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Leger getanzter Totentanz

zürich. Die Musik dominiert im Totentanz-Projekt. Dieses vereint klassische Kompositionen mit den «tacchi alti» und den Tanz von «flowingdance».

Das Kammermusik-Ensemble «tacchi alti» um die Flötistin Barbara-Gabriela Bossert und die Harfenistin Kathrin Bertschi ist berühmt für Programme, die Ungewohntes zusammenbringen und damit spannungsgeladene Konzertabende gestalten. Das gilt auch für das Totentanz-Projekt, das am Freitag im Theater Rigiblick in Zürich zu Gast war. In José Maria Canos «Kind des Mondes» wird betörend schön Grässliches gesungen. Und Samuel Barbers «Adagio» und Gabriel Faurés «Pavane» wirken im äusserst differenzierten Zusammenspiel wie Drogen. Dazwischen erzählt Mieczyslaw Weinbergs Flötenkonzert Nr. 1 in d-Moll besonders eindringlich von der Gefährdung, Zerstörung und Wiederherstellung von Harmonie.

Thematisiert wird der Tod zu Beginn mit André Caplets «Conte fantastique», die sich auf Edgar Allan Poes «Maske des roten Todes» bezieht. Ausschnitte aus der fantastischen Erzählung kommen zur Sprache. Und die Farben der Räume, wo sich Prinz Pros­pero vor der Pest sicher wähnt, sind im Lichtdesign von Stefan Marti ständig präsent. Zum Schluss macht «Danse Macabre», die sinfonische Dichtung von Camille Saint-Saëns – wie Faurés Musik von Wolfgang C. Drechsler für Flöte, Harfe und Streichorchester bearbeitet –, das Thema des Totentanzes im Einzelnen präzis hörbar.

Während die Musiker Entstehungszeit und Stil der Kompositionen deutlich herausarbeiten und expressive Akzente besonders betonen, behalten Anne-Sophie Fenner und Ivan Blagajcevic in Choreografie und Tanz ihren abstrakten, legeren Tanzstil durchwegs bei. Sie ordnen sich meist der Musik unter, setzen einzelne musikalische Elemente szenisch-bildhaft um oder kontrastieren schreitend die rhythmische Komplexität.

Auch die eher kurzen Tanzszenen verweigern jede emotionale Illustrierung. Sie beginnen aus einzelnen, oft scheinbar nebensächlichen Impulsen, folgen dann eigenen Absichten und gehen auch in ausgreifenden Bewegungsschwüngen nicht über die entspannte, gleichbleibende Grundhaltung hinaus. Ihr Körpereinsatz trägt so etwas Zusätzliches zum Gesamteindruck des Totentanz-Projektes bei, kann und will sich aber nicht explizit zu dessen existenzieller Thematik äussern.

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