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Laienrichtertum

Das Laienrichtertum hat in der Schweiz eine lange Tradition, die zunehmend unter Druck gerät, weil sich die Gesetzgebung immer schneller ändert.

Die nicht vollamtlichen Bezirksrichter ohne juristische Ausbildung geraten zunehmend unter Druck. An den Gerichten im Kanton Zürich sollen künftig nur noch Richter mit einem abgeschlossenen juristischen Studium arbeiten dürfen. Der Zürcher Kantonsrat hat deshalb im Mai einen entsprechenden Vorstoss unterstützt. Die Befürworter – Politiker von SP, Grünen, GLP, CVP und FDP – finden, dass Laienrichter mit den immer komplexeren Fällen überfordert sind und dem Bürger vor Gericht das Fachwissen mehr nütze als allein die Lebenserfahrung einiger Laienrichter. Die Gegner aus SVP, EDU und EVP-Kreisen können der parlamentarischen In­itia­ti­ve nichts abgewinnen. Es könne nicht sein, dass die dritte Gewalt ausschliesslich Juristen überlassen werde. Zudem leisteten die Laien sehr gute Arbeit. Mit den juristisch ausgebildeten Gerichtsschreibern seien auch die Laienrichter durchaus in der ­Lage, Recht zu sprechen.Das Laienrichtertum hat in der Schweiz eine lange Tradition. Im Sinne einer Parität soll bei der Rechtsprechung sowohl die juristische wie auch die nicht juristische Denkweise vertreten sein. Im Kanton Zürich sind derzeit noch 21 Laien an den Bezirksgerichten in Affoltern am Albis, Andelfingen, Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Pfäffikon und Uster tätig. Sie arbeiten entweder als Einzelrichter oder als Mitglied eines Dreiergremiums in zivil- und strafrechtlichen Prozessen. Die Laienrichter ­werden wie ihre Kollegen mit einer juristischen Ausbildung vom Volk für eine Amtsdauer von sechs Jahren gewählt. Kritiker monieren, dass sich die Gesetzgebung immer schneller ändere. «Bisweilen ist es auch für Juristen eine Herausforderung, zu wissen, was gerade gilt», sagt Alain Griffel vom Rechtswissenschaftlichen In­sti­tut der Universität Zürich. Er zieht den Vergleich zu einer spezialisierten Augenklinik. «Dort erwarten Sie auch Spezialisten auf ihrem Fachgebiet. Laienrichter sind wie Ärzte, die nur ab und zu nebenbei noch ein Auge operieren.» Vor allem das Zivilrecht gleiche sich zunehmend europäischen Normen an und sei auch für Juristen kaum mehr verständlich.In jüngster Vergangenheit haben zudem auch Einzelfälle zu reden gegeben. Einem Laienrichter in Uster wurde eine erfahrene Gerichtsschreiberin zur Seite gestellt, was Mehrkosten in der Höhe von 130?000 Franken generierte. Ein anderer Laienrichter in Horgen gab sein Amt nach drei Monaten wieder auf, weil er falsch über die Voraussetzungen für das Richteramt informiert worden sei.?usc

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