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Laax will Asylheim verhindern

CHUR. Der Kanton Graubünden will dem Bund ein leer stehendes Hotel als Asyltransitunterkunft zur Verfügung stellen. Nun wehrt sich die Gemeinde gegen die Pläne der Bündner Regierung und ist bereit, dafür 1,2 Millionen Franken Steuergelder zu investieren.

Der Tourismusort Laax lässt sich in der Asylpolitik auf eine Kraftprobe mit dem Kanton Graubünden ein. Die Gemeinde will ein als Transitzentrum vorgesehenes Hotel kaufen, doch der Kanton, der bereits einen Pachtvertrag mit dem Bund unter Dach und Fach hat, rückt von seinen Plänen zur Nutzung des Gebäudes nicht ab.

Diskussionslos und fast einstimmig beschloss die Laaxer Gemeindeversammlung am Donnerstagabend, eine Investorengruppe mit 1,2 Millionen Franken zu unterstützen, die das Haus wieder als Hotel betreiben will und so, wie Gemeindepräsident Toni Cama­thias ge­gen­über Radio SRF sagt, «zum Erhalt von warmen Betten beiträgt». Laax habe nichts anderes als Tourismus, dar­um sei dieses Vorhaben sehr wichtig, betont Camathias. Ein Gemeindegesetz erlaube es, den Erhalt und die Förderung von warmen Betten zu unterstützen. 600 000 Franken des beschlossenen Beitrages ist als Förderbeitrag vorgesehen, weiter verzichtet die Gemeinde auf Anschlussgebühren in der Höhe von 600 000 Franken.

Hinter dem Vorhaben steht wohl nicht nur die Sorge um möglicherweise fehlende Betten in der Hochsaison, sondern auch die Angst, das geplante Asylzentrum könne Touristen abschrecken. Ausserdem gebe es in der Nachbargemeinde Schluein bereits eine Unterkunft für Asylsuchende, lautet die Argumentation.

Kaufen und damit als Asylunterkunft verhindern will das Hotel Rustico für 3,3 Millionen Franken eine Investorengruppe um den grössten Bündner Bergbahnunternehmer Reto Gurtner. Dessen Weisse-Arena-Gruppe soll das «Rustico» ab nächstem Winter als Hotel betreiben. Gurtner ist nicht nur der grösste Arbeitgeber in der Region, sondern auch der prominenteste Gegner des Transitzentrums. Das Vorhaben könnte nun aber scheitern. Denn der Kanton Graubünden hat mit dem gegenwärtigen Besitzer des Hauses einen zehn Jahre gültigen Mietvertrag abgeschlossen und sich ein Vorkaufsrecht für das Hotel gesichert.

Der Bündner Regierungsrat Christian Rathgeb liess gestern keine Zweifel offen, dass der Kanton an den Plänen für ein neues Transitzentrum festhält. «Wir haben einen Mietvertrag, den wollen wir wahrnehmen», sagte der Justizdirektor.

«Unverantwortlich»

Nicht ausgeschlossen ist, dass der Kanton das Gebäude kauft. «Wir prüfen das. Mehr kann ich dazu im Moment nicht sagen», erklärte Rathgeb, und ergänzte, dass das Hotel drei Jahre vergeblich zum Verkauf angeboten worden sei. Dass die Gemeinde selbst in dieser Zeit auf das Verkaufsangebot nicht reagierte, sondern erst jetzt, wo klar ist, dass unerwünschte Gäste hier einquartiert werden sollen, begründet der Laaxer Gemeindepräsident damit, dass «wir nicht gewusst haben, dass das Hotel verkauft wird».

Den Weg, den die Gemeindebehörden von Laax eingeschlagen haben, um das Transitzentrum für rund 100 Personen zu verhindern, bezeichnete Rathgeb als «unfreundlichen Akt ge­gen­über anderen Gemeinden, die jetzt die Asylsuchenden übernehmen sollten». Rathgeb: «Hier wird mit massiven finanziellen Mitteln versucht, den Kanton bei der Erfüllung einer Aufgabe zu behindern.» Das sei «unverantwortlich».

Kommt dazu, dass die Gemeinde Laax in Verlegenheit kommen dürfte, sobald weitere Hotelbetreiber und -käufer mit dem Argument, warme Betten erhalten zu wollen, um finanzielle Unterstützung bitten. (kal/sda)

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