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«Lehrer sollten Eltern nicht aufwiegeln»

Der Elternrat der Brühlbergschule verteilt besorgte Briefe und kritisiert Schulpräsident Felix Müller hart. Dieser sagt, er verstecke sich nicht. Er sei aber schlicht nicht zuständig.

Nach dem Artikel zum Unmut an der Brühlbergschule hagelte es Leserbriefe mit Kritik an Ihrer Person. Überrascht? Felix Müller: Nein. Man muss das im Verhältnis sehen: Es gibt über 1200 Schulkinder im Kreis Winterthur-Stadt. Wenn zehn Leute einen Leserbrief schreiben, ist das weniger als ein Prozent der Eltern. Jetzt machen Sie es sich aber einfach. Der Elternrat Brühlberg schreibt ja im Namen aller Eltern. Und im Schulhaus Neuwiesen gab es im Herbst eine Petition mit über 1200 Unterzeichnenden. Was im Herbst passiert ist, ist eine ganz andere Geschichte. Eltern fürchteten, eine bestehende Klasse werde aufgelöst. Da ist etwas passiert, was eigentlich nicht passieren sollte: Lehrer dürfen ihre «Kundschaft» nicht für die eigenen Anliegen instrumentalisieren. Auch wenn ein Stellenabbau zu befürchten ist, so ist es nicht richtig, die Eltern gegen den eigenen Arbeitgeber einzusetzen. Woher kommt denn diese Angst? Die Neuberechnung des Sozialindexes trifft den Kreis Winterthur-Stadt in einer Härte, die ich nie erwartet hätte. Vollzeiteinheiten für mehr als eine ganze Klasse fallen weg. Das heisst: Wir müssten pro Klasse etwa einen Schüler mehr haben. Oder andersrum: Wir können es uns immer weniger leisten, Klassen zu haben, die sich über die Schülerzahlen nicht selbst finanzieren. Der Hauptvorwurf gegen Sie lautet: Müller versteckt sich im Büro und nimmt Elternanliegen nicht ernst. Braucht es erst eine Unterschriftensammlung, bis Sie reagieren? Ein Elternrat gehört zunächst einmal zur Schule und wird von der Schulleitung informiert. Ich habe mit den Elternräten nur im Ausnahmefall zu tun. Wenn ein Elternrat an Sie schreibt, passiert also nichts? Doch, dann rede ich mit der Schulleitung und gehe davon aus, dass sie das Problem löst. Wenn es hingegen so ist, dass Schulteams finden, die Elternräte verunsichern zu müssen, kann ich nachvollziehen, dass Unruhe entsteht. Eine Informationspflicht entsteht doch dann, wenn sich etwas verändert. Ich betrachte es nicht als meine Aufgabe, in allen Schulhäusern rumzulaufen und zu sagen: Liebe Eltern, es gibt nächstes Jahr gleich viele Klassen wie dieses Jahr. Aber wenn Verunsicherung da ist, müssten Sie doch hinstehen und informieren. Ich kommuniziere doch. Ich habe dieses Jahr zweimal mit dem Elternrat der Brühlbergschule telefoniert und versichert: Wenn ein Entscheid getroffen würde, werde ich informieren. Haben Sie seit Erscheinen des Artikels Kontakt zum Elternrat aufgenommen? Nein, dazu blieb keine Zeit. Die Eltern werden aber einen Brief bekommen, wo ich schriftlich darlege, welche Argumente zu berücksichtigen sind. Aber das braucht Zeit und die nötige Sorgfalt. Warum genau stellen Sie sich eigentlich gegen die Forderung der Brühlbergschule, weiterhin eine Co-Schulleitung aus den eigenen Reihen zu haben? Ich habe verschiedentlich Schulleitungsaufgaben hochgerechnet und stellte fest: Es braucht ein 50-Prozent-Pensum, um überhaupt die Sockelarbeit wie Elterngespräche und Sitzungen zu erledigen. Schulleitungsprofis gehen nicht davon aus, dass ein Kleinpensum, wie gefordert, attraktiv wäre. Und wenn es eine Co-Leitung für Neuwiesen-Brühlberg gäbe, wäre das ein echtes Jobsharing, wo sich die beiden Leitungspersonen Aufgaben zuteilen würden, nicht Schulhäuser. Alles andere erscheint nicht als sinnvolle Ressourcenverteilung. Bisher hat es sich doch auch bewährt. Nein, es hat sich überhaupt nicht bewährt. Das war wahrscheinlich eine der teuersten Schulleitungen, die wir in der Stadt Winterthur hatten. Mit ihren 30 Prozent hatte ich der bisherigen Schulleiterin ständig irgendwelche Vikariate bewilligen müssen, damit sie während der Zeit, wo sie selbst unterrichtete, an Sitzungen teilnehmen oder Lehrerkollegen besuchen konnte. Zeitmangel ist auch bei Ihnen ein Thema: Reicht Ihr 70-Prozent-Pensum? Tatsache ist, dass ich von Gesprächstermin zu Gesprächstermin hetze und ­zwischendurch kaum Arbeit erledigen kann. Statt 70 wende ich 80 bis 90 Prozent meiner Arbeitszeit fürs Präsidium auf. Und dSo Bald übernehmen Sie zusätzlich den Kreis Töss. Kann das gutgehen? Ja. Das Sekretariat in Töss bleibt ja erhalten. Ich gebe meinen Lehrauftrag an der ZHAW ab und erhalte ein 100-Prozent-Pensum. Die grösste Entlastung wäre aber, die nebenamtlichen Schulpflegemitglieder würden sich auf ihren Bereich, das Strategische, konzentrieren. Sie reden Ihnen zu viel rein? Der Kreis Stadt hat eine, positiv gesagt, engagierte Schulpflege, die in möglichst vielen Bereichen mitreden möchte. Das verursacht mir einen hohen Sitzungsaufwand. Meiner Meinung nach sind beispielsweise Stellen- und Pensenentscheide operativ, also nicht im Aufgabenbereich der Gesamtschulpflege.

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