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Lesen am Steuer nicht nachweisbar

Eine 60-jährige Winterthurerin obsiegt über die Zürcher Stadtpolizei. Laut Anklage soll sie während dem Autofahren gelesen haben. Nicht zu beweisen, befand nun das Gericht.

«Ich bin total erschrocken», erinnert sich die heute 62-jährige Winterthurerin an den 8. Oktober 2012 zurück. Die Hausfrau fuhr damals mit ihrem Auto um die Mittagszeit auf der Schaffhauserstrasse in Zürich. Als sie bei einer Baustelle anhielt, rissen plötzlich mehrere Beamte der Stadtpolizei Zürich die Autotüren auf. «Das Vorgehen der Polizisten war rambomässig», beschwerte sich die Winterthurerin am letzten Freitag vor dem Bezirksgericht Zürich.

Wegen Lesens während der Fahrt gebüsst

Unbestritten ist, dass die Beschuldigte einer Polizeipatrouille wegen einer unsicheren Fahrweise aufgefallen war. So fuhr sie in Schlangenlinie in Richtung Hirschwiesenstrasse. Als die Polizisten sie mittels Leuchtschrift auf dem Polizeiauto zum Anhalten aufforderten, reagierte die Beschuldigte vorerst nicht. Dabei beobachteten die Ordnungshüter von hinten, wie die Frau ein Blatt Papier in den Händen hielt. Erst nachdem sie die Sirene betätigten, hielt die Winterthurerin bei einer Baustelle an.Für die Polizisten war der Grund für die unaufmerksame Fahrweise klar: Die Frau soll während der Fahrt vom Blatt abgelesen haben. Obwohl die Lenkerin diesen Vorwurf in Abrede stellte, kam das Stadtrichteramt im letzten Herbst per Strafbefehl zu einem Schuldspruch wegen Lesens während der Fahrt. Neben einer Busse von 200 Franken sollte die Winterthurerin die Verfahrenskosten von 250 Franken bezahlen.

Unsichere Fahrweise wegen Baustelle

Die Frau wehrte sich gegen den Schuldspruch. Sie erhob Einsprache und erschien mit einem erfahrenen Rechtsanwalt vor Gericht. Dieser plädierte wegen eines fehlenden Tatbestandes auf einen vollen Freispruch und machte geltend, dass es gar nicht bewiesen sei, dass seine Mandantin gelesen habe. Zudem sei ein unsicherer Fahrstil nicht strafbar.Die Frau selber gab an, dass sie den fraglichen Zettel mit dem Daumen am Lenkrad fixiert habe. Darauf habe sich bloss eine Telefon-Nummer befunden, erinnerte sie sich zurück. Ihre unsichere Fahrweise führte sie auf die Baustelle zurück. Als sie die Sirene gehört habe, sei sie auf die Seite gefahren, um Platz zu machen.

Erfolgreiche Verteidigung

Das Gericht folgte zum Schluss der Verteidigung und kam zu einem vollen Freispruch. Die Einzelrichterin hielt fest, dass die Frau tatsächlich unaufmerksam gefahren sei. Was möglicherweise auch auf ihre mangelnde Ortskenntnisse in Zürich zurückzuführen sei, folgerte die Richterin. Entscheidend sei aber, dass nicht erwiesen sei, dass die Lenkerin etwas vom Blatt abgelesen habe. Es sei auch möglich, dass sie nur auf den Tacho geschaut habe. Eine unaufmerksame Fahrweise sei dagegen kein Thema der Anklage gewesen. Neben dem Freispruch sprach das Gericht der Frau auch eine Prozessentschädigung von 4'300 Franken zu.

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