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kommentar Unter Druck eingelenkt

von Marc Leutenegger

Am Ende hat doch noch die Vernunft gesiegt: Die Katholische Kirchgemeinde schaltet ihre Kirchenglocken in der Nacht ab, wie es Anwohner gefordert hatten. Die Pläne, zwei Kirchtürme für viel Geld zu dämmen, sind vom Tisch. Das ist nur logisch, denn einzig Schildbürger dämmen ein Geräusch, das sie mit Absicht verursacht haben.

Eine gute Figur macht die Kirchenpflege mit ihrem Entscheid aber nicht. Denn sie handelt nicht aus Einsicht, sondern lenkt unter Druck ein. Mit der Lösung, die Glocken von 22 bis 6 Uhr abzuschalten, orientiert sich die Kirche am Gesetz. Sie gibt so viel her, wie sie hergeben muss. So handelt nicht, wer einen Prozess, sondern wer eine Niederlage vor Gericht vermeiden will.

Das passt zu einem Streit, in dem keine Partei eine gute Figur machte. Weder die katholische Kirche, die das Verfahren verzögerte und gereizt auf die Lärmgegner reagierte. Noch die reformierten Kirchgemeinden, die sich einer gesamtstädtischen Lösung verweigerten. Noch der Stadtrat, der recht passiv blieb. Auch die Lärmgegner sind nicht alles Lämmer. Einige sind vor wenigen Jahren in die Nähe der Kirchen gezogen, das schmälert die Legitimation ihrer Klagen.

Trotzdem artikuliert sich darin ein gesellschaftliches Problem. Die Siedlungen werden dichter, der Lärm wächst. Und Studien belegen, dass auch Glockenschläge den Schlaf stören. In diesem Kontext sollte der Kirche die Volksgesundheit ein Anliegen sein. Nicht im Sinne, dass bald auch das Geläut zur Weihnachtsmesse verstummen müsste. Aber im Sinne der Einsicht, dass man auf einen Zeitschlag der Kirchenuhr in der Nacht heute verzichten kann.

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