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Kürzere Wege für Zürichs Blaulicht

Schutz & Rettung wird in Zukunft mehr Wachen brauchen, wenn die Stadt Zürich weiterhin genügend versorgt werden soll. Schon jetzt sind zwei neue zusätzliche Standorte in Planung.Interventionszeit – Die Zeit zwischen Alarmierung und eintreffen

Die Stadt Zürich wächst und wächst. Im Jahr 2025 wird die Bevölkerung laut Berechnungen der Stadtentwicklung 450 000 Einwohner zählen. Heute sind es 400 000. Die Bevölkerungszahl hat auch einen Einfluss auf den Verkehr und das wiederum auf die Feuerwehr und den Rettungsdienst, die beide unter dem Dach von Schutz & Rettung Zürich vereint sind.

In dicht besiedelten Gebieten ist es für die Organisation schwierig, die gesetzlich verankerte Zeit zwischen Alarmierung und Eintreffen von zehn Minuten einhalten zu können. Bereits heute kann es in gewissen Stadtteilen passieren, dass die sogenannte Interventionszeit überschritten wird (siehe Grafik). Der Auftrag von Schutz & Rettung heisst: «Wir schützen und retten Menschen, Tiere, Sachwerte und die Umwelt – rund um die Uhr.» «Jeder Mitarbeitende von Schutz & Rettung muss sich in diesem Auftrag wieder finden», sagt Direktor Hans­peter Fehr.

Schutz & Rettung Zürich muss also weit voraus denken, wenn die Stadt in Zukunft gut versorgt sein will. In verdichteten Gebieten müssen Rettungsdienst und Feuerwehr häufiger ausrücken. Deshalb muss die Organisation zusätzlichen Raum reservieren, «bevor alle Läden und Wohnungen gebaut sind», wie es Direktor Fehr ausdrückt, «und wir nicht wie die alte Fasnacht hinterherhinken». Die Feuerwehrstandorte an der Weststrasse in Wiedikon im Süden und am Flughafen im Norden reichen bald nicht mehr aus für eine genügende Grundversorgung der wachsenden Grossstadt. Schon jetzt ist die Organisation mitten in der Planung zusätzlicher Standorte im Osten und im Westen Zürichs.

Neues Logistikzentrum

Dazu wird noch ein neues Zen­trum für die Logistik entstehen. Dieses hat bereits eine erste Hürde genommen: Die Machbarkeitsstudie ist erfolgt. Nun gibt es einen Architekturwettbewerb. Und schliesslich muss das Projekt vor das Zürcher Stimmvolk. Denn Bauten von diesen Dimensionen kosten über 20 Millionen Franken. Das neue Logistikzentrum kommt in Oerlikon zu stehen. Schutz & Rettung will das Material zur Versorgung aller Wachen am selben Ort lagern. Dieses wird auch die Milizfeuerwehr benützen (siehe Kasten).

Damit Schutz & Rettung die Vorgaben Löschen, Retten, Behandeln erfüllen kann, braucht es laut Fehr an jedem Stützpunkt mindestens ein Tanklöschfahrzeug, eine Autodrehleiter und einen Rettungswagen. Bei der Standortsuche für die neuen Wachen steht die Feuerwehr im Zentrum, denn die Feuerwehr hat die grossen Fahrzeuge, die viel Platz brauchen. «Ein Rettungswagen kommt einfacher über ein Trottoir», sagt Fehr.

Centravo-Areal im Fokus

Im Westen ist man mit der Suche bereits fortgeschritten. Dort steht das Centravo-Areal im Quartier Aussersihl im Fokus. Derzeit wird die Machbarkeitsstudie erstellt. Fehr geht davon aus, dass diese Ende Jahr beendet ist.

«Das Blaulicht gehört zwar zur Stadt wie das Tram», sagt Fehr. «Dennoch müssen die Anwohnenden frühzeitig kontaktiert werden, wenn ein solches Projekt geplant wird. Wir wissen ja nicht, wie die Nachbarn reagieren. Schliesslich rückt Schutz & Rettung im gesamten Einsatzgebiet an die 100-mal pro Tag aus.» Da gehe es darum, die Leute zu informieren und ihnen zu erklären, weshalb so ein Standort wichtig ist. «Wir wollen ihnen die Ängste vor dem Lärm nehmen.» Doch so weit sei man noch nicht. Das beginne nach dem Architekturwettbewerb, wenn man etwas Konkretes kann. Der Standort im Westen sei ideal für Schutz & Rettung.

Im Osten ist Schutz & Rettung – gemeinsam mit der Immobilienbewirtschaftung Zürich – immer noch auf der Suche nach einem geeigneten Standort.

Nach den Sommerferien will Fehr den Zürcher Stadtrat wieder über den aktuellen Stand der Projekte informieren. Er rechnet damit, dass die Zentrale Einsatzlogistik in fünf bis sieben Jahren realisiert werden kann. Für die Wachen im Westen und Osten rechnet er mit bis zu fünfzehn Jahren. «Der politische Prozess braucht Zeit.» Doch die Überzeugungsarbeit sei wichtig. «Es geht schliesslich um das Schützen und Retten.» Das Schlimmste für einen Feuerwehrmann oder eine Rettungssanitäterin sei es, wenn man zu spät kommt und nicht mehr in der Lage ist, Leben zu retten. «Alles muss rund um die Uhr funktionieren. Oft ist man sich dessen erst bewusst, wenn man darauf angewiesen ist.»

Elisabetta Antonelli

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