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Latinomusik einmal ganz anders

Die amerikanische Band Ill Niño spielte im Salzhaus ein kraftvolles Konzert. Ihre Symbiose aus Metal und Latinorhythmen vermochte einmal mehr zu überzeugen.

Tropische Klänge schallten durch den Saal, als eine Handtrommel in immer schnellerem Rhythmus bearbeitet wurde. Dann setzte ein Schlagzeug ein und nahm das Thema auf. Es folgten elek­trisch verstärkte Bass- und Gitarrenriffs, bis sich das Latino-Intro zum waschechten Metalsong verwandelte und das Publikum die Haare fliegen liess. Ill Niño aus den USA zeigten im Salzhaus, dass ihr Latino-Metal die Hallen auch nach über zehn Jahren Bandgeschichte noch erbeben lässt. Ill Niño spielten im Rahmen der «Epidemic World Tour» und der Promotion ihres neuen Albums in Winterthur. Die Show war ein Querschnitt durch sechs Studioalben und das Ergebnis langjähriger Tourerfahrung mit Grössen wie Linkin Park, Korn oder Guns N’ Roses. 1999 gründete der ehemalige Schlagzeuger von Soulfly eine Band mit der Idee, so hart und gleichzeitig so melodiös wie möglich Musik zu machen und einen guten Schuss Latinogefühl hineinzubringen. Ill Niño war geboren und hatte von Anfang an eine klare Richtung. An diesem Konzept hat die Band bis heute nichts geändert. Aus immer wieder neuen Blickwinkeln werden die Möglichkeiten im Spannungsfeld Härte–Melodie und Metal–Latino ausgelotet und zu eingängigen, wuchtigen Songs verarbeitet. Auf dem sechsten Studioalbum «Epidemia» standen Stammesrhythmen im Vordergrund. Trommeln, die sich von langsamen Herzschlägen zu frenetischen Wirbeln steigern, Trommeln, die grell wachrütteln oder sanft einlullen, Trommeln, die das Intro und das Fundament für moderne Formen der Musik bilden und mit ihnen zu einer Einheit verschmelzen. Das funktioniert schon auf dem Album gut. Live steigern sich die Intensität und die Wucht noch um ein Vielfaches, wie Ill Niño im Salzhaus unter Beweis stellten. Gleich zwei Schlagzeuger installierten ihr Equipment auf der Bühne – eines um diverse Handtrommeln erweitert. Zwei Gitarristen sorgten für eingängige Melodien und ergänzten die Songs immer wieder um akustische Passagen mit Latinoeinflüssen. Ein Bassist sorgte für das wummernde Gerüst. Und über diesen dichten Klangteppich legte Cristian Machado seinen Gesang, der eigentlich ebenfalls zwei Rollen vereinte. Zum einen beschwor er mit grollendem Schreien sämtliche Stammesgottheiten herauf. Zum anderen sang er mit eindringlicher, klarer Stimme eingängige Melodien. Dieses Spiel mit den Gegensätzen, das sichere Bewegen in den verschiedenen Spannungsfeldern, gelingt Ill Niño ausnehmend gut und sorgt für viel Abwechslung. Die Band funktionierte als Einheit, sie spielte kompakt und souverän. Trotzdem hatte das Konzert nichts von einem abgespulten Programm. Ill Niño waren äusserst präsent, animierten das Publikum zum Mitsingen und scheuten sich nicht, mit den Fans der vordersten Reihe auf Tuchfühlung zu gehen. Das Publikum dankte es mit viel Applaus und animierter Stimmung. Ähnlich engagiert und spielfreudig, wenn auch musikalisch nicht ganz das Wasser reichend, gestaltete sich der Auftritt der Vorband Elektromorf. Die Ungarn spielten eingängigen und soliden Metal, der gut unterhielt, aber auf die Dauer etwas eintönig daherkam. Es war ein gelungener Abend. Ill Niño zeigte sich als feste Grösse in der Metalszene, die neue musikalische Akzente setzt, ohne ihr Grundwesen zu verleugnen, und die live eine bestens unterhaltende Druckkraft entwickelt.

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