Zum Hauptinhalt springen

Konsequenz unterschiedlicher Strategien

Drei Tage vor dem Derby gegen den FCZ trennen sich die Grasshoppers von ihrem Präsidenten André Dosé. Es ist offenbar die Konsequenz unterschiedlicher Strategien.

Die Grasshoppers gewannen im vergangenen Frühjahr erstmals seit zehn Jahren wieder einen Titel, im Cupfinal gegen den FCB. Am Samstagabend können sie mit einem Sieg im Derby gegen den FCZ die Vorrunde der Meisterschaft als Tabellenzweite beenden, womöglich auf gleicher Höhe wie der FCB. Aber die gute Aussicht auf dieses Spiels hinderte den Verwaltungsrat der GC-Fussballer nicht, mit einem Communiqué an die Öffentlichkeit zu treten, das zumindest Aussenstehende völlig überrascht und dies beinhaltet: Er trennt sich per sofort von seinem Präsidenten, von André Dosé. Und dies nach 20 Monaten. Die offizielle Aussage dazu: «GC steht heute sportlich erfolgreich und operativ solide da. Doch die hohen finanziellen Erwartungen wurden in den vergangenen 18 Monaten nicht erfüllt. André Dosé und dem Verwaltungsrat ist es nicht gelungen, eine gemeinsame Basis zu finden, welche die kurzfristigen sportlichen Ambitionen in Einklang mit den langfristigen Zielen und finanziellen Möglichkeiten bringt. Deshalb haben der Verwaltungsrat und André Dosé beschlossen, die Weichen für die Zukunft neu zu stellen und die Zusammenarbeit zu beenden.» «… gibt es GC nicht mehr» Daraus ist zu schliessen, dass – zumindest aus der VR-Sicht – Dosé wohl den sportlichen Erfolg zurückbrachte, nicht aber jenes Geld beibrachte, das dafür auf Dauer nötig gewesen wäre. Es klaffte als eine Differenz zwischen der Strategie des Verwaltungsrats und den «Owners», den GC-Besitzern, die für vier Millionen Franken pro Jahr geradestehen. Dosé stand offensichtlich für eine Vorwärtsstrategie; er wollte mit dem sportlichen Erfolg den Verein attraktiver machen und so Geld generieren. Den «Owners» war das offensichtlich zu riskant. Oder wie es Stephan Anliker, Vizepräsident des Verwaltungsrats, formulierte: «Was nützt es, wenn wir im Frühjahr Meister sind und dann gibt es GC in drei Jahren nicht mehr?» Anliker, auch Verwaltungsratspräsident des Eishockey-B-Klubs SC Langenthal, ist bestimmt worden als Sprecher des Verwaltungsrats, der als Kollektiv vorderhand die Aufgaben des ausgeschiedenen Präsidenten übernimmt. Während Dosé, wie er selbst sagt, im Frühjahr Geld in die Hand nehmen wollte, um «kompromisslos den Erfolg zu suchen», sagt Anliker, es sei davon auszugehen, dass GC seine Ausgaben zurückfahre. Auf rund 20 Millionen Franken beläuft sich das Budget zurzeit, mit einem Defizit von zwei, drei Millionen ist zu rechnen. Und es ist auch noch nicht klar, wie viele der zurzeit 15 «Owners» in der neuen Saison weitermachen. Verpflichtet haben sie sich bei ihrem Zusammenschluss bei der letzten, von Urs Linsi orchestrierten Sanierungsaktion auf drei Jahre – und die laufen im kommenden Sommer ab. Zu viel ausgegeben, zu wenig eingebracht hat Dosé – so lässt sich das Ganze sehen aus der Sicht der Kritiker. Er selbst wird so zitiert: Die Trennung sei der «einzige vernünftige Entscheid. Der Verwaltungsrat und ich haben völlig andere Auffassungen.» Dass dem so sein könnte, war schon seit geraumer Zeit zu vermuten. Es war zu hören, hinter dem in der Tat erstaunlichen sportlichen Erfolg verberge sich auch, Dosé erfülle seine primäre Aufgabe nicht, Geld beizubringen. So gesehen war die Nachricht von gestern keine Sensation, aber der Zeitpunkt – eben so kurz vor dem Derby als letztem Spiel des Jahres – doch höchst ungewöhnlich. Der Verwaltungsrat werde, heisst es, zu «gegebener Zeit» über die Führung orientieren. Was sich da abzeichnet, ist schwer zu sagen. Fakt ist bisher nur: Dosé geht nach einem Strategiestreit. GC steht wieder mal negativ in den Schlagzeilen, seine Zukunft wirft wieder mal Fragen auf. Vielleicht werden künftig wieder eher Spielerverkäufe als -käufe die Personalien prägen. Aus Deutschland kam gestern passend die Kunde, der Bundesligist Mainz 05 sei stark an Roman Bürki interessiert. Der junge Torhüter ist – neben Izet Hajrovic – das Juwel im aktuellen Kader der Grasshoppers.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch