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Leichtathletik-EM in Zürich war trotz Ticket-Malaise ein Erfolg

Die Veranstalter der Leichtathletik-EM in Zürich zogen gestern ein positives Gesamtfazit. Der Grossanlass habe nicht nur Besucher und Athleten begeistert, sondern auch anderen Bereichen massgebliche Impulse verliehen. Ein Dämpfer bleibt aber das Millionendefizit.

Patrick Magyar, CEO der Leichtathletik EM 2014, machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: «Wir haben da einen Schuh voll herausgezogen», sagte er gestern an der Pressekonferenz zur EM-Schlussbilanz im Medienraum des Letzigrund-Stadions. «Es ist uns nicht gelungen, mehr Leute ins Stadion zu holen, wir haben unser Ticketziel deutlich verfehlt.» Die Erträge aus dem Ticketverkauf ­lagen denn auch rund 6 Millionen Franken tiefer als budgetiert.

Das Millionenloch

Wegen der fehlenden Ticketeinnahmen resultierte letztlich ein Defizit von 3,16 Millionen Franken. Gut 2 Millionen Franken davon sind durch das Eigenkapital der Organisatoren gedeckt. Das restliche Defizit wird je zur Hälfte von Privaten und von der ­öffentlichen Hand – Stadt, Kanton und Bund – getragen.

Vom 12. bis zum 17. August besuchten insgesamt 148 498 Zuschauerinnen und Zuschauer die Wettkämpfe im Stadion Letzi-grund. Dies geht aus dem gestern präsentierten EM-Schlussbericht hervor. Während der Abend- und Nachmittagswettkämpfe betrug die Stadionauslastung im Schnitt 81 Prozent. Während der vier Morgenwettkämpfe war der Letzigrund hingegen nur zu 65 Prozent belegt. Doch selbst die etwas besseren Nachmittags- und Abendauslastungszahlen sind nur bedingt zum Nennwert zu nehmen, zumal der EM-Chef auf Nachfrage dieser Zeitung einräumen musste, dass 15 Prozent der Tickets gratis abgegeben wurden.

Vielleicht seien ja die Ticketpreise tatsächlich etwas zu hoch gewesen, meinte Magyar. Günstigere Eintrittskarten hätten aber seiner Ansicht nach nur zu einem volleren Stadion geführt – wenn überhaupt –, aber nicht zu einer volleren Kasse. Der etwas ernüchterte EM-CEO geht deshalb davon aus, dass zukünftige Veranstaltungen dieser Grössenordnung auf mehr Unterstützung der öffentlichen Hand angewiesen sein werden – oder private Partner finden müssen.

358 Millionen TV-Zuschauer

Abgesehen von dem Ticket-Malaise gab es gestern jedoch auch einige recht erfreuliche Zahlen zu vermelden. 358 Millionen Sportbegeisterte haben die Wettkämpfe am Fernsehen mitverfolgt. Das sind mehr als in Göteborg 2006 (340 Millionen) und beinahe gleich viele wie an der EM in Barcelona 2010 (368 Millionen). «Das ist unbezahlbares Standortmarketing», meinte Stadtrat Gerold Lauber.

Ein Allzeithoch gab es in der Hotellerie zu verzeichnen. So wurde in der Stadt Zürich im ­vergangenen August mit rund 317 000 Übernachtungen erstmals die 300 000er-Marke geknackt. Allein die Besuchergruppen der Leichtathletik-EM generierten im Kanton Zürich mehr als 60 000 Übernachtungen. Zudem: 47 Prozent der EM-Besucher waren zum ersten Mal in Zürich.

Einer Studie zufolge löste die Leichtathletik-EM in der ganzen Schweiz Umsätze von 146 Millionen Schweizer Franken aus, davon entfielen 95 Millionen oder 65 Prozent auf den Kanton Zürich.

Mehr Nachwuchs

Eines der Hauptziele der Organisatoren war es, mit der EM der Schweizer Leichtathletik mehr Schwung zu verleihen. Laut Hansruedi Müller, Präsident von Swiss Athletics, wurden auch in dieser Hinsicht «alle Erwartungen übertroffen». Nach einem jahrelangen Rückgang ist die Zahl der lizenzierten Sportler zwischen 2010 und 2014 um 12,2 Prozent gestiegen. Eindrücklich ist auch die Entwicklung bei der Nachwuchsplattform UBS Kids Cup. In diesem Jahr wurden rund 121 000 Teilnehmer verzeichnet – mehr als doppelt so viele wie noch 2011.

Thomas Münzel

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