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Lange spannend, am Ende klar

Das 189. Zürcher Derby gewannen die ZSC Lions nach einem 0:1-Rückstand gegen die Kloten Flyers noch 4:1.

In der 50. Minute noch stand der Match, der nicht gerade hochstehende Eishockeykost gebracht hatte, 1:1. Vom Resultat her schien noch alles möglich, aber vom Spielverlauf her war eigentlich jedem der 9397 Zuschauer klar, dass der Sieger nur ZSC Lions heissen konnte. Der Meister war nach dem frühen 0:1 lange die überlegenere Mannschaft gewesen, hatte aber seine vielen Überzahlmöglichkeiten nicht nützen können. Dann aber kam den Lions – und auch das überraschte wenig – Tommi Santala entgegen. Ihm missriet ein Zuspiel in der neutralen Zone, Ryan Shannon brachte den Stock dazwischen. Und danach ging es ganz schnell: Pass zu Chris Baltisberger, der spielte den Puck vor das Tor von Martin Gerber, wo Roman Wick gekonnt ablenkte. Das war nach 51:26 das 2:1 für die ZSC Lions, und das war dann im Prinzip die Entscheidung. Denn die Kloten Flyers, das hatte man schon vorhin gesehen, waren kaum mehr zu einer Reaktion fähig, sie waren müde. Nur 90 Sekunden später erhöhte Mark Bastl auf 3:1, am Ende gelang den Lions doch noch ein Powerplaytor durch Chris Baltisberger zum 4:1. Das war im Prinzip auch das Ergebnis, das dem Schussverhältnis entsprach. Zum achten Mal in Folge Und damit gewannen die ZSC Lions zum achten Mal in Folge ein Derby gegen die Kloten Flyers. Das ist für sie eine Serie, «von der ich gar nichts wusste», wie Patrick Geering sagte. Aber sie zeigt auch auf, wie stark sich innerhalb von eineinhalb Jahren die Kräfteverhältnisse noch einmal mehr zugunsten der Lions verschoben haben. Von den zwölf Derbys seit dem Start zur Saison 2013/14 gingen nur gerade zwei an die Kloten Flyers – sie gewannen jeweils im Penaltyschiessen. Während sich die Lions über einen «Arbeitssieg» nach schwachem Beginn freuten, müssen sich die Kloten Flyers im Prinzip ärgern. Denn sie verpassten eine grosse Chance, unerwartete Punkte zu holen. Sie gingen ohne Jenni, von Gunten, Denis Hollenstein, Peter Guggisberg und den gesperrten Simon Bodenmann in den Match – und hatten nach zwei Minuten schon zwei glasklare Torchancen verpasst. Ermöglicht hatten diese die zwei Lions-Jungtalente Denis Malgin und Jonas Siegenthaler. Zehn NHL-Scouts waren anwesend, und das machte die beiden Jünglinge so nervös, dass ihnen in den jeweils ersten Einsätzen ein unerklärlicher Fehler unterlief. Corsin Casutt und Philippe Schelling kamen so alleine vor Torhüter Flüeler zu Möglichkeiten, die sie aber vergaben. Der dritte, der patzte, war Flüeler selber. Denn nach 161 Sekunden lag der Puck im Netz. Peter Mueller hatte überraschend von der Seite geschossen und im dritten Match seinen dritten Skorerpunkt für die Flyers geholt. Die Lions fanden weiterhin nicht zur Konzentration, die es bräuchte. Aber die Klotener nützten das nicht aus – und gaben einmal mehr im Mitteldrittel dem Gegner zu viel Raum und Zeit. Sie hatten Mühe, das immer höher werdende Tempo der Lions mitzugehen, und kassierten fünf Strafen in Folge, bis endlich auch die ZSC Lions einmal ein Foul begingen. Viel Kraft gelassen In diesen Unterzahlsi­tua­tio­nen, zu denen auch Martin Gerber mit einer unmotivierten Aktion beigetragen hatte, hatten die Lions zwar extrem viel Mühe, etwas zu kreieren. Aber die Abwehrarbeit kostete den Gegner natürlich Kraft. Und nach dem Motto «Steter Tropfen höhlt den Stein» nahmen die Lions dann auch den Match in ihre Hände. Sie waren eben auch breiter besetzt, auch wenn ihnen drei Ausländer fehlten. Aber die waren immerhin gut genug, um den Ansprüchen zu genügen. Bei den Flyers aber spielte auch gestern nur einer so, wie man es von einem Ausländer erwarten darf: Peter Mueller. Tommi Santala ist offenbar nicht fit genug, um das Vertrauen und die Eiszeit, die ihm der Trainer gibt, zu rechtfertigen. Er ist regelmässig mit seinen Fehlern ein Risiko für das eigene Team. Schon in Genf und gegen Lausanne hatte er Gegentore eingeleitet. Das darf einem wie ihm, dessen Stärken ausgerechnet in der eigenen Zone liegen sollten, nicht passieren. Jim Vandermeer spielt ein bisschen beliebig, so, wie es ihm gerade passt. Und Micki Dupont ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Dieses Trio hat jetzt schon bald 15 Partien hinter sich, Besserung war kaum zu sehen. Aber sie sind sich ihrer Position im Team offenbar zu sicher. Nach den zwei Niederlagen kommt für die Flyers am Freitag mit dem Match gegen Biel ein Spiel der Wahrheit, für die ZSC Lions, die gestern wieder die Tabellenführung übernahmen, mit dem Auftritt in Bern eine neue Herausforderung. Dann müssen sie besser sein, um zu gewinnen, als gestern. Roland Jauch

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