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Kotaufnahmepflicht auf der Bühne

Im TheaterAltiFabrikFlaach gastierte am Samstagabend das „Pfannenstil Chammer Sexdeet“. Auch Jahre nach dem Erfolg von „Einegeligi Riisnegeli“ beobachtet das Trio um Res Wepfer den Alltag scharf und schafft daraus ein abendfüllendes Stück.

„Starker Tobak“, so der Name des Stücks mit dem das „Pfannenstil Chammer Sexdeet“ am Samstagabend im Flaacher Kleintheater „Alti Fabrik“ auftraten. Der Name stehe für eine Unverschämtheit, heisst es im Flyer zur Aufführung. Doch diese Unverschämtheit wird mit einer unnachahmlich lockeren und heiteren Art präsentiert. Denn das „Sexdeet“ schimpft nicht, es ist nicht zynisch, es droht nicht und hebt nicht den moralischen Zeigefinger. Und regt trotzdem zum Nachdenken an.?Das beginnt schon mit dem ersten Stück „Sehr guet“, eine Hymne an alle. An alle, die stolpern, die vor dem Fernseher einschlafen, an Verlierer und Gewinner gleichermassen. Ein Loblied auf die, die es versuchen und scheitern, aber auch auf die, die scheu am Rand stehen und gar nicht erst mittun. In „Sehr guet“ kriegt jeder die Bestnote. Doch im Sessel zurücklehnen tut man sich trotzdem nicht. Was bedeutet es, wenn Handlungen immer dieselbe Konsequenz haben? Ist das „sehr guet“?

Absurd im Alltag?

Es ist das Markenzeichen dieser kabarettistisch angehauchten Gruppe, die seit über 23 Jahren besteht. An der Oberfläche ein absolutes Wohlfühlprogramm, doch tatsächlich gehen die Texte in die Tiefe und legen Absurditäten im Alltäglichen offen. So schaffte es die Pfannenstil-Truppe etwa mühelos, das Publikum bei einem Lied über, Sie lesen richtig, „Kotaufnahmepflicht“, zum Mitsingen zu bringen. Texter und Komponist Res Wepfer erklärt: „Ich kann heute fast alles machen, jede Unverschämtheit, mich unmöglich benehmen. Trotzdem weist mich ein Schild in Rapperswil auf die Kotaufnahmepflicht hin. Was bedeutet das? Insbesondere für mich, der keinen Hund hat?“ Dieses Detail reisst er aus dem Zusammenhang und es entsteht ein Lied, dass, harmlos auf den ersten Blick, Bizarres zeigt, unabhängig von seiner ursprünglichen Herkunft. Daher kommt auch die Schreibweise des Bandnamens: „Sexdeet“ heisst das Trio, weil die auftretenden Figuren in den Liedern für die Allgemeinheit gelten können, „segs hier, segs deet“.

Platz für Spass und Improvisation?

Auch abseits der Texte wissen Wepfer an Gitarre und Ukulele, Lisa Gretler an Klavier, Perkussion und Posaune und Reto Baumgartner am Kontrabass zu unterhalten. Stets spielen sie ein wenig exaltiert: Gretler pustet am Ende eines Stücks sichtlich stolz auf ihre Leistung ihren Schlagzeugstock wie den rauchenden Lauf eines Colts ab. Baumgartner lässt sich von den Bandkollegen beglückwünschen, nachdem er es im dritten Anlauf geschafft hat, sein Lied über die Entschuldigungssucht des guten Bürgers zuende zu singen. Wepfer verliert sich in einer Ode an seinen Partygrill so völlig, dass der Rest des Trios sich peinlich berührt aus dem Staub macht. Das „Sexdeet“ hat ein untrügliches Gespür für die richtige Dosis Klamauk. Dabei improvisieren sie auch gerne in ihren Aufführungen. Am Samstag schlug Lisa Gretler spontan eine Rolle vorwärts mit Posaune. Die Truppe baut für solche Aktionen in ihre Stücke Abschnitte ein, in welchen sie während einer Aufführung nicht nur improvisieren können, sondern sich auch ein wenig fordern dürfen. Etwa indem sie sich beim Singen eines Liedes ins Wort fallen oder auch mal statt eines geplanten Stücks lieber etwas Anderes singen, was sonst nicht ins Programm gehört. Davon profitiert das Publikum, denn die drei haben sichtlich Spass auf der Bühne.?Damit ist es vielleicht bald vorbei. Gerüchte über ein Ende der Truppe machen die Runde, doch Wepfer gibt sich bedeckt. Er möchte die momentane Tournee auch nicht als Abschied verstanden haben. Simon Gisler vom TheaterAltiFabrikFlaach sieht das Ganze optimistisch: „Ich denke, dass wir das Sexdeet auch im nächsten Jahr wieder bei uns haben werden. Aber ich würde es auch verstehen, wenn sie nach all den Jahren eine Pause einlegen würden.“

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