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Landluft

Die Gallier ergeben sich

Die Gemeinde Sternenberg existiert ab 2015 nicht mehr. Sie geht in der ­Fusion mit Bauma auf. Das freut die Kasse des Hauptsponsors: Der Kanton muss das Armenhaus nicht mehr länger mit­finanzieren. Eine Zwangsverwaltung – wie einst, als die Gemeinde völlig pleite war – ist nicht mehr nötig. Finanziell geht die Rechnung auf. Für die Gemeindevielfalt ist es allerdings ein herber Verlust. Es verschwindet ein ganz spezieller Fleck von der politischen Landkarte. Eine ­Gemeinde, die vom offenen Geist ihrer Einwohner geprägt war – dem Mix von Alteingesessenen und Aussteigern aus der 68er-Bewegung sei Dank. Eine Gemeinde, die öfter einmal von der Mehrheitsmeinung abwich. Eine Gemeinde, die fernab von Zürich etwas andere Gesetze kannte.

Für Bürokratie war die Luft auf 870 Metern über Meer immer dünn: Das musste auch das ­kantonale Tiefbauamt erfahren. Dieses montierte 2009 auf der steilen und kurvigen Staatsstrasse zwischen Kohltobel und Sternenberg – streng nach Vorschrift – alte Leitplanken ab und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus. Fast die Hälfte der rund 350 Einwohner forderte die Leitplanken mit einer Petition zurück. Der heftige Widerstand ­löste gar einen Sonderfall aus. Erstmals liess der Kanton sein Leitplankenkonzept von einer unabhängigen Instanz über­prüfen. Der kantonale Stras­sen­inspektor präsentierte den ­Bericht der Beratungsstelle für Unfallverhütung persönlich in Sternenberg. Doch die Einwohner konnte er damit nicht überzeugen. Die Sternenberger wurden deswegen keine Fans von Normen. Und das macht sie ­sympathisch.

Doch diese Stimme droht nun mit dem Ende der Gemeinde Sternenberg zu verstummen. Es ist, wie wenn sich Asterix und Obelix als unbeugsame Gallier den Römern ergeben müssten. Für das Landleben wäre ein Gegenpol aber wünschenswert. Gesucht ist daher ein neuer Miraculix, der einen Zaubertrank mit einer Prise Widerspenstigkeit und Eigentümlichkeit anrührt. Fabio Mauerhofer

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