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Landluft schützt vor Neidern nicht

Zurück zur Natur! Auch in der Stadt, denken sich die Urban Farmer, während sie auf kleinem Raum seltenes und weniger seltenes Grün züchten. Doch das Ernteglück der «Stadtbuure», die im Winterthurer Jubiläumsjahr rund 250 Minigärten hegen und pflegen, mag manch einer Bauersfrau im Weinland oder Eulachtal nur ein leises Schmunzeln abringen. Dort spriessen die Tomaten an der Hauswand und das Blumenmeer im Vorgarten seit Jahrzehnten – ganz ohne Publikum und politisches Statement. Besonders amüsant wirds für die Gärtner vom Lande, wenn die städtischen Gemüsezüchter am Ende gar zugeben, dass sie Tomaten und Zucchetti für den Fototermin mit der Zeitung dann doch im Supermarkt gekauft haben. So ein Bschiss! Ein bisschen kann ich die nicht ganz so erfolgreichen «Stadtbuure» ja verstehen. Ich bin bekennendes Landei, doch auch mir wollte das Gärtnern nicht so recht gelingen. Von fünf gesetzten Pflanzen überlebten diesen Sommer gerade mal zwei ihre ersten Lebenswochen in meinem Garten in der Aussenwacht Reutlingen. Dar­um lob ich mir Anlässe wie «1001 Gemüse und Co.», der kürzlich in Rhein­au stattgefunden hat. Dort kann man das rare Grünzeug in voller Pracht und Reife bewundern, ohne dafür monatelang gegen die Schnecken Krieg zu führen. Ich würde mal behaupten, dass sich da so mancher Urban Farmer herumgetrieben hat, um die besten Tipps vom «Tomaten-Guru» Andi Sprecher mit in die Stadt zu nehmen. Der grüne Daumen ist jedoch gar nicht immer erstrebenswert. Dieser Gedanke kommt mir, wenn ich die Geschichte vom Nachbarschaftsstreit in einem Weinländer Dorf lese. Spätestens wenn der Nachbar vor Neid erblasst und einen wegen wuchernder Pflanzen und damit wegen des Erfolgs im Garten vors Bezirksgericht zerrt, hört bei mir der Spass am Gärtnern auf. Und vor solchen Neidern schützt auch die gute Landluft nicht.

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