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Lehrerboni ersetzen Fixzulagen

Der Trend zu jahrgangsdurchmischten Schulklassen führt zu einem neuen Besoldungsmodell. Der Kantonsrat hat es gestern mit nur wenigen Gegenstimmen gutgeheissen.

Jahrgangsdurchmischte Klassen sind im Trend. Was einst vor allem dann zur Anwendung kam, wenn in einer Schule zu wenige Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs vorhanden waren, um eine Klasse zu bilden, gilt heute vielfach als pädagogisch wertvoll. Doch das geht ins Geld. Denn noch gilt im Kanton Zürich: Lehrpersonen, die sogenannte Mehrklassen – gemeint sind altersdurchmischte Klassen – unterrichten, haben Anspruch auf eine Mehrklassenzulage. Ihr regulärer Lohn wird damit um mehrere Tausend Franken pro Jahr aufgestockt. Doch damit ist bald Schluss.

Gestern beschloss der Kantonsrat, die Mehrklassenzulage durch eine Einmalzulage zu ersetzen. Diese funktioniert ähnlich wie ein Bonus in der Privatwirtschaft: Die Vorgesetzten – in diesem Falle die Schulpflege – entscheiden, welche Angestellten aufgrund ihrer Leistung den einmaligen Zustupf erhalten. Infrage kommen dafür sowohl Lehrpersonen als auch Schulleiterinnen und Schulleiter. Die neue Regelung tritt nach den Sommerferien 2014 in Kraft.

Geld für mehr Leute

Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (ZLV), ist alles andere als begeistert von der Änderung: «Mehrklassenlehrer haben einen grösseren Aufwand, das steht fest», sagt sie. Und fügt an: «Letztlich wird nun das Geld einfach auf mehr Leute verteilt.» Für die Einmalzulagen werden pro Jahr 3,5 Millionen Franken aus dem bisherigen Mehrklassentopf eingesetzt.

Wer besonders grosse Klassen unterrichte, habe unter Umständen mehr zu tun als Mehrklassenlehrer, argumentierte der Regierungsrat. Daher sei es ungerecht, nur diesen eine Zulage zuzusichern. Im ersten Anlauf zeigte sich aber schnell, dass der Systemwandel scheitern würde. Das war 2011. Im zweiten Anlauf hielt die Regierung nun fest, dass «insbesondere die Tätigkeit an mehrklassigen Klassen und an überdurchschnittlich grossen Klassen» zu berücksichtigen sei. Und diesmal klappte es. Nur einige SVP-Vertreter sowie die Fraktionschefin der Grünen, Esther Guyer (Zürich), stimmten dagegen.

«Das Problem ist die Goodie-Kultur», sagte Guyer – und fragte: «Muss man in Zukunft den Vorgesetzten gefallen? Mir gefällt das nicht.» Matthias Hauser (SVP, Hüntwangen) monierte, die Kriterien für die Einmalzulage seien nicht transparent. «Dies schadet den Schulen mehr, als es nützt.»

Doch die Ratsmehrheit sah es anders. «Mir gefällt, dass vor Ort über die Zulagen entschieden wird – dort, wo man die Si­tua­tion kennt», sagte Karin Maeder (SP, Rüti). Corine Thomet (CVP, Kloten) lobte, dass die Regierung mit der Erwähnung von Mehrklassen und grossen Klassen im Verordnungstext nun Kriterien für die Lehrerboni definiert habe.

«Grosser Aufwand»

Bleibt die Frage, ob Mehrklassenunterricht tatsächlich pädagogisch ­besonders wertvoll ist. «Lehrpersonen suchen nach neuen Formen, um erfolgreich zu unterrichten», erklärt ZLV-Präsidentin Lätzsch den Boom. Persönlich zeigt sie sich skeptisch – und verweist dabei auch auf Erkenntnisse des Bildungsforschers Urs Moser von der Universität Zürich. «Der Aufwand für Mehrklassenunterricht ist gross», so Lätzsch. Was dabei an Lernerfolgen herausschaue, rechtfertige aber den Aufwand nicht unbedingt. Fest stehe, dass soziale Aspekte im Mehrklassenunterricht mehr Gewicht erhielten.

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