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Landluft

(Un)freiwillige Gratisarbeit

Der Dorfladen ist mehr als nur ein Laden. Er ist Begegnungsort, Umschlagsplatz für allerlei Klatsch und Tratsch sowie Diskussionsplattform in einem. Dar­um ist die Schliessung eines Dorfladens mehr als nur ein kleines, lokales Lebensmittelgeschäft, das verschwindet. Ist es weg, nimmt auch der Austausch ab. Sinnbildlich für das Leben im Dorf.

Auf dem Land gehen Dorfläden trotzdem immer wieder ein, Bewohner kaufen vermehrt auswärts ein. In Berg am Irchel steht der Laden seit November leer und die Gemeinde sucht nach einem Nachfolger. In Wildberg wurden die Regale bereits 2008 geräumt. Zunächst wurde noch mithilfe eines Vereins versucht, den Laden zu erhalten. Leider ohne durchschlagenden Erfolg. In Berg am Irchel ist laut einer Umfrage ein solcher Dorfladen-Verein auch ein Thema.

Der Homo oeconomicus in ­seinem massgeschneiderten, schwarzen Anzug reibt sich bei so viel Engagement erstaunt die Augen und wittert Kosteneinsparungen beim Personal. Wohl auch deshalb wurden im Verlauf der letzten Jahre in den grösseren städtischen Supermärkten sogenannte «Self-Checkouts» installiert. Das ist Englisch für das selbstständige Erfassen und Abrechnen der Lebensmittel und bedeutet ungefähr so viel wie «Selbstausbeutung».

So entsteht die absurde Si­tua­tion, dass der Dorfbewohner in der Stadt konsumtechnisch fremdgeht und dort «Gratisarbeit» leistet, während sein Dorfladen aufgrund von fehlendem Ertrag in der Versenkung verschwindet. Das unregel­mässige Piepsen des Scangeräts ist das EKG des Dorfladens, der auf dem Sterbebett liegt.

Die Leute auf dem Land schütteln angesichts dieser Entwicklung nur den Kopf. Im Gegensatz zum Konzept der Supermarktketten würden sie sich sogar unentgeltlich an die Kasse setzen. In der Landluft zählt Geselligkeit halt noch etwas. Ein unbedienter Laden? Unmöglich!

Jonas Gabrieli

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