient und bietet Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau. Auf den zweiten Blick sind die Gründe aber verständlich, die Gesundheitsdirektion und Spitalrat für die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft anführen. Das Gesundheitswesen ist im Wandel, Kooperationen werden immer wichtiger. Wenn das Kantonsspital in diesem Umfeld als AG besser bestehen kann, dann soll es sich neu organisieren. Ein Punkt ist aber unverständlich: Im neuen Gesetz wird nicht festgeschrieben, dass der Kanton – oder andere öffentliche In­sti­tu­tio­nen – am Kantonsspital zumindest mehrheitlich beteiligt bleibt. Das Schlagwort Privatisierung löst gerade in der Gesundheitsbranche viel Skepsis aus. In zentralen Bereichen des öffentlichen Lebens hat es sich in der Schweiz bewährt, dass der Staat die Grundversorgung garantiert, und zwar selbst und nicht via Private. Wenn dies so gut funktioniert wie im Fall des Kantonsspitals Winterthur, ist nicht einzusehen, war­um sich die öffentliche Hand zurückziehen soll. Dass Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger einerseits sagt, ein Verkauf an Private sei nicht geplant, andererseits diese Möglichkeit ausdrücklich im Gesetz vorsieht, leuchtet nicht ein. So wird aus der Diskussion um eine neue, wohl sinnvolle Organisationsform ein langwieriger und unnötiger politischer Grabenkampf.

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