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«Kurz vor dem Aus»

Wenn der Nachwuchs fehlt, wird es eng: Das Bläserensemble der Stadtjugendmusik kämpft ums Überleben. Deshalb setzen die Verantwortlichen auf eine Werbekampagne.

Die Si­tua­tion bei den Bläsern der Stadtjugendmusik Winterthur ist dramatisch: «Das Bläserkorps steht kurz vor dem Aus», sagt Jürg Häubi, Präsident ad interim der Stadtjugendmusik, und redet nicht lange um den heissen Brei: Der Nachwuchs fehlt. «Wir haben keinen direkten Draht zu den Jugendlichen, die wir ansprechen möchten», sagt Häubi. Deshalb lanciert die Stadtjugendmusik nun nach den Herbstferien eine grosse Werbekampagne, die sie selber finanziert. Brief an Jugendliche Mit einem Brief samt Werbeflyer werden an die 5000 Jugendliche der Jahrgänge 1999 bis 2003 angeschrieben. «Spielst du ein Instrument und möchtest Spass und Spiel mit Gleichaltrigen erleben? Dann bist du bei uns richtig, denn wir suchen dich!» wird um die Jugendlichen geworben. Mit der Kam­pa­gne soll der angepeilte Aufschwung erreicht werden, um der Stadtjugendmusik einen Neuaufbau zu ermöglichen. «Gelingt dies nicht, ist der Weiterbestand unserer Formation in der aktuellen Besetzung ganz klar in Frage gestellt», sagt Häubi und betont, dass die musikalische Einzelausbildung für die Bläser durch professionelle Lehrkräfte einer Musikschule stattfindet. Alle anderen Musikvereine und auch die Jugendmusikschule werden von der Stadtjugendmusik dazu aufgefordert, die Werbekampagne zu unterstützen. Häubi ist davon überzeugt, dass dies auch im Interesse der andern Vereine ist. Denn auch diese benötigten gut ausgebildete und motivierte Nachwuchsspieler. Hilfe von «Intermezzo» «Dass die Stadtjugendmusik eine Werbekampagne startet, ist ihr gutes Recht», sagt Verena Fehr. Die Vizepräsidentin des städtischen Musikverbands ist in mehrfacher Hinsicht im Winterthurer Musikvereinsleben engagiert. Sie präsidiert unter anderem die Stadtharmonie Eintracht Winterthur-Töss und ist Präsidentin des Vereins Intermezzo, der auf eine Zusammenarbeitsvereinbarung zwischen dem Musikverband und der Jugendmusikschule zurückgeht. Der Verein will Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bieten, im En­sem­blespiel Erfahrungen zu sammeln, und sie auf das Mitwirken in einem Musikverein oder einem Orchester vorbereiten. Wenn die Stadtjugendmusik einen besseren Zugang zur Jugendmusikschule fordert, um ihren Bestand aufzustocken, könne sie dies über «Intermezzo» aufgleisen, sagt die Vereinspräsidentin. Gerade nicht im Trend Doch reicht Werbung aus, um die Jugendlichen für die Stadtjugendmusik zu begeistern? Wenn es am Nachwuchs mangle, habe dies meist verschiedene Gründe, heisst es bei den verschiedenen Musikvereinen. Zum einen gebe es immer wieder Phasen, in denen das gemeinsame Musizieren nicht im Trend liege. Zum andern sei es in einem urbanen Umfeld wegen des grossen Freizeitangebots naheliegend, dass es manchmal mit dem Nachwuchs hapert. Um Jugendliche für das En­sem­blespiel zu begeistern, müsse man sie davon überzeugen, dass sich die Blasmusik gewandelt hat – so das Fazit der verschiedenen Musikvereine. Es gebe auch zeitgenössische und anspruchsvolle Repertoires, die jungen Musikerinnen und Musikern gefallen würden. Auf einen weiteren Aspekt verweist Robert Kesselring, Präsident des Musikverbandes und auch Präsident der Stadtmusik Winterthur. Für die Zukunft sieht er einen Trend hin zu grösseren Vereinen, die beispielsweise aus Fusionen bestehender Formationen entstehen könnten, ganz nach dem Motto: Gemeinsam ist man stärker.

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