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Kunst erleben, wo sie entsteht

Wenn die ersten grauen Nebelschwaden über der Landschaft hängen, dann kommt der «Open Doors»-Anlass gerade recht: Farbe muss her und Fantasie. Gut vier Dutzend Kunstschaffende öffneten ihre Ateliers für Besucher und liessen sie an ihrer Kreativität teilhaben.

Unglaublich, wie bunt die Stadt sein kann, selbst wenn Nebel die Sicht eintrübt. Herbstlicher Tristesse die Stirn geboten haben fast fünfzig kreative Schaffer, die am Wochenende anlässlich von «Open Doors» die Türen ihrer Ateliers offen hielten, damit Kunstliebhaber und Novizen erleben konnten, wie Kunst entsteht – und wer überhaupt dahintersteckt. Der Anlass fand dies Jahr zum siebten Mal statt, ins Leben gerufen wurde er von der Künstlerin Michelle Bird mit weiteren Kunstschaffenden. Juriert wird nicht, teilnehmen kann, wer sich getraut, seine Werke in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Neben der Kunst kommt der Sport nicht zu kurz, «Open Doors» funktioniert ein wenig wie ein Postenlauf. Man schnappt sich einen rosa Flyer oder ein ebenso knallfarbiges Begleitheft unter dem Titel «Magazine Artist Professionals», kurz MAP. Mit dem Stadtplan und den Atelierporträts der Teilnehmenden drin kann man einen Marschplan aushecken, wie man auf kürzestem Weg am meisten Ateliers besuchen kann. So hat man denn allerorten Passanten sehen können, die mit kon­zen­trier­tem Blick auf die Karte strammen Schritts durch die Gassen und Wohnquartiere eilten.

Die Qual der Auswahl war enorm: Malerei, Druckgrafik in allen Spielarten, Skulptur in allen nur erdenklichen Materialien, Fotografie, Zeichnung, Installationen, Aquarell, Keramik – Augenschmaus kann nicht opulenter sein. Da war für jeden etwas dabei.

Chaos und Staubsauger

Die Ateliers fand man in Geschäftsräumen über Autogaragen, in einer ehemaligen Backstube, in der eigenen Wohnung, in aufgelassenen Industriebauten, in Altstadthäusern – als Klausen eines Einsiedlers da oder auch in Form von quirligen Ateliergemeinschaften dort. Jedes Atelier ist ein Mi­krokosmos – eine Welt für sich und ein Spiegel der Persönlichkeit des Künstlers. Im einen Raum herrscht kreatives Durcheinander, im andern sieht man am herumstehenden Staubsauger, dass da nichts, schon gar nicht der erste Eindruck, dem Zufall überlassen wird.

In den Ateliers die unterschiedlichsten Szenen: Die einen (Insider) gingen mit Bussi-Bussi und der Versicherung «hole grad noch mehr Geld, pack mir doch bitte schon mal das Bild ein» auf den Gastgeber zu. Die anderen (Novizen) klopften schüchtern an die Ateliertüren. «Inzwischen sind meine Freunde unter den Besuchern eine Minderheit», schmunzelt der Künstler Jono Brown. Die Mehrheit würden Neugierige bilden, die Kunst vor Ort kennen lernen wollen. «Ich hatte sogar Gäste aus St. Gallen und Konstanz», freut er sich. Das Konzept von «Open Doors», neue Interessenten zu gewinnen, funktioniere. Der Verkauf stand aber nicht im Vordergrund, sondern die Gespräche. Da lernte man spannende Dinge, wie schwierig es ist, einen unscheinbaren Kalkstein zu behauen, oder wie viele Arbeitsschritte hinter einer Druckgrafik stecken. Wie man Plexiglas mit Farbe beschichtet und dann die störenden Nähte zwischen den Farbfeldern zum Verschwinden bringt. Kunst, wurde klar, kommt von Können.

Wieder was gelernt

Und dann war da noch ein Rätsel, seit Künstlerin Raschi Küng in einem Radiointerview davon gesprochen hatte: Was bitte ist «präapplikative Drucktechnik»? Prähistorische Höhlenmalerei und Postmoderne – man glaubte sich mit dem Glossar im MAP für Fachsimpelei ja gewappnet. Doch ist präapplikative Drucktechnik vom Verfahren her sehr einfach, wie die Künstlerin – die im Laden «Ohne Titel» von Gisi Signer und nicht im eigenen Atelier anwesend war – anschaulich machte. Erst wird ganz klassisch gemalt (Farbe prä-appliziert) und daraufhin ein computergeneriertes Raster mit der Druckmaschine dar­übergedruckt. Und genau das ist der besondere Pluspunkt von «Open Doors»: Da wird Kunst gezeigt, die Freude macht, weil man endlich auch als Laie mal drauskommt.

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