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Längst dabei, noch immer für sich

Vom Armenwohnort zum Edelwohnsitz: Eine Ausstellung im Orts- und Weinbaumuseum Neftenbach erzählt von den Berghöfen am Irchel-Südhang im Lauf der Zeit.

Die Bewohner der Berghöfe waren einst so etwas wie die «Sans-Papiers» von Neftenbach: Im 19. Jahrhundert gehörten sie lange Zeit zu keiner po­litischen Gemeinde – und den Neften­bachern war es recht, wenn sich daran nichts änderte. Denn die Bewohner auf den Hueben, dies die Bezeichnung für autarke Hofbetrie­be, waren nicht gerade wohlhabende Zeitgenossen. Oft waren es Neuzugezogene, und oft endete deren Wirtschaften auf wenig ertragreichem Terrain bald im Konkurs.

Bessergestellt waren die Menschen im Dorf. Dass sie Gemeindebesitztümer, etwa Weiderechte auf der Allmend oder Holzzuteilungen, mit den «Hungerleidern» teilen sollten, passte ihnen nicht. Ein Regierungsratsbeschluss von 1827 forderte, dass sie in Neftenbach eingemeindet werden. Weil dabei die Höfe ein saftiges Entgelt hätten entrichten müssen, war die Eingliederung für beide Seiten uninteressant und wurde vorerst nicht vollzogen.

Gemeinde gewechselt

Ob sie dazugehörten – und, falls ja, zu wem –, war für die Berghöfe ein Dauerthema. 1. Januar 2013: Der Weiler Obere Hueb wechselt von Buch am Irchel nach Neftenbach. Für Museumsleiter Riccardo Steiner war dies der Anlass, um in einer Ausstellung im Orts- und Weinbaumuseum die Berghöfe am Irchel ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. «Die Bevölkerung in Neftenbach nimmt diesen Teil der Gemeinde kaum wahr», sagt Steiner.

Die kompakte Ausstellung mit dem scheinbar simplen Thema Berghöfe vermittelt auf faszinierende Weise ein Bild der nicht einfachen Beziehung zwischen der Dorfbevölkerung und den Hueben, verdeutlicht deren Sonderstellung und zeigt die Entwicklung bis in die jüngste Zeit: Einzelne Höfe sind zu Wohnobjekten mit ländlich-romantischem Flair für Städter geworden.

Mustergültig lässt sich mit der Schau aus der Geschichte die Gegenwart verstehen. So kann man etwa erfahren, dass der bis heute so benannte Schulweg und auch der Flurname «Schuelerbückli» nach einer tatsächlichen Schule benannt ist: Nachdem Neftenbach Dorf den Berghöfe-Leuten die kalte Schulter gezeigt hatte, war Selbsthilfe gefragt. Nur gerade 29 Jahre lang, bis 1861, war die kleine Schule in Betrieb, an welcher zu dieser Zeit immerhin circa 15 bis 20 Schulkinder unterrichtet wurden.

Die Ausstellung beschränkt sich auf wesentliche Eckpunkte. Wer mehr wissen möchte, kann aus Zusatz-Informationsblättern weitere interessante Details und Kuriositäten erfahren.

www.museum-neftenbach.ch

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