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Langzeitarbeitslosigkeit bildet sich zurück

Im September hat sich die Zahl der Arbeitslosen in der Schweiz leicht erhöht. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist dagegen erneut gesunken.

Die Zahl der Arbeitslosen in der Schweiz ist im September zwar leicht auf 120 347 Personen gestiegen (siehe verlinkten Artikel). Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat aber um 343 Personen auf 18 556 abgenommen. Dabei handelt es sich keineswegs um einen statistischen Ausreisser. Denn die Zahl der Personen, die seit mehr als einem Jahr arbeitslos gemeldet sind, sinkt seit Längerem kontinuierlich. Im Januar 2012 wurden 20 183 Langzeitarbeitslose ausgewiesen, ein Jahr zuvor waren es sogar 32 538. Und laut George Sheldon, Professor für Arbeitsmarkt- und Industrieökonomie an der Universität Basel, dürfte sich diese Entwicklung fortsetzen. «Der Frühindikator der Forschungsstelle für Arbeitsmarkt- und Industrieökonomik deutet auf eine weitere Abnahme der Zahl der Langzeitarbeitslosen hin.» Der Rückgang sei primär auf die robuste Konjunktur zurückzuführen, die Anfang 2011 wieder Tritt gefasst habe, sagt Sheldon. Verbessere sich die Arbeitsmarktlage, würden weniger Personen arbeitslos und fänden Arbeitslose schneller wieder eine Stelle, sodass es auch weniger Langzeitarbeitslose gebe. Deutlich tiefer als EU-Quote Der Anteil der Langzeitarbeitslosen am Total der Arbeitslosen sei mit derzeit gut 15 Prozent im internationalen Vergleich sehr gut, sagt Sheldon. In der EU seien im Durchschnitt rund 50 Prozent Langzeitarbeitslose. Gründe für diesen tiefen Prozentsatz seien die für bestimmte Gruppen verkürzte Bezugsdauer, die von den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) geforderten intensiveren Vermittlungsbemühungen und Massnahmen wie der Zwischenverdienst. Dabei werde die Differenz zwischen dem neuen und dem vorherigen Gehalt durch Taggelder teilweise ausgeglichen. Dadurch hätten mehr Personen eine schlechter bezahlte Arbeit angenommen, in der Hoffnung, dass diese dann zum Sprungbrett werde. Insgesamt bestehe in der Schweiz nach wie vor eher eine Arbeitsknappheit, wie die anhaltende Zuwanderung von ausländischen Arbeitnehmern belege. Als Mär bezeichnet Sheldon die Behauptungen, wonach die Zahl der ausgewiesenen Arbeitslosen viel zu tief sei, weil ausgesteuerte Personen aus der Statistik fielen. Viele würden auch nach Ende der Taggeldbezugsdauer auf den RAV registriert bleiben. Auch Ausgesteuerte finden Jobs Laut Antje Baertschi, Sprecherin des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), entspricht die Zahl der Arbeitslosen allen Personen, welche bei einem RAV gemeldet sind, keine Stelle haben und sofort vermittelbar sind. Dabei spiele es keine Rolle, ob diese eine Arbeitslosenentschädigung bezögen oder nicht. Ausgesteuerte seien allerdings nicht verpflichtet, weiter regis­triert zu bleiben. Es gebe auch Personen – beispielsweise solche nahe dem Rentenalter –, die sich aus dem Arbeitsmarkt zurückziehen würden. Es sei aber keineswegs so, dass die grosse Mehrheit aus der Arbeitslosenstatistik falle und nie wieder eine Stelle finde. «Laut einer Studie des Seco landen gut 15 Prozent der Ausgesteuerten bei der Sozialhilfe. Von den übrigen rund 85 Prozent finden viele später wieder eine Arbeit», sagt Baertschi.

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