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Lomo

Abgekürzte Verwirrung

Ich mag Abkürzungen überhaupt nicht. Dies vor allem deshalb, weil ich sie meistens überhaupt nicht verstehe. Wenn ich nur daran denke, wie lange es gedauert hat, bis ich endlich begriffen habe, was dieses rätselhafte «LG» soll, mit dem manche Bekannte ihre Kurznachrichten an mich enden lassen. Unter­dessen hab ich mich kundig ­gemacht, dass es die Abkürzung von «Liebe Grüsse» sein soll. Hätte ja aber auch die Aufforderung «Lies Goethe!» bedeuten können – was zumal in der Zeit, als ich noch Germanistik studierte, durchaus seine Berechtigung gehabt hätte. Oder: «Lutsch Gummibonbons», wenn mal ­wieder Heiserkeit im Anzug war. Auch dass mit GV je nachdem ­etwas anderes gemeint ist, wenn es auf dem Rundschreiben des Turnvereins steht oder in einer Kontaktanzeige, muss man erst mal merken. Indes ist anzunehmen, dass ich wohl nicht der Einzige bin, der an einer solchen Abkürzungs­legasthenie leidet, und so bin ich mir denn auch gar nicht mehr so sicher, was von dieser Pegida-­Bewegung zu halten ist, die sich dieser Tage in Deutschland so hervortut und nun auch in der Schweiz Kundgebungen plant. Es ist nämlich durchaus anzunehmen, dass bei Pegida einige mitlaufen, die noch gar nicht verstanden haben, wofür die Abkürzung eigentlich stehen soll. Vielleicht ist dies überhaupt das heimliche Erfolgsgeheimnis dieser Bewegung: mit einem kryptischen Namen auch jene mobilisieren, die eigentlich gar nicht zur Zielgruppe gehören. Offiziell ist Pegida ja die Abkürzung für «Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes». Aber wäre es nicht viel sympathischer, wenn an deren Treffen statt einer bedenklichen Wutbürger-Versammlung vielmehr eine gemütliche Multikulti-Kochsendung stattfinden würde mit dem Titel: «Pakistanische Einwanderer grillieren indischen Dattelauflauf»? Und wer garantiert, dass nicht jetzt schon mehrere Kochfans an diese Kundgebungen hingehen in der Annahme, hier gebe es «Panierten Edamer, ­garniert in dunklem Algensalat», zu degustieren?

Auch der Slogan «Protzige Einfaltspinsel grüssen doofe Aufschneider» dürfte wohl schon heute auf einige der Teilnehmer exakt zutreffen. Und andere wiederum deuten die hochgehaltenen Transparente möglicherweise schlicht für die neuesten Werbebanner der Gesundheitsindustrie: «Podologische Ein­lagen gegen Infektionen des Aussenrists» oder «Ponstan-­Einzeldosen gibts in der Apotheke». Mir indes, der ich ja Abkürzungen sowieso immer falsch lese, ist es einerlei. Meine Haltung ist: wenn schon Pegida, dann lieber Pepita!Johannes Binotto

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